Rücktritt möglich: Führungskrise erschüttert Rewe
zuletzt aktualisiert: 01.09.2006 - 13:11Düsseldorf (rpo). Eine neue Führungskrise macht scheinbar dem Rewe-Konzern zu schaffen. Übereinstimmende Medienberichte kündigen eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung an. Womöglich stehe dem Handelsriesen der Rücktritt des erst seit eineinhalb Jahren amtierenden Vorstandssprechers Achim Egner ins Haus.
Nach Informationen des Fachblattes "Lebensmittelzeitung" hatten sich bereits Ende vergangener Woche mehr als ein Dutzend hochrangiger Manager bei Aufsichtsratschef Klaus Burghard über Egners Führungsstil beschwert. Der Manager hatte Rewe nach seinem Amtsantritt drastische Strukturreformen verordnet. So sollen in Kürze alle miniMal und HL Supermärkte des Handelsunternehmens auf die Einheitsmarke Rewe umgestellt werden.
Bei seinen Aufräumarbeiten nahm Egner aber offenbar wenig Rücksicht auf die gewachsenen Strukturen des genossenschaftlichen Unternehmens. Der Manager habe sich über Hierarchien und Einwände im eigenen Haus hinweggesetzt und sich vor allem auf externe Berater gestützt, schrieb die "Lebensmittelzeitung". In der vergangenen Woche habe sich der seit Monaten schwelende Konflikt dann zum handfesten Krach entwickelt. Der Aufsichtsrat stehe unter erheblichem Handlungsdruck, da die Kritik an Egner fast von der kompletten Führungsmannschaft geteilt werde, berichtete das Fachblatt. Es sei wenig wahrscheinlich, dass sich der Streit noch schlichten lasse.
Die "Financial Times Deutschland" berichtete unter Berufung auf "gut informierte Kreise", Egner solle seinen Posten räumen und dem Vorstandskollege Alain Caparros Platz machen. Der gebürtige Franzose ist für das Auslandsgeschäft der Gruppe und die Discounttochter Penny zuständig. Die Tageszeitung "Die Welt" spekulierte dagegen, bei einer Absetzung Egners habe Vorstandsmitglied Josef Sanktjohanser die besten Chancen auf die Nachfolge. Er ist zur Zeit im Vorstand für den Einzelhandel im Inland zuständig.
Der Rewe-Konzern ist seit dem Rücktritt des langjährigen Unternehmenschefs Hans Reischl im April 2004 nicht mehr zur Ruhe gekommen. Reischls Nachfolger Dieter Berninghaus musste bereits nach knapp sechs Monaten zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er das Unternehmen beim überteuerten Kauf einer Internetfirma um Millionen betrogen hatte. Danach übernahm zunächst ein Dreigestirn aus den Vorstandsmitgliedern Gerd Burse, Josef Sanktjohanser und Hans Schmitz die Leitung des Konzerns. Bereits sechs Monate später beendete Europas drittgrößter Lebensmittelhändler aber auch das Experiment mit der Dreifach-Spitze und berief den früheren Debitel-Manager Egner im April 2005 zum neuen Rewe-Vorstandssprecher.
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