Krise trifft vor allem USA: Finanzexperten: Entwarnung für deutsche Banken
VON ISABELL SCHEUPLEIN, AP - zuletzt aktualisiert: 15.09.2008 - 17:23Frankfurt/Main (RPO). Der Strudel der Finanzmarktkrise hat mit Lehman Brothers und Merrill Lynch zwei weitere große US-Banken erfasst. Die Meldungen aus den USA lösten einen weltweiten Börsencrash aus. Vor allem die Finanztitel erlitten Einbußen. Doch ist die Krise in erster Linie eine amerikanische. Deutsche Banken haben nach Ansicht von Experten das Schlimmste wohl schon überstanden.
Unter anderen bezeichnete der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, den Bankenmarkt in Deutschland als "sehr stabil und solide".
Wichtig sei zudem, dass es hier überwiegend Mischbanken gebe, die die ganze Palette des Bankgeschäftes anbieten. "Das ist etwas anderes als reine Investmenthäuser. Bear Stearns, Lehman Brothers, Merrill Lynch - das sind alles spezialisierte Investmentbanken", erläuterte Heise im Gespräch mit der AP die Unterschiede zwischen dem US- und deutschen Finanzmarkt.
Bisher mussten einige Geldinstitute auch in Deutschland kräftig Federn lassen - bis hin zu der vollends ins Trudeln geratenen Mittelstandsbank IKB. Der US-Finanzinvestor Lone Star kaufte die IKB schließlich, nachdem sie die der Bund zuvor mit Finanzspritzen in Milliardenhöhe versorgen musste.
Auch die Landesbanken hat es schwer erwischt
Schwer erwischt hat es auch die Landesbanken: Die schwer angeschlagene SachsenLB schlüpfte unter das Dach der Landesbank Baden-Württemberg. Die BayernLB gab Abschreibungen und Wertberichtigungen von 1,9 Milliarden Euro bekannt. Und die ohnehin durch Fehlspekulation in schwieriges Fahrwasser geratene WestLB rutschte wegen der Finanzmarktkrise noch tiefer in die roten Zahlen.
Aber auch die Privatbanken in Deutschland traf es: Der Branchenprimus Deutsche Bank musste im ersten Quartal 2008 wegen der internationalen Finanzmarktkrise sogar den ersten Verlust in einer Dreimonatsperiode seit fünf Jahren bekannt geben.
Mit ähnlich dramatischen Entwicklungen rechnen Experten in Deutschland trotz der neuerlichen Turbulenzen in den USA eher nicht mehr. So rechnet auch der Bochumer Professor für Finanzierung und Kreditwirtschaft, Stephan Paul, bei den hiesigen Instituten noch mit weiteren Abschreibungen. Doch diese würden nicht mehr wesentlich höher ausfallen als die bisherigen, sagte der Professor der AP.
In erster Linie amerikanische Krise
Entwarnung gab auch die Bundesregierung: Das Bundesfinanzministerium betonte, es handle sich in erster Linie um eine amerikanische Krise. Die hiesigen Finanzinstitute seien nach jetzigem Stand nicht in solchem Maße verstrickt wie Geldhäuser aus dem angelsächsischen Raum, sagte Sprecher Torsten Albig.
Dennoch droht das Geschehen jenseits des Atlantiks auch das Wirtschaftsgeschehen in Deutschland zu beeinflussen: Nach Ansicht des ZEW könnte die ohnehin schwächelnde deutsche Konjunktur in Gefahr geraten. Die neuerlichen Turbulenzen könnten den Trend weiter verstärken, wie ZEW-Finanzmarktexperte Michael Schröder der AP sagte. Nun zeige sich, dass diejenigen, die mit einem baldigen Ende der Krise gerechnet hatten, im Unrecht waren. Das drücke auf die Stimmung und die Aktienkurse.
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