Siemens-Prozess: Früherer Finanzchef gerät unter Druck
zuletzt aktualisiert: 02.06.2008 - 16:57München (RPO). Der frühere Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger gerät nach einer Aussage im Schmiergeld-Prozess unter Druck. Angeblich war er über das System verdeckter Zahlungen informiert. Auch der frühere Vorstand Ganswindt habe über die Rolle des Angeklagten Reinhard S. Bescheid gewusst.
Ein früherer Bereichsvorstand der Siemens-Festnetzsparte ICN soll ausgesagt haben, sowohl Neubürger als auch Ex-Vorstand Thomas Ganswindt seien über dubiose Zahlungen informiert gewesen, sagte Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösler am Montag vor dem Münchner Landgericht. Der Ex-Manager wollte vor Gericht nicht persönlich aussagen, weshalb die Staatsanwältin aus seinen Vernehmungen berichtete.
Demnach erklärte der 53-jährige Manager, er habe den damaligen Finanzvorstand Neubürger grundsätzlich über das System verdeckter Zahlungen bei Siemens und über die Schließung von Konten in Österreich informiert. Über diese Konten wurden laut Zeugenaussagen vor der Einrichtung schwarzer Kassen Schmiergeldzahlungen abgewickelt.
Laut der Staatsanwältin sagte der frühere Bereichsvorstand aus, Neubürger habe ihn aufgefordert, sich beim Chef der Siemens-Kraftwerkssparte Informationen zu holen, wie dort Gelder für Zahlungen generiert würden. Neubürgers Anwalt war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Der Aussage des Managers zufolge sollen sowohl Neubürger als auch der frühere Siemens-Korruptionsbekämpfer Albrecht Schäfer durch einen Vermerk der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft des Konzerns auf Bargeldtransfers nach Nigeria aufmerksam gemacht worden sein.
Auch Ganswindt soll informiert gewesen sein
Auch den früheren Vorstand Ganswindt will der Ex-Bereichsvorstand grundsätzlich über die Rolle des im Prozess angeklagten Reinhard S. informiert haben. Ganswindt hat nach Angaben der Staatsanwältin inzwischen gestanden. S. hat nach eigenen Angaben im Einvernehmen mit seinen Vorgesetzten ein System aus Scheinberaterverträgen aufgebaut und darüber rund 53 Millionen Euro für Schmiergeldzahlungen in schwarze Kassen geleitet. Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden.
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