Übernahme von Opel: Fiat wittert zweite Chance
VON ALEXANDER VON GERSDORFF - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009 - 20:41Berlin (RP). Nur wenige Tage nach der Rettung von Opel mit Staatshilfe ist das Rennen wieder offen. Aufgrund neuer Fakten beharrt der Autobauer Fiat darauf, noch einmal berücksichtigt zu werden.
Man fühle sich ausgetrickst, dass der Investor Magna nun doch nicht jene 300 Millionen Euro zahlen müsse, die zur unmittelbaren Rettung von Opel notwendig waren, hieß es von Fiat laut "Süddeutsche Zeitung". Italiens Industrieminister Claudio Scajola sagte, Äußerungen der Regierung in Berlin bedeuteten hoffentlich, dass die Entscheidung zugunsten von Magna in einem halben Jahr überprüft werde.
Ein Regierungssprecher hatte erklärt, das Rennen um Opel sei auch nach der vorläufigen Einigung mit Magna weiter offen für andere Bieter. Am Wochenende hatte sich die Koalition mit General Motors (GM) geeinigt, die Mehrheit der Opel-Anteile von GM an den Autozulieferer Magna und die russische Sberbank zu verkaufen.
Bund bürgt für Milliardenkredit
Der Bund bürgt für einen Kredit über 1,5 Milliarden Euro. Magna selbst geht kein unternehmerisches Risiko ein. Während der Verhandlungen hatte GM 300 Millionen Euro sofortige Liquiditätshilfe für Opel verlangt. Fiat lehnte ab, Magna willigte ein und erhielt den Zuschlag. Dann jedoch stellte die Bundesregierung die Summe selbst bereit.
Nach Informationen unserer Redaktion hatte GM den italienischen Autobauer Fiat von Anfang an abgelehnt, weil die Italiener Opel komplett übernehmen wollten. GM dagegen will mit einer Beteiligung von 35 Prozent an Bord bleiben. Wie aus einer Verhandlungsunterlage der Bundesregierung hervorgeht, riskiert Opel mit Magna "ein Abwandern von Technologie und Arbeitsplätzen nach Russland". An dem Geschäft ist auch der russische Autohersteller GAZ beteiligt.
Die FDP-Bundestagsabgeordnete Gudrun Kopp nannte die Pläne "abenteuerlich". CSU-Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg spiele bei der Opel-Rettung "nur eine Alibi-Rolle". Guttenberg hatte sich gegen den Verkauf an Magna ausgesprochen, die Entscheidung dann aber mitgetragen. Die russische Sberbank kündigte an, nur vorübergehend bei Opel einzusteigen. Man habe nicht die Absicht, langfristig ein "strategischer Investor" zu bleiben, sagte Bank-Chef German Gref in Sankt Petersburg.
Beschäftigte sollen auf Lohn verzichten
Laut "Frankfurter Rundschau" müssen die Opel-Beschäftigten zur Rettung des Unternehmens bis 2014 auf 200 Millionen Euro Lohn und Gehalt verzichten. Die Leitung der restrukturierten Opel unter Führung von Magna soll GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster übernehmen. Aus dem Rennen ist damit Opel-Chef Hans Demant.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
