Internationaler Wettbewerb: Fachkräfte weltweit gesucht
VON MARGARETE VAN ACKEREN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2007 - 19:31Berlin (RP). Im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte hinkt Deutschland hinterher. Bei Ingenieuren ist die Lage besonders dramatisch. Auch Ärzte zieht es verstärkt ins Ausland. Die Bundesregierung will mehr Ausländer.
Stimmungsbilder wie aus zwei Parallelwelten: Otto-Normalbürger sieht wachsende internationale Konkurrenz, fürchtet Billig-Arbeitskräfte aus Osteuropa oder anderen Staaten der Welt. Und angesichts von 3,8 Millionen Arbeitslosen hat er für Debatten über mehr Zuwanderung oft ohnehin wenig Verständnis.
Die Wirtschaft plagen ganz andere Sorgen. Sie blickt auf die vielen Ausländer, die erst gar nicht kommen – und die wachsende Zahl von Einheimischen, denen die Bedingungen anderswo attraktiver erscheinen. Die Engpässe bei Fachkräften verursachen einen volkswirtschaftlichen Schaden von 18 bis 22 Milliarden Euro, beklagt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Es hat 2500 Firmen befragt und wertet die Ergebnisse aus.
Die Bundesregierung steht zwischen diesen Parallelwelten. Sie will die Sorgen breiter Teile der Bevölkerung ernst nehmen, zugleich aber im internationalen Kampf um die besten Köpfe nicht den Anschluss verlieren. Heute und morgen bei der Klausur in Meseberg ist das Thema ein Schwerpunkt.
Im vorigen Jahr blieben allein etwa 48 000 Ingenieur-Stellen unbesetzt. Im Vergleich der Industrienationen hinkt Deutschland hinterher: Schwedischen, finnischen oder japanischen Firmen stehen bezogen auf die Zahl der Beschäftigten dreimal so viele Ingenieure zur Verfügung.
Mehr noch: Abwanderung wird ein bedrohliches Thema. Insgesamt 155.000 Hochqualifizierte zog es im vorigen Jahr ins Ausland, nur 103.000 kamen zurück. Laut Bundesärztekammer wanderten 2600 Mediziner aus – über 1000 nach Österreich oder in die Schweiz. Mittlerweile arbeiten mehr als 12.000 deutsche Ärzte im Ausland. Tendenz: steigend.
Großbritannien ist zwar kein Paradies für Patienten, aber die Bedingungen für Ärzte gelten als reizvoll. Immerhin so reizvoll, dass sich schon Medizinstudenten verstärkt nach Großbritannien hin orientieren. Der National Health Service verspricht geregelte Arbeitszeiten.
Die „Wanderungsbewegung“ Hochqualifizierter macht Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) Sorgen. Sie will die Rahmenbedingungen für Spitzenkräfte in Wirtschaft und Wissenschaft verbessern – auch mit besseren Angeboten für die Partner und verlässlichen Betreuungsplätzen für die Kinder.
Die Not in Teilen der Wissenschaft ist so groß, dass Bund und Länder mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft Professoren die Möglichkeit bieten wollen, nach Erreichen der Altersgrenze weiter zu arbeiten. Seniorprofessur nennt sich das. Denn bis 2013 wird die gewerbliche Wirtschaft etwa 330.000 Akademiker altersbedingt verlieren, allein 70.000 Naturwissenschaftler. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag fürchtet, dass bis 2010 etwa 30 .000 fehlende Forscher die Innovationsfähigkeit schwächen.
Schavan und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wollen Deutschland für Spitzenkräfte attraktiver machen. Die Forschungsministerin drängt darauf, die Einkommensgrenzen für qualifizierte Zuwanderer von 85.000 auf 40.000 bis 60.000 Euro pro Jahr zu senken. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hat grundsätzliche Bedenken. Er setzt darauf, zunächst Reserven des heimischen Arbeitsmarktes zu nutzen. In Meseberg will die Regierung den Konflikt bereinigen und ein Konzept vereinbaren. Kommentar
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