Unterschiede zum Teil nicht erklärbar: Frauen verdienen 23 Prozent weniger als Männer
zuletzt aktualisiert: 01.10.2009 - 13:32Berlin (RPO). Bereits Berufsanfängerinnen verdienen in Deutschland weniger Geld als ihre männlichen Kollegen - durchschnittlich 23 Prozent weniger. "Das Einkommen von Frauen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrungen liegt im Durchschnitt 18,7 Prozent unter dem der männlichen Berufsanfänger", sagte Reinhard Bispinck vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Das vom WSI im Auftrag des Bundesfrauenministeriums betreute Projekt "LohnSpiegel" zeige zudem, dass die Einkommensunterschiede mit der Zahl der Berufsjahre zunähmen. In der Gruppe der Berufstätigen mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung betrage der Abstand bereits 21,8 Prozent, sagte Bispinck.
Insgesamt verdienten Frauen durchschnittlich 23,0 Prozent weniger als Männer. Diese Einkommensrückstände ließen sich nur teilweise durch objektive Faktoren, etwa die Berufswahl, berufliche Unterbrechungen durch Kindererziehung, Teilzeitarbeit oder mangelnde Aufstiegschancen erklären.
Statt dessen kommt Bispinck zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede auch auf die Ungleichbehandlung und Diskriminierung im Berufsleben zurückzuführen seien. Oft seien schlicht nicht erklärbare Einkommensunterschiede innerhalb der Betriebe zu verzeichnen.
Astrid Ziegler von der IG Metall sieht jedoch auch Probleme bei der Arbeits- und Leistungsbewertung. So würden Anforderungen, die bei typischen "Frauentätigkeiten" häufig anfallen, wie beispielsweise Kommunikationskompetenz, zu niedrig bewertet, sagte Ziegler.
Um geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede abzubauen, forderte Christina Kenner vom WSI gesetzliche Maßnahmen. Unter anderem müssten Unternehmen verpflichtet werden, Daten für einen Gehältervergleich offenzulegen, damit geschlechtsspezifische Lohnunterschiede ermittelt und beseitigt werden könnten.
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