Vergütungssystem bei Deutscher Bank: Für Ackermann gibt es eine Ausnahme
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 20.01.2010 - 10:37Frankfurt (RP). Mehr Fixbezüge, weniger Boni – die Deutsche Bank will Spitzenkräfte künftig anders bezahlen. Allerdings gilt das neue System nicht für den Vorstand. Bankchef Josef Ackermann bleibt Spitzenverdiener unter den Top-Managern.
Kann die Arbeit eines Bankers seinem Arbeitgeber 13,7 Millionen Euro in einem Jahr wert sein? Diese Frage hat die Nation vor knapp zwei Jahren beschäftigt. Damals wurde bekannt, dass Deutsche-Bank-Lenker Josef Ackermann 2007 genau diese Summe verdient hatte.
Zwölf Monate später erschien schon diese Summe angesichts einer 77-Millionen-Euro-Vergütung für den damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wie eine Kleinigkeit. Und Ackermanns Gesamtgehalt war gleichzeitig ohnehin um 90 Prozent geschrumpft – eine Folge der Finanzkrise, deretwegen das Topmanagement des Branchenführers auf Sonderzahlungen verzichtet hatte.
Jetzt setzt die Bank erneut ein Ausrufezeichen. Und dabei geht es nicht einmal um Ackermann, seine Vorstandskollegen und vier weitere Führungsfiguren aus dem so genannten Group Executive Committee. Ab 2010 soll es für jene Mitarbeiter, die nicht nach Tarifvertrag bezahlt werden, ein höheres Fixgehalt und geringere Boni geben.
Im Schnitt sollen die Bezüge der Banker dem Vernehmen nach um zehn bis 15 Prozent steigen, bei vielen Mitarbeitern sollen Extrazahlungen auf maximal 40 Prozent der Gesamtbezahlung begrenzt werden, garantierte Boni sollen wegfallen. In Deutschland gilt das immerhin für 12 000 Köpfe.
"Ausgewogenere Gewichtung von fixen und variablen Vergütungsanteilen" – das ist das, was die Deutsche Bank will. Damit orientiert sie sich wortgetreu an dem, was die G-20-Staaten und die Aufsichtsbehörde Bafin den Finanzkonzernen abverlangen und was beispielsweise die Commerzbank und die Schweizer Großbank Credit Suisse schon umgesetzt haben.
Zwar haben große Banken und Versicherer im Dezember eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, in der sie sich verpflichten, auf überbordende Boni zu verzichten. Doch das reicht der Politik nicht. Aber noch ehe die Bundesregierung ihre Planungen in Sachen Bonus-Kontrolle in ein Gesetz gießen kann, hat die Deutsche Bank gehandelt – und das ist in Teilen sogar im Sinne ihrer Londoner Investmentbanker.
Zwar kann Josef Ackermann seine Top-Leute in der City nicht mehr davor bewahren, die von Finanzminister Alistair Darling bis April verhängte "Straf-Steuer" auf Boni zahlen zu müssen. Aber für den Fall, dass sich die Briten entschließen, die Sonderabgabe zu verlängern, stehen die Deutsche-Bank-Stars im nächsten Jahr mit einem geringeren Steuerrisiko als jetzt da.
Ein kleines Zückerchen in Zeiten, in denen irrwitzig hohe Boni nicht mehr vorkommen sollen. Die großen Investmentbanken rund um den Globus haben den Anteil der leistungsabhängigen Bezahlung schon zurückgefahren. Ackermann folgt, und nicht nur die deutsche Politik begrüßt dem Vernehmen nach seinen Vorstoß. "Der richtige Weg", urteilt der Erlanger Finanzwissenschaftler Wolfgang Gerke. Was jetzt dazukommen müsste, sei eine Orientierung von Boni an der Nachhaltigkeit von Finanzgeschäften, so wie die Commerzbank das vorexerziert habe.
Die wiederum hat andererseits jüngst mit einem Vorstoß den Bundesfinanzminister geärgert. Die Bank gehört zu jenen Konzernen, bei denen die Bezahlung des Managements gedeckelt war, nachdem der Bund eine Milliarden-Kapitalspritze geleistet hatte. Die Führungscrew durfte maximal 500. 000 Euro pro Kopf kassieren.
Die Commerzbank fürchtet nun angesichts staatlich verordneter Lohnschranken um ihre Wettbewerbsfähigkeit beim Kampf um Spitzenkräfte, und deshalb wollte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller jüngst eine Anhebung der Bezüge durchsetzen. Doch damit ist er beim Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble abgeblitzt.
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