Die Gewinner der Griechenland-Krise: Exportwirtschaft freut sich über Euro-Schwäche
VON THORSTEN BREITKOPF UND ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 09.04.2010 - 10:27Düsseldorf (RP). Die Zinsen, die der griechische Staat für seine Kredite zahlen muss, steigen auf ein Rekordhoch. Die Märkte wollen erzwingen, dass Griechenland nun Hilfe vom Währungsfonds beantragt. Der Euro fällt weiter. Doch das ist der deutschen Exportwirtschaft nur Recht.
Die Finanzmärkte glauben nicht mehr daran, dass sich Griechenland aus eigener Kraft retten kann. Die Verzinsung von zehnjährigen griechischen Staatsanleihen stieg am Donnerstag auf ein Rekordhoch von rund 7,5 Prozent. So viel hat das Land seit der Euro-Einführung noch nie für seine Kredite zahlen müssen. (Zum Vergleich: Deutschland muss für seine Anleihen drei Prozent zahlen.) Damit wird es für Griechenland immer schwerer, neues Geld zu bekommen.
Das beunruhigt zunehmend die Börsen. Der griechische Aktienindex Athex stürzte am Donnerstag um mehr als fünf Prozent ab. In Deutschland sank der Dax zeitweise um mehr als ein Prozent. Die Rating-Agentur Fitch forderte Athen auf, sofort den im März auf Druck von Kanzlerin Merkel geschnürten EU-Rettungsplan zu nutzen. Danach soll vorrangig der Internationale Währungsfonds (IWF) die Griechen retten, daneben sollen einige Euro-Länder freiwillig Kredite geben.
Doch der Deutschen Exportwirtschaft ist das nur Recht. "Für die Luft- und Raumfahrtindustrie, aber auch für die Export-Paradedisziplinen Maschinenbau und Kraftfahrzeuge ist die Euro-Schwäche Rückenwind", sagte Anton Börner, Präsident des Groß- und Außenhandels-Verbands, unserer Redaktion.
Und der Export zieht schon jetzt deutlich an, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, die am Freitag veröffentlicht wurden. Nach einem spürbaren Rückgang im Januar stieg der Wert der Ausfuhren im Februar auf Jahressicht um preisbereinigt 9,6 Prozent auf 70 Milliarden Euro. Das war der kräftigste Zuwachs seit acht Monaten. Gegenüber dem Vormonat betrug das Plus kalender- und saisonbereinigt 5,1 Prozent.
Zugleich beliefen sich laut den Statistikern die Importe im Februar auf rund 57,3 Milliarden Euro, 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit erzielte der deutsche Außenhandel den Angaben zufolge im Februar einen Überschuss. Nach vorläufigen Ergebnissen wies die Handelsbilanz einen Positivsaldo von rund 12,6 Milliarden Euro auf.
Warum steigen die Zinsen?
"Die Griechen müssen so viel für ihre Anleihen zahlen, weil die Märkte endlich Details zum Rettungspaket wissen wollen", sagte Torge Middendorf, Griechenland-Experte der WestLB. Der hohe Zins sei aber kein Misstrauensvotum gegen den Rettungsplan an sich. "Der IWF kann sich günstiger als einzelne Länder refinanzieren, und er hat viel mehr Erfahrung darin, Sanktionen und Sparauflagen durchzusetzen", sagte Middendorf.
Wie wahrscheinlich ist eine Pleite?
Am 20. April muss Athen Schulden von acht Milliarden Euro tilgen, im Mai weitere elf Milliarden. "Das wird das Land nicht zu bezahlbaren Konditionen am Kapitalmarkt bekommen", sagt Middendorf. Das heißt: Das Land wäre ernsthaft von Pleite bedroht. Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, versuchte gestern zwar zu beruhigen: "Nach allen Informationen, die ich habe, ist eine Pleite kein Thema für Griechenland", sagte er. Doch Banken-Volkswirte sind überzeugt, dass bald der Fall der Fälle eintritt, wie es in einer Commerzbank-Studie heißt. "Griechenland wird sich wohl an den IWF wenden müssen", ist auch der WestLB- Experte überzeugt.
Wie entwickelt sich der Euro?
Die griechische Krise belastet den Euro weiter. Am Donnerstag fiel er auf 1,33 Euro, der tiefste Kurs seit neun Monaten (siehe Grafik). Am Freitagmorgen wurde er zu 1,3390 Dollar fester gehandelt. Die WestLB erwartet, dass der Euro am Jahresende bei 1,26 Dollar liegen wird.
Wer sind die Gewinner des schwachen Euro?
"Für die Luft- und Raumfahrtindustrie, aber auch für die Export-Paradedisziplinen Maschinenbau und Kraftfahrzeuge ist die Euroschwäche Rückenwind", sagt Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes, unserer Zeitung. Grundsätzlich sei die Euroschwäche gut für die Exporte in den Dollarraum und nach Asien, deren Währungen oft an den Dollar gekoppelt sind. "Ein billiger Euro wirkt wie Doping für die Exportwirtschaft", warnt dagegen Deutsche-Bank-Analyst Nicolaus Heinen. Langfristig aber gewöhnten sich die Branchen an ihren Preisvorsprung und würden weniger konkurrenzfähig.
Wer sind die Verlierer?
"Verlierer eines schwachen Euro sind etwa deutsche Studenten, die ein Auslandsstudium planen und umgerechnet höhere Studiengebühren in Großbritannien oder den USA zahlen müssen", sagt Heinen. "Auch Fernreisen werden kostspieliger, denn Flugbenzin, Lebenshaltung und Urlaubseinkäufe werden teurer." Vor allem der Autofahrer spüre die Euroschwäche, weil Treibstoff teurer werde.
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