Experten schlagen Alarm: Finanzkrise kostet Jobs in Deutschland
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 18.03.2008 - 07:28Berlin (RP). Der Notverkauf einer amerikanischen Bank hat weltweit die Börsen abstürzen lassen. Experten fürchten einen "Kollaps" der Aktienmärkte. Jetzt schlagen Experten Alarm. Auch in Deutschlands sind Jobs in Gefahr - trotz derzeit voller Auftragsbücher.
Die durch Immobilienspekulationen in den USA ausgelöste Finanzkrise verschärft sich dramatisch. Der Notverkauf der fünftgrößten amerikanischen Investmentbank Bear Sterns und die darauffolgende drastische Zinssenkung der US-Notenbank ließen die Aktienmärkte weltweit einbrechen. Allein der Kurs der durch Fehlspekulationen in Not geratenen US-Bank Bear Sterns stürzte um 90 Prozent ab. Der deutsche Aktienindex Dax verlor mehr als vier Prozent und sank auf den tiefsten Stand seit 2006 (6182 Punkte).
"Kollaps-Gefahr"
Der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan sprach von der schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg. Analysten fürchten den „Kollaps“ der Aktienmärkte. Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen, Jochen Sanio, mahnte alle Banken zu „schonungsloser Offenheit“.
Die Folgen für die deutsche Konjunktur bewerten Ökonomen zusehends kritischer. „Die Befürchtungen, dass noch weitere Banken Leichen im Keller haben, ist nicht unbegründet“, sagte Roland Döhrn, Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), unserer Zeitung. Jede Krise einer Bank führe zu Problemen bei anderen Banken. Auch der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt sei angesichts der Finanzkrise und des hohen Euro-Kurses von 1,58Dollar in Gefahr. „Wenn sich die Wechselkurse nicht bald wieder dramatisch ändern, kann man davon ausgehen, dass in der Industrie wieder Entlassungen oder Betriebsverlagerungen drohen.“
Derzeit volle Auftragsbücher
Im Moment lebten die Firmen noch von vollen Auftragsbüchern. „Aber neue Aufträge einzuwerben, ist bei den gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwieriger, das erzwingt Kostensenkungen.“
Das Handwerk leidet unter der restriktiven Kreditvergabe der Banken. In einer repräsentativen Umfrage der Handwerkskammer Düsseldorf berichteten knapp 35Prozent der Befragten von negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf das Kreditvergabegeschäft. Jeder zweite Firmeninhaber wurde bei Kreditanfragen um höhere Sicherheiten gebeten, 14 Prozent der Befragten berichten von Absagen der Banken für ein Darlehen. „Eine übervorsichtige Kreditpolitik kann zur Wachstumsbremse werden“, mahnt Handwerks-Präsident Wolfgang Schulhoff.
Die Bundesregierung rät indes weiter zu Besonnenheit. „Wir sind zuversichtlich, dass Deutschland mit den Belastungen fertig werden kann“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.
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