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Deutsche Banken bestehen Stresstest
Experte: Stresstest sollte geheim bleiben

Düsseldorf (RP). Europas Börsen haben nach dem Stresstest für die kontinentale Geldwirtschaft gelassen reagiert. Mit Ausnahme der Hypo Real Estate haben alle 14 deutsche Institute den Test der europäischen Bankenaufseher bestanden. Neue Kapitalhilfen bahnen sich in Deutschland nicht an. Aber Anlass zur Euphorie besteht deswegen noch nicht. Von Georg Winters

Wolfgang Gerke hat zu den gestern veröffentlichten Stresstests bei Banken eine klare Meinung. "Das Ganze diente doch nur dazu, die Finanzmärkte zu beruhigen", sagte der Erlanger Bankprofessor unserer Zeitung. "Was da rauskam, wussten wir doch schon alle vorher." Tatsächlich haben sich die absehbaren Ergebnisse bestätigt.

Die Hypo Real Estate (HRE) ist für ein extremes Krisenszenario – also für eine Wiederholung der Finanzkrise einschließlich eines Zusammenbrechens des Marktes für europäische Staatsanleihen – am wenigsten gerüstet und hat den Stresstest nicht bestanden. Die Landesbank Berlin, die anders als andere Banken kaum riskante Wertpapiere hält, kommt am besten weg.

Dazwischen reicht das Band der 14 getesteten Banken von einer komfortablen Position der Deutschen Bank bis zu den Landesbanken Helaba, WestLB und NordLB. Deren Kernkapitalquoten würde zwar auch noch bei dem Horrorszenario den aufsichtsrechtlichen Anforderungen genügen (sechs Prozent), aber für den beinharten Wettbewerb in der Branche wäre die Decke dann wohl erst einmal zu dünn.

Insgesamt sieben Banken durchgefallen

Neben der HRE fielen in Europa noch sechs weitere der 91 getesteten Banken durch – fünf spanische Sparkassen und die griechische ATE-Bank. Nach Angaben des Komitees der europäischen Bankenaufseher brauchen die betroffenen Institute für den Krisenfall insgesamt 3,5 Milliarden Euro frisches Geld. Den Finanzmärkten ist das erst einmal egal. Wenn der Stresstest in Europa tatsächlich nur eine Beruhigungspille für diese Märkte sein sollte, dann ist die Aktion halbwegs gelungen. Europas Bankaktien erlebten zumindest keinen Absturz. In Deutschland erlitten die Deutsche Bank und die Postbank leichte Verluste am Aktienmarkt, die Commerzbank legte sogar mehr als zwei Prozent zu. Soll erfüllt.

Entsprechend entspannt reagieren die Vertreter deutscher Geldhäuser. "Das sind gute Nachrichten im Hinblick auf die Stabilität der deutschen Kreditwirtschaft", sagte Rolf Gerlach, Präsident des westfälischen Sparkassenverbandes, einem der WestLB-Eigentümer, unserer Zeitung. Auch WestLB-Chef Dietrich Voigtländer zeigte sich zufrieden: "Wir sehen uns darin bestätigt, dass die WestLB heute nach Umstrukturierung eine solide kapitalisierte, auf den Kunden fokussierte Bank ist. Die Bank geht mit Zuversicht in die anstehenden Gespräche für einen Eigentümerwechsel." Auch für den neuen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans ist die Kernbank "auf einem gutem Weg".

Ob die allerorten demonstrierte Entspanntheit angezeigt ist, wird in Finanzkreisen bezweifelt. Experten haben nämlich kritisiert, dass beispielsweise im schlimmsten Krisenszenario, das auch in der Grafik abgebildet ist, zwar ein Crash am europäischen Staatsanleihen-Markt simuliert wird, dass aber dafür in den Bankbilanzen nur jene Anleihen für den Test herangezogen werden, die die Banken handeln und die regelmäßig zu Marktpreisen bewertet werden müssen. Anleihen in den Bankbüchern, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden sollen, spielen also keine Rolle.

Und noch ein Punkt, den zumindest Gerke beim nächsten Mal anders machen würde – er würde die Ergebnisse nicht veröffentlichen: "Das sollte man nicht mehr tun."

Quelle: RP
 
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