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Drastischer Sanierungsplan: Ford will ein Drittel seiner Mitarbeiter loswerden

zuletzt aktualisiert: 15.09.2006 - 12:05

Detroit (rpo). US-Automobilhersteller Ford hat sich mit den Gewerkschaften auf einen raschen Stellenabbau geeinigt. Demnach unterbreitete der angeschlagene Autoriese mindestens 75.000 Mitarbeitern ein Angebot zum freiwiligen Verlassen des Betriebes - immerhin fast ein Drittel der Stellen in Nordamerika.

14 Werke in Nordamerika sollen nach Einschätzung von Analysten bis 2008 und nicht wie bisher angekündigt bis 2012 geschlossen werden. Ford in Deutschland ist bislang nicht betroffen. Ford beschäftigt weltweit rund 325.000 Menschen. Die deutschen Standorte Köln und Saarlouis sind durch ein Sonderabkommen bis 2011 gegen Kündigungen abgesichert.

Die Konzernführung legte am Freitag ein drastisches Sanierungsprogramm vor, mit dem der zweitgrößte Autobauer der USA wieder aus der Krise fahren soll. Es sieht vor, dass die Zahl der Mitarbeiter in den USA und Kanada von derzeit 130.000 auf rund 92.000 im Jahr 2008 reduziert werden soll, und geht über die ursprünglich geplanten Sanierungsmaßnahmen hinaus.

In Nordamerika sollen weitere 10.000 Angestellte ihren Hut nehmen. 4.000 Angestellten-Position wurden bereits im ersten Quartal gestrichen. Außerdem soll der Abbau von 25.000 bis 30.000 Stellen von Arbeitern mit Stundenlöhnen bereits Ende 2008 abgeschlossen sein und damit vier Jahre früher als ursprünglich geplant.

Bis 2008 will der zweitgrößte US-Autobauer seine Kapazitäten in Nordamerika um ein Viertel senken, um Kosten zu sparen und zur Profitabilität zurückzukehren. Insgesamt soll das Krisenprogramm die operativen Kosten um fünf Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) senken.

Geld für den zwangsweisen Vorruhestand

Den mehr als 75.000 Arbeitern will der Konzern Abfindungs- oder Vorruhestandsangebote vorlegen, um ihnen ein Ausscheiden aus dem Unternehmen schmackhaft zu machen. Nach Gewerkschaftsangaben soll den Beschäftigten je nach Betriebszugehörigkeit zwischen 35.000 und 140.000 Dollar (28.000 bis 110.000 Euro) geboten werden.

Verwaltungsratschef Bill Ford, der Urenkel von Unternehmensgründer Henry Ford, bezeichnet das Sanierungsprogramm als hart, aber unumgänglich. "Diese Aktionen werden schmerzliche Folgen für Kommunen und unsere Beschäftigten haben", räumte er ein. Als Grund für die verschärfte Situation nannte er geänderte Vorlieben von Autokäufern und hohe Rohstoffkosten. Der Amerika-Chef von Ford, Mark Fields, betonte: "Es ist einfach eine Tatsache, dass das Geschäftsmodell, das uns in Nordamerika über Jahrzehnte gedient hat, nicht mehr funktioniert".

Ford leidet wie auch der größere US-Konkurrent General Motors unter sinkenden Absatzzahlen und scharfem Wettbewerb durch asiatische Autokonzerne auf dem Heimatmarkt. Die US-Hersteller hatten jahrelang vor allem auf sportliche Geländewagen (SUV) und Pick-ups gesetzt, die als Spritfresser bekannt sind. Seitdem die Benzinpreise auch in den USA drastisch gestiegen sind, finden diese Autos immer weniger Käufer.

Zwei weitere Fabriken werden geschlossen

Außerdem kündigte die Konzernführung an, sie werde zwei weitere Fabriken schließen, eine in den USA (Maumee, Ohio) und eine in Kanada (Windsor, Ontario). Die Schließung der Fabrik in Norfolk, Virginia, wird um ein Jahr auf 2007 vorgezogen.

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass Ford-Vizepräsidentin Anne Stevens ihr Amt abgibt. Die 57-Jährige war seit Oktober 2005 für Umstrukturierungen zuständig. In der vergangenen Woche hatte Ford den als Sanierer erfahrenen Boeing-Manager Alan Mulally an die Spitze des Unternehmens geholt.

Zeitungsberichten zufolge rechnet Ford in diesem Jahr mit einem riesigen Verlust in Höhe von neun Milliarden Dollar (rund sieben Milliarden Euro). Darin enthalten seien Kosten für die geplanten massiven Stellenstreichungen und Werksschließungen, meldete am Donnerstag die Zeitung "Detroit News" unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten ranghohen Ford-Manager. Offiziell bekannt ist bislang, dass Ford im ersten Halbjahr einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) angehäuft hat.

Quelle: afp

 
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