Betriebsrat bescheinigt Verhandlungsfortschritte: Experte: Bei GM-Jobabbau kein Ende in Sicht
zuletzt aktualisiert: 26.10.2004 - 13:28Frankfurt/Main (rpo). Die Überkapazitäten von General Motors in Europa sind nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer so groß, dass auch mit dem angekündigten Abbau von 12.000 Stellen "noch lange nicht das Ende der Fahnenstange" erreicht ist. Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz berichtete im Fernsehsender XXP von deutlichen Fortschritten bei den Verhandlungen mit dem Management. Die Gespräche über das Sanierungskonzept sollen am Donnerstag fortgesetzt werden.
Dudenhöffer betonte, auf Grund der Überkapazitäten könnte es nach Abschluss der derzeitigen Verhandlungen spätestens Anfang 2005 zu weiteren Kapazitäts- und Personal-Einschnitten bei Tochtergesellschaften kommen. Der Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen nannte in diesem Zusammenhang die Tochter Fiat-GM-Powertrain mit Sitz in Turin, die je zur Hälfte GM und Fiat gehört. In dem Joint Venture haben die beiden Autohersteller die Entwicklung und Produktion von Motoren- und Getrieben in Europa gebündelt.
Nach Einschätzung Dudenhöffers gibt es dort einen Beschäftigungsüberhang von "deutlich mehr als 2.000 Beschäftigten". "Da Werksschließungen und Entlassungen in Italien so gut wie unmöglich sind, Osteuropa die besten Kostenrelationen besitzt, Südamerika für den dortigen Markt ausgerichtet ist, bleibt für die Kapazitätsanpassung die Diskussion zwischen deutschen, österreichischen, schwedischen und englischen Werken bei Fiat-GM-Powertrain", erklärte der Autoexperte weiter.
Franz: "großer Sprung nach vorne"
Der Opel-Betriebsratsvorsitzende Franz erklärte, in der Sondersitzung des Aufsichtsrates hätten die Verhandlungspartner einen großen Sprung nach vorne gemacht. "Es gibt einen zeitlichen Fahrplan, wir haben uns einen wahren Verhandlungsmarathon auferlegt. Wir lassen uns aber nicht unter Zeitdruck setzen", sagte er. "An erster Stelle steht jetzt nicht mehr, die Kopfzahl zu reduzieren, was ja immer der Ansatz der Amerikaner ist.
Stattdessen diskutieren wir jetzt über Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren", erklärte Franz dem Sender. Die GM-Strukturen in Europa seien zu bürokratisch. Deswegen hätten die Arbeitnehmervertreter dem Management vorgeschlagen, operative Einheiten zusammenzufassen. "Die sind aufgeschreckt wie der Fuchs im Hühnerstall, dass Arbeitnehmer auf solche Ideen kommen können."
Zur Auslagerung von Arbeitsplätzen im Bereich der Entwicklung sagte Franz: "Die gesamte Entwicklung ist nicht ohne weiteres ins Ausland transferierbar. Die Fließbandentwicklung wird in Länder wie China und Indien gehen. Die Vorausentwicklung und das konzeptionelle Design werden aber hier bei uns bleiben."
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