Autobauer in der Krise: Fiat will offenbar alle Opel-Standorte erhalten
zuletzt aktualisiert: 27.04.2009 - 06:13Hamburg (RPO). Fiat hält an seinen Opel-Übernahmeplänen fest. Ängsten von deutschen Politikern und Gewerkschaften ist der italienische Autohersteller jetzt entgegen getreten. Er soll den Erhalt aller vier Montagestandorte von Opel in Deutschland garantiert haben. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern General Motors legt unterdessen am Montag Einzelheiten eines neuen umfassenden Sanierungsplans vor.
Fiat will laut "Spiegel online" die Opel-Montagestandorte erhalten. Das bedeute allerdings nicht, dass auch die jetzigen Kapazitäten der Werke in Deutschland garantiert werden könnten, berichtet das Magazin. Fiat plane eine weitere Zusammenlegung der Produktion.
Zudem hätten die Italiener zugesichert, dass alle Schulden der Turiner Gruppe aus einer möglichen Fusion herausgehalten würden. "Es wurde klargestellt, dass die Schulden der Fiat-Gruppe nicht mit in die Ehe eingebracht werden", sagte am Sonntag ein Insider in Turin, der unmittelbar mit der geplanten Übernahme von Opel vertraut sein soll, wie "Spiegel Online" weiter berichtet.
Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich in die Gespräche über den Einstieg des Zulieferers Magna beim taumelnden Autobauer Opel eingeschaltet. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" aus dem Umfeld des SPD-Kanzlerkandidaten hält er "Magna für eine interessante Option für Opel". Er habe mehrfach mit dem Europa-Chef von Magna, Siegfried Wolf, und dem heutigen Magna-Aufsichtsrat und früheren österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky geredet.
Zudem habe Steinmeier am vergangenen Freitag mit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gesprochen, um eine zu frühe Festlegung auf einen Investor zu verhindern.
IG-Metall-Chef Berthold Huber lehnte einen Einstieg von Fiat beim angeschlagenen Autobauer Opel ab. "Wir sprechen uns gegen Fiat aus", sagte Huber am Sonntagabend im ZDF. Da Fiat stark verschuldet sei, würden die Opel-Standorte in Bochum und Eisenach "dann wahrscheinlich nicht überleben", sagte er zur Begründung.
GM legt neuen Sanierungsplan vor
Die Opel-Standorte stehen aber auch ohne Übernahme durch Fiat auf dem Spiel. General Motors legt am Montag Einzelheiten eines neuen umfassenden Sanierungsplans vor. Nach Angaben von zwei Gewährsleuten will GM unter anderem mehr Werke schließen als bisher geplant und das Aus der Marke Pontiac bekanntgeben.
Der Autohersteller wird zurzeit mit staatlichen Notkrediten von 15,4 Milliarden Dollar am Leben erhalten. Die Regierung hat GM eine Frist zum 1. Juni gesetzt, um seine Schulden abzubauen, Kosten zu verringern und eine Umstrukturierung einzuleiten. Andernfalls müsste der größte US-Autokonzern nach Angaben von Vorstandschef Fritz Henderson ein Insolvenzverfahren einleiten.
Gewerkschaft einigt sich mit Chrysler, Fiat und US-Regierung
Der US-Autobauer Chrysler hat unterdessen eine weitere Hürde im Kampf um seine Rettung genommen. Die Gewerkschaft UAW stimmte am Sonntag einer vorläufigen Vereinbarung mit Chrysler, dem italienischen Hersteller Fiat und der Regierung zu. Washington hat dem Unternehmen eine Frist bis Donnerstag gesetzt, um mehrere Bedingungen für eine weitere Unterstützung zu erfüllen. Dazu gehören eine Einigung mit den Gläubigern über einen Tausch von Schulden gegen Aktien und eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft über einen Gesundheitsfonds für Pensionäre.
Das Abkommen biete die notwendigen Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, erklärte Chrysler-Vertreter Al Iacobelli. Es helfe, die Vorgaben des Finanzministeriums einzuhalten, und damit könne Chrysler weiterhin eine Partnerschaft mit Fiat verfolgen.
Chrysler lebt zurzeit von staatlichen Notkrediten im Umfang von vier Milliarden Dollar. Einen ersten Sanierungsplan des schwer angeschlagenen Unternehmens lehnte Washington im Februar ab. Weitere staatliche Kredite für die Fortführung von Chrysler wären bei einer Beteiligung von Fiat an dem US-Unternehmen möglich. Im Gespräch ist die Übernahme eines Anteils von 20 Prozent. Im Gegenzug soll Fiat die Chrysler-Technologie für die Produktion von Kleinwagen erhalten.
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