Willicher McZahn AG verspricht Zahnersatz zum Nulltarif: Fielmann für die Zähne
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 22.07.2006 - 15:32Willich (RP). Die Willicher McZahn AG verspricht Zahnersatz zum Nulltarif. Mit 450 eigenen Zahnarztpraxen will das Unternehmen den deutschen Markt aufrollen. Die Patienten stehen jetzt schon Schlange. Ab Oktober lockt das Unternehmen die 70 Millionen Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) mit „Zahnersatz zum Nulltarif“.
Das vollmundige Versprechen stößt schon jetzt auf so starkes Interesse, dass Branchenkenner mit völlig neuen Spielregeln auf dem Markt für Inlays, Kronen und Zahnprothesen rechnen.
Seit die Kassen beim Zahnersatz nur noch Pauschalen zuschießen, rechnen die Zahnärzte bei ihren Patienten vermehrt private Zusatzleistungen ab. So wandert inzwischen mehr als jeder zweite Euro nicht mehr aus der GKV-Schatulle sondern aus privater Hand auf die Konten von knapp 65000 deutschen Zahnärzten. „Dadurch wird Zahnersatzversorgung teurer, und Patienten verzichten auf Zahnersatzversorgung“, zitiert die GKV eine aktuelle Studie der Hamburger Planungsgruppe M+M.
Dass Patienten lieber auf dem Zahnfleisch kriechen als sich Zahnersatz zu leisten, darf und muss nicht sein. Das meint Werner Brandenbusch, der vor einem Jahr mit einem befreundeten Zahnarzt die McZahn AG gegründet hat. Die Geschäftsidee klingt nach Fielmann: Zahnersatz zum Null-Tarif. Erhältlich in 450 Zahnarzt-Praxen, die das Unternehmen bis 2009 in Deutschland gründen will. Die ersten fünf gehen im Oktober in Krefeld (zwei Praxen), Bünde, Moers und Wassenberg an den Start. Obwohl McZahn „noch keinen einzigen Euro in Werbung investiert“ habe, wie Brandenbusch versichert, seien diese fünf Praxen „bereits auf Monate ausgebucht.“
Was die Patienten lockt, ist das Geld. „Beim herkömmlichen Zahnarzt kostet die Krone mit Einbau rund 450 Euro“, rechnet der 54-Jährige vor, „davon zahlen die Kassen 50 bis 65 Prozent und der Patient den Rest.“ Das Spar-Potenzial liege in den deutschen Dental-Laboren, „die sich für eine solche Krone gut 300 Euro einstecken“, so Brandenbusch. Er kann seinen Kunden die gleiche Krone für 69 Euro verkaufen. „Das ist so günstig, dass wir vom Patienten keine Zuzahlung mehr brauchen.“ McZahn lässt den Zahnersatz in China anfertigen. Dort hat die AG eigene Dentallabore, die nur das Material in Deutschland einkaufen. Billigware?
„Das ist ein teures Vorurteil“, nimmt Brandenbusch den Einwand gelassen: Erstens müsse der Zahnersatz aus China vor dem Einsatz grundsätzlich die Endkontrolle eines deutschen Zahnlabors passieren. Zweitens sei der kritische Punkt nicht das Schleifen und Gießen sondern der Gebiss-Abdruck, „den natürlich der deutsche Zahnarzt selbst vornimmt“. Drittens gebe es keinen Grund, Chinesen grundsätzlich geringere Fähigkeiten beim Anfertigen von Zahnersatz zu unterstellen: „Die bauen schließlich auch Raumschiffe.“ Viertens ist die McZahn AG von der Qualität ihrer Produkte so überzeugt, dass sie grundsätzlich drei Jahre Garantie darauf gibt - üblich sind zwei Jahre.
"Kein Grund, an der Qualität zu zweifeln"
„Das mit der Garantie ist doch nur ein Werbe-Gag“, hält Jürgen Schwichtenberg dagegen. Der Präsident des Verbandes der deutschen Zahntechniker-Innungen (VDZI) hält den Wettbewerbsdruck unter deutschen Zahnlaboren für so groß, „dass da inzwischen fast jeder eine lebenslange Kulanz einräumt“. Schwichtenberg meint, dass in China gefertigter Zahnersatz nicht immer den deutschen Ansprüchen genügen kann: „Da gab es gerade in jüngerer Zeit Aufsätze von Zahnärzten, die das in Frage stellen.“
Das sieht man im Bundesgesundheitsministerium anders: „Es gibt zunächst keinen Grund, an der Qualität zu zweifeln, nur weil der Zahnersatz aus dem Ausland kommt“, meint ein Sprecher. Auch andere medizinische Leistungen wie etwa Kuren würden inzwischen aus Kostengründen immer häufiger auch jenseits der Grenze nachgefragt, „ohne dass die Versorgung sich deshalb verschlechtert hätte“.
Ähnlich äußert sich der Vorsitzende des Dachverbands der deutschen Zahnärzte (KZBV): „Ein tschechisches Auto ist ja auch nicht automatisch schlecht“, so KZBV-Chef Jürgen Fedderwitz. Er hat von der McZahn AG schon gehört und will „mit Spannung abwarten, wie sich das entwickelt“. Gleichwohl gibt er zu bedenken, dass der direkte Kontakt zwischen Zahnarzt, Patient und Zahntechniker vor Ort „oft sehr von Vorteil“ ist. Wie oft? „Bei aufwändigen Neuversorgungen - und das sind 20 bis 30 Prozent der Fälle - macht direkte Zusammenarbeit Sinn.“
Die Krankenkassen haben kein Problem mit China. „Es gibt schon Zahnärzte, die mit Importen arbeiten - da ist mir nichts Negatives zu Ohren gekommen“, so ein AOK-Sprecher.
Börsengang
McZahn-Chef Werner Brandenbusch hält seine Idee vom „Zahnersatz zum Nulltarif“ für börsenfähig: „Deshalb haben wir uns ja auch als AG gegründet.“ Mit Vorstand, Aufsichtsrat und allem drum und dran. Im Aufsichtsrat sitzt jemand, der die Marktchancen wohl kennen wird: Ursula Lehr war von 1988 bis 1991 Bundesgesundheitsministerin.
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