Gesundheitsfonds verursacht Beitragserhöhungen: Experte fürchtet massive Probleme für Krankenkassen
zuletzt aktualisiert: 27.12.2008 - 18:45Ludwigshafen/Berlin (RPO). Der Gesundheitsfonds sorgt kurz vor seiner Einführung für immer heftigere Diskussionen. Millionen von privat und gesetzlich Versicherten müssen sich auf Beitragserhöhungen einstellen. Ein Experte rechnet mit einer Fusionswelle unter den Krankenkassen.
Der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen, rechnet wegen des Gesundheitsfonds mit einer Konsolidierung unter den gesetzlichen Krankenversicherungen. "Es gibt eine Reihe von Kassen, die unter Fondsbedingungen nicht werden überleben können", sagte Klusen der "Rheinpfalz" in Ludwigshafen. Er würde sich nicht wundern, wenn Ende nächsten Jahres 80 bis 100 Kassen weniger gäbe. Derzeit gibt es 215 gesetzliche Kassen.
Klusen kritisierte zugleich das System der Finanzzuweisungen und Ärztehonorare der Gesundheitsreform. "Um gegenüber Mitbewerbern keine Nachteile zu haben, werden Kassen dafür sorgen müssen, möglichst viele als krank dokumentierte Versicherte zu haben", sagte der TK-Chef. Auf Ärzte werde Druck ausgeübt werden, Patienten zu ihrem Vorteil einzugruppieren.
Beitragserhöhungen drohen
Mehreren Millionen Privatversicherten droht im nächsten Jahr ein erheblicher Anstieg ihres Krankenversicherungsbeitrags. Der Bund der Versicherten führt dies auf die Einführung des Gesundheitsfonds zum 1. Januar zurück. "Die PKV hat massive Finanzierungsprobleme", sagte BdV-Vorstand Thorsten Rudnick der Nachrichtenagentur AP. Dies würden die meisten der acht Millionen Privatversichten zu spüren bekommen.
Aber auch zahlreiche gesetzlich Versicherte müssen sich auf zusätzliche Gebühren ab Mitte 2009 einstellen. "Ich rechne damit, dass dann etwa 20 Krankenkassen Zusatzbeiträge erheben werden", sagte der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Josef Hecken, dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Kassen-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer.
Kritik an Begrenzung des Zusatzbeitrages
Hecken schätzt, dass etwa sechs Prozent der Versicherten - also mehr als vier Millionen Kassenpatienten - die Extra-Gebühr zahlen müssen. Er kritisierte die gesetzliche Begrenzung des Zusatzbeitrags auf ein Prozent des Einkommens. "Wir alle wissen, dass die Begrenzung des Zusatzbeitrages das Ergebnis eines politischen Kompromisses ist, der schon auf mittlere Sicht nicht tragen wird", wird er im "Spiegel" zitiert. "Mittelfristig kann das System mit dieser Deckelung nicht funktionieren."
Auch die Kassenverbandschefin Pfeiffer warnte wenige Tage vor dem Start des Gesundheitsfonds vor finanziellen Engpässen. "Bereits heute ist absehbar, dass der Gesundheitsfonds vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise mit einer Unterdeckung startet", sagte sie der "Frankfurter Rundschau".
Gleichzeitig kritisierte sie den ab dem 1. Januar fälligen Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent, den die Bundesregierung festgelegt hat: Wären auch im kommenden Jahr die einzelnen Kassen noch in der Finanzverantwortung, könnten sie "individuell, kurzfristig und flexibel" auf Finanzprobleme reagieren.
Erhebliche Beitragssteigerungen bereits in vergangenen Jahren
Die Privatversicherten mussten bereits in den vergangenen Jahren erhebliche Beitragssteigerungen hinnehmen. Nach einer aktuellen BdV-Umfrage mussten 41 Prozent in den vergangenen fünf Jahren jährlich fünf bis zehn Prozent mehr zahlen. Bei jedem Vierten betrugen die Erhöhungen im Schnitt sogar mehr als zehn Prozent. "An dieser Situation wird sich nichts ändern", betonte Rudnik.
Ab 2009 müssen alle Privatversicherungen einen Basistarif anbieten, in den auch gesetzlich Versicherte wechseln dürfen. Der Basistarif darf nicht mehr kosten als der Höchstbetrag bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Zugleich sind die Unternehmen verpflichtet, Neumitglieder ohne Gesundheitsprüfung in den Basistarif aufzunehmen. "Das werden viele nutzen, allerdings ist der Basistarif der PKV erheblich unterfinanziert", sagte Rudnik. Er müsse deshalb von denjenigen aus dem PKV-Normaltarif subventioniert werden. "Und das wird durch kräftige Beitragssteigerungen passieren", betonte der Experte.
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