"Qualität vor Stückzahl": Franz: Opel wird wochenlang verhandeln
zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 - 15:28Rüsselsheim/Essen (rpo). Die Qualität sei wichtiger als eine rasche Lösung. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz rechnet mit mehrwöchigen Verhandlungen über ein Sanierungspaket für den Autobauer. Verhandelt wird offenbar direkt mit dem Mutterkonzern General Motors über eine vollständige Integration der europäischen Töchter in den Konzern.
Nach Angaben von Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz wird diskutiert, die Europa-Holding von General Motors (GM) in Zürich in eine "Europäische Aktiengesellschaft" umzuwandeln. Zu den laufenden Gesprächen auf Unternehmensebene sagte Franz, er rechne mit mehrwöchigen Verhandlungen über das von GM verordnete Sanierungspaket. Unterdessen erhob ein ehemaliger Opel-Mitarbeiter neue schwere Vorwürfe gegen das Management.
Bislang werden die rund 100 Tochtergesellschaften von GM in Europa als Einzelunternehmen mit unterschiedlichen Rechtsformen geführt. Die Führung der Unternehmen würde durch die Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft gestrafft. Als Sitz sei Brüssel im Gespräch. "Wir können damit die Mitbestimmung der Arbeitnehmer sichern, gleichzeitig spart GM mit der neuen Struktur Geld", erläuterte Franz.
Grundlage einer solchen Umstrukturierung ist den Angaben zufolge eine neue Verordnung der Europäischen Union. Damit erhielten Unternehmen die Möglichkeit, sich über nationale Grenzen hinweg nach einheitlichen Regeln zu organisieren. Die Verhandlungen über eine neue Europa-Gesellschaft gingen mit den Gesprächen über den nötigen Sparkurs einher.
Den Verlauf dieser Gespräche kommentierte Betriebsratschef Franz in einem zweiten Zeitungsinterview mit den Worten: "Im Moment wird sehr konstruktiv diskutiert." An anderer Stelle sprach er sogar von einem "großen Schritt nach vorn". Mit Blick auf Tempo und Ergebnisse der Verhandlungen sagte er, es müsse nun darum gehen, "kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen". Franz begrüßte Signale aus der Opel-Führung, wonach es dem Unternehmen vor allem um Kostenreduzierungen und nicht primär um Stellenabbau gehe. Die Verhandlungen würden am Montag fortgesetzt.
Durch Managementfehler sind Opel nach Einschätzung eines Unternehmenskenners Milliardenschäden entstanden. In der Folge solcher Fehler seien außerdem rund 400 Arbeitsplätze an den deutschen Standorten weggefallen, sagte ein ehemaliger Mitarbeiter der Opel-Finanzabteilung laut einem Zeitungsbericht.
Als Beispiel für eine falsche Entscheidung auf der Ebene der Unternehmensführung nannte der Ex-Opel-Mitarbeiter den Beschluss über den Produktionsort des in vielen Modellen verwendeten Getriebes "F 23". Die Herstellung sei trotz rechtzeitiger Warnungen nach Italien ausgelagert worden, obwohl die Standorte Rüsselsheim oder Kaiserslautern günstiger gewesen wären. Die Mehrkosten bezifferte der Kritiker auf 70 Millionen Euro jährlich und 800 Millionen Euro insgesamt.
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