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Männern und Frauen
Firmen sollen Lohngefälle offenlegen

Brutto: Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen
Brutto: Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen FOTO: graf
Exklusiv | Berlin. Die Koalition will die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen durch ein "Entgeltgleichheitsgesetz" bekämpfen. Die Unions-Wirtschaftspolitiker pochen auf eine möglichst kleine Lösung; die SPD erwartet harte Auseinandersetzungen. Von Birgit Marschall

Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sollen nach dem Willen der Regierungskoalition von 2016 an offenlegen, wie groß das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in den jeweiligen Gehaltsklassen des Unternehmens ist. Union und SPD wollen damit für mehr Transparenz in der Wirtschaft sorgen.

Arbeitnehmer und Betriebsräte sollten besser in der Lage sein, für mehr Lohngleichheit zu sorgen. Die neue Regel für große Firmen solle in das Handelsgesetzbuch aufgenommen werden, sagten führende Koalitionspolitiker. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will die Neuregelungen in der zweiten Jahreshälfte durch den Bundestag bringen, so dass sie für die Firmen ab 2016 verbindlich gelten werden.

Wissenschaftler haben in vielen Studien nachgewiesen, dass Frauen in Deutschland nach wie vor durchschnittlich 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Deutschland rangiert damit im europäischen Vergleich auf einem der hintersten Plätze. 15 Prozentpunkte, also zwei Drittel, der Lohnlücke werden in den Studien allerdings nicht auf echte Diskriminierung der Frauen, sondern auf andere Faktoren zurückgeführt. Dazu gehören die Länge des Arbeitstags, die Bereitschaft, Führungsjobs zu übernehmen, und die Berufswahl. Frauen arbeiten nämlich häufiger Teilzeit, wählen häufiger schlechter bezahlte Berufe und lehnen Führungsaufgaben häufiger ab.

Es bleibt jedoch eine mit diesen Faktoren nicht zu erklärende Gehaltsdifferenz von etwa sieben Prozent. Entscheidend für die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern im weiteren Leben ist den Studien zufolge die Länge von Babypausen: Setzt eine Frau nach der Geburt eines Kindes mehr als ein Jahr aus und arbeitet dann mehrere Jahre Teilzeit, kann sie die Lohndifferenz zu Männern mit gleicher Qualifikation nie mehr aufholen.

Vor allem die SPD will die offene und verdeckte Benachteiligung von Frauen bei den Gehältern eindämmen. "Wir haben im Koalitionsvertrag ein Entgeltgleichheitsgesetz festgelegt. Ziel ist, die ungerechte Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen endlich zu schließen", sagt Fraktionsvize Carola Reimann. "Das ist doch der eigentliche Skandal in Deutschland: Dass Frauen hierzulande immer noch 22 Prozent weniger verdienen als Männer, dass sich das seit Jahren nicht ändert und dass wir damit in Europa einen der hintersten Plätze einnehmen", betont Reimann.

"In das Handelsgesetzbuch soll eingefügt werden, dass Unternehmen ab 500 Mitarbeitern verpflichtet werden offenzulegen, wie viel Frauen und Männer in den einzelnen Gehaltsgruppen des Unternehmens verdienen. Auch sollen sie berichten, was sie zur Frauenförderung in ihrem Unternehmen tun", sagt Reimann. Schwesig werde im März erste konkrete Details des geplanten Entgeltgleichheitsgesetzes vorlegen, sagt eine Sprecherin des Familienministeriums.

Auch die Union will sich der Lösung des Problems nicht verschließen. "Wir wollen in dieser Legislaturperiode das Thema Lohnunterschiede bei Männern und Frauen angehen. Da, wo es strukturell bedingte Nachteile für Frauen gibt, sollen diese aus Gründen der Gerechtigkeit beseitigt werden", kündigt der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Marcus Weinberg (CDU), an.

Auch der Wirtschaftsflügel der Union will keinen Widerstand gegen die Pläne leisten. Allerdings pochen die Wirtschaftspolitiker auf die strikte Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen. "Wir werden vom Koalitionsvertrag keinen Zentimeter abweichen. Da steht drin, dass Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern einen Lagebericht über die Entgelte von Männern und Frauen vorlegen sollen", sagt Unionsfraktionsvize Michael Fuchs. "Damit kann ich gerade noch so leben, auch wenn das wieder mehr Bürokratie für die Unternehmen bedeutet." Es müsse "den Unternehmen aber weiter möglich sein, leistungsfähigere Mitarbeiter besser zu bezahlen als andere, unabhängig davon, ob sie Frau oder Mann sind", betont Fuchs.

Trotz der moderaten Töne aus der Union erwartet SPD-Politikerin Reimann noch harte Auseinandersetzungen innerhalb der Koalition. "Die Entgeltgleichheit wird ähnlich kontroverse Debatten wie die Frauenquote auslösen. Ich glaube, sie ist für die Frauen noch bedeutsamer", sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Quelle: RP
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