300 Millionen Euro vom Rheinischen Sparkassenverband: Finanzhilfe für Sparkasse Köln
VON ALEXANDER VON GERSDORFF UND ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 30.12.2008 - 20:01Köln/Berlin (RP). Die zweitgrößte Sparkasse braucht Kapital: Der Rheinische Sparkassenverband hat der Sparkasse Köln soeben 300 Millionen Euro gegeben. "Völlig ungewöhnlich" sagen Insider. 15 Banken beantragten derweil Hilfe beim staatlichen Rettungsfonds.
Wegen der Finanzkrise haben immer mehr Geldhäuser Schwierigkeiten, sich am Markt Geld zu leihen. Das trifft vor allem Institute, die ohnehin Probleme haben. Die Sparkasse Köln-Bonn hat sich nun gleich auf zwei Wegen frisches Kapital beschafft: In dieser Woche hat die zweitgrößte deutsche Sparkasse 300 Millionen Euro vom Rheinischen Sparkassenverband erhalten, der ihr (über eine Tochter) Genussscheine abnimmt, wie der Sprecher der Sparkasse unserer Redaktion sagte.
Genussscheine sind Papiere, mit denen sich der Käufer für eine begrenzte Zeit (meist fünf bis sieben Jahre) an einem Unternehmen beteiligt. Dafür erhält er Zinsen, aber keine Stimmrechte. Üblicherweise verkaufen Sparkassen und andere Unternehmen Genussscheine am freien Markt, derzeit will sie aber kaum einer haben. Deshalb musste nun der Sparkassenverband einspringen. Dass ein Verband in dieser Größenordnung einspringe, sei völlig ungewöhnlich und zeige, wie sehr die Bank Geld brauche, sagte ein Insider. Zumal die Städte Köln und Bonn als Eigentümer der Sparkasse bereits frisches Kapital zugesagt haben. Am 2. Januar gehen 300 Millionen Euro (210 Millionen von Köln, 90 Millionen von Bonn) als stille Einlage an die Sparkasse.
Der Sprecher der Sparkasse nannte den Deal mit dem Sparkassenverband dagegen "innovativ". So sei es möglich, verstärkt Kredite an den Mittelstand zu geben. Zugleich könne die Sparkasse so ihre Kernkapitalquote auf rund elf Prozent erhöhen. Andere Geldhäuser gehen andere Wege. Im ersten Quartal 2009 dürften bis zu 15 Banken unter den staatlichen Finanzschirm schlüpfen, sagte der CDU-Finanzexperte Otto Bernhardt. Bislang hat nur die Commerzbank über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) eine Eigenkapitalspritze über acht Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage erhalten.
Ursprünglich habe es 17 Anträge auf staatliche Garantien gegeben, zwei seien aber wieder zurückgezogen worden. Bereits bekannt sind die Anträge der Münchener Hypo Real Estate, die Bayerischen Landesbank (BayernLB), der Kieler HSH Nordbank, der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der VW-Bank. Zusammen stehen sie für 90 Milliarden Euro Staatshilfen. Insgesamt stellt der staatliche Rettungsfonds bis zu 480 Milliarden Euro zur Verfügung.
Finanz-Staatssekretärin Nicolette Kressl (SPD) will die Fachpolitiker von Union und SPD am 19. Januar, zu Beginn der ersten Bundestags-Sitzungswoche im neuen Jahr, über die Kandidaten informieren. "Erst dann wissen wir, ob der Rettungsfonds läuft oder nachgebessert werden muss", sagte Bernhhardt. Die Zahl der Antragsteller sei "ein gutes Zeichen, aber noch kein Beweis, dass der Fonds funktioniert".
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