Verkaufsoption der Fiat-Sparte: Fronten zwischen GM und Fiat verhärtet
zuletzt aktualisiert: 02.02.2005 - 14:53Turin/Detroit (rpo). Die Verhandlungen zwischen dem weltgrößten Autohersteller General Motors und dem italienischen Fiat-Konzern über die Verkaufsoption der verlustreichen Fiat-Autosparte sind ohne Ergebnis beendet worden. Der US-Autokonzern muss nun möglicherweise die defizitäre Autosparte des italienischen Fiat-Konzerns kaufen. Dies wäre eine große Belastung für den angeschlagenen Autobauer.
Beide Parteien hatten nach dem Schlichtungsverfahren zur Gültigkeit der Verkaufsoption bis Dienstagnacht Zeit, sich über den Streitfall außergerichtlich zu einigen. Beide Seiten beharren jedoch auf ihre Positionen.
Die Verkaufsoption habe weiterhin Bestand, hieß es bei Fiat. Sie könne von Mittwoch an bis Juli 2010 ausgeübt werden. Dagegen sagte Tony Cervone, Sprecher bei General Motors, Fiat habe die Vertragsklausel im "Master Agreement" vom Jahr 2000 gebrochen. Die Aktie von Fiat reagierte auf die Nachricht mit einem Kursminus von 4,2 Prozent auf 5,94 Euro.
Marktteilnehmer hatten damit gerechnet, dass sich GM und Fiat in letzter Minute einigen und sich der US-Konzern mit einer Zahlung von der Verpflichtung freikaufen werde. Analysten hatten auf einen Betrag von einer Milliarde bis drei Milliarden Euro spekuliert.
Eine Übernahme der unprofitablen Fiat-Autosparte wäre für GM eine zusätzliche Belastung, denn der Konzern hat ohnehin mit Verlusten in Europa zu kämpfen. Die Ratingagentur S&P hatte im Dezember 2004 gesagt, sollte GM die Fiat-Autosparte übernehmen müssen, würden die Schwierigkeiten für den US-Konzern "gewaltig". GM hatte im vierten Quartal in Europa einen Abbau von 12 000 Stellen angekündigt, um das Automobilgeschäft bei Opel und Saab wieder profitabel zu machen. Die Fiat-Autosparte ist gegenwärtig mit rund acht Milliarden Euro verschuldet und schreibt rote Zahlen.
Fiat habe aber mehr Interesse daran, GM gegen eine Zahlung von der Option freizustellen, als die "kultige" Automobilsparte zu veräußern, sagten mit der Situation vertraute Personen. Der faire Wert dürfte bei einer Milliarde Euro liegen. Fiat will möglicherweise aber "mindestens zwei Milliarden Euro", sagte David Lee, Fondsmanager bei Gestnord. Fiat mache das Richtige, denn das Unternehmen habe nichts zu verlieren.
Analysten schließen Übernahme aus
Die Analysten der WestLB halten es für ausgeschlossen, dass es letztlich tatsächlich zu einer Übernahme von Fiat Auto durch GM kommen wird. Hingegen sehen es Beobachter als sehr wahrscheinlich an, dass Fiat die Option ausüben und es in der Folge zu einem Gerichtsverfahren kommen wird. Dessen Dauer sei schwer vorherzusehen. Sollte das Gericht befinden, dass die Verkaufsoption weiter von Bestand ist, werde bis zu einer GM-Zahlung an Fiat noch einmal geraume Zeit vergehen. Beide Unternehmen können aber mit einer Einigung den Gang zum Gericht verhindern, betonten Beobachter.
Die Verkaufsoption für die Fiat-Automobilsparte ist Teil einer Allianz zwischen beiden Unternehmen aus dem Jahr 2000. Sie wollten mit dieser Zusammenarbeit auf den europäischen und südamerikanischen Märkten Kosten sparen. GM betrachtet die Option aber als nicht mehr gültig. Der Konzern begründet dies mit dem Verkauf der Fiat-Auto-Finanzierungssparte sowie einer Kapitalerhöhung, durch die sich die GM-Beteiligung an der Automobilsparte auf zehn Prozent reduziert habe.
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