Der US-Konzern General Motors hat entschieden, die Mehrheit an seiner europäischen Tochter Opel doch nicht zu verkaufen. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem gescheiterten Geschäft.
Erst Verkauf, dann doch nicht: Warum dieses Hin und Her?
GM begründet die Entscheidung mit der verbesserten Situation des Konzerns. Noch im Frühjahr stand dem Unternehmen das Wasser bis zum Hals. Inzwischen ist die finanzielle Lage nach Ende des GM-Insolvenzverfahrens auch wegen der milliardenschweren Hilfen der US-Regierung nicht mehr so angespannt, so dass sich GM die Opel-Sanierung zutraut.
Was bedeutet die Entscheidung für die Werke von Opel und die Arbeitsplätze?
Das ist unklar, weil GM ein Sanierungskonzept für Opel noch nicht vorgelegt hat. Das Unternehmen rechnet mit Kosten von 3 Milliarden Euro. Der Konzern versuchte schon mehrfach, das Unternehmen zurück auf die Erfolgsspur zu bringen - bislang erfolglos. Nach Ansicht von Experten stehen bei GM Werke wie Bochum oder Kaiserslautern zur Disposition. Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer hält die Schließung von Bochum, Kaiserslautern, Antwerpen und Standorten wie Eisenach oder Ellesmere Port für möglich.
Sein Kollege Stefan Bratzel vermutet, dass der Stellenabbau ähnlich hoch ausfallen wird wie bei dem unterlegenen Konsortium aus dem Autozulieferer Magna International und der russischen Sberbank. Magna wollte europaweit 10.000 Stellen abbauen und die Werke in Antwerpen und im englischen Luton schließen.
Was halten die Beschäftigten von der Entscheidung?
Der Opel-Betriebsrat schäumt. Er legte sich wie die Bundesregierung früh auf Magna fest und ist nach den monatelangen Verhandlungen sehr enttäuscht. Betriebsratschef Klaus Franz rief die Beschäftigten zu Protestaktionen auf, um gegen die Entscheidung zu protestieren.
War für GM von Anfang an klar, Opel zu behalten?
Das ist nicht bekannt. Branchenexperte Bratzel betont aber, dass GM immer das Interesse hatte, Opel zu behalten und zu sanieren. "Die Frage war, ob die das selber stemmen können."
Ist GM/Opel überlebensfähig?
Daran gibt es Zweifel. Dudenhöffer befürchtet in den kommenden Jahren ein langsames Sterben bei Opel, weil die Wachstumsmöglichkeiten bei Magna viel größer gewesen wären als bei GM. "Es wird sehr schwer sein, für neue Produkte in Europa und USA Kredite zu erhalten." Damit werde das Produktprogramm auf Sparflamme laufen, und der weitere Verlust von Marktanteilen in Europa sei vorgezeichnet.
Welche Rolle spielt Opel für GM?
Opel sichert den Zugang zum europäischen Markt, weil die amerikanischen Modelle wie Cadillac, Buick oder die Geländewagen-Marke GMC in Europa kaum verkauft werden. Auch das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim ist wichtig, weil GM bislang nur wenige sparsame Autos im Angebot hat.
Opel bekam vom deutschen Staat schon einen Kredit über 1,5 Milliarden Euro. Ist dieses Geld jetzt verloren?
Nein, der Kredit soll zurückgezahlt werden. Unklar ist, ob GM für eine 4,5-Milliarden-Euro-Bürgschaft infrage kommt, die das Konsortium aus Magna und Sberbank bekommen sollte. Dudenhöffer hält dies für unrealistisch. In der Bevölkerung und beim neuen Regierungspartner FDP sei die Stimmung eher gegen Opel. Außerdem sei das Risiko erheblich gestiegen, dass der Kredit nicht mehr zurückgezahlt werden könne, betont der Experte.
AP