Baukonzern vor Übernahme: Für Hochtief schlägt die Stunde der Wahrheit
zuletzt aktualisiert: 30.01.2011 - 12:57Düsseldorf (RPO). Schicksalswoche für Hochtief: Am Donnerstag soll sich klären, ob der größte deutsche Baukonzern spanisch wird. Denn dann will der Angreifer ACS endgültig offenlegen, ob er sich mit seinem freiwilligen Übernahmeangebot mehr als 30 Prozent der Hochtief- Anteile gesichert hat. Noch steht dahinter ein kleines Fragezeichen.
Der vom Chef des Fußballclubs Real Madrid, Florentino Perez, geleitete Konzern hatte am 21. Januar mitgeteilt, er halte 31,59 Prozent des Hochtief-Kapitals. Die Hochtief-Anteilseigner hatten danach aber noch sieben Bankarbeitstage Gelegenheit zu überdenken, ob sie ihre Aktien wirklich ACS überlassen wollen.
Diese Frist läuft nun ab, die Spanier zählen erneut ihre Aktien aus - und wollen nun am 3. Februar das endgültige Ergebnis vorlegen. Steht dann immer noch eine 30 vor dem Komma, können sie über die Börse weitere Hochtief-Aktien zukaufen - bis sie die Mehrheit an dem Essener Traditionskonzern halten.
Führenden Infrastrukturkonzern schmieden
ACS-Chef Perez will nach eigenen Angaben den weltweit führenden Infrastrukturkonzern schmieden, dessen Angebotspalette vom Bau und Betrieb von Mautautobahnen bis hin zu Sportstadien reichen würde. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter und der Gesamtbetriebsrat fürchten indes, dass ACS den Konzern mitsamt seiner australischen Tochter Leighton zerschlagen könnte. ACS hatte je neun eigene Aktien für jeweils fünf Hochtief-Aktien geboten.
Hochtief hatte seinen Anteilseignern empfohlen, die Offerte nicht anzunehmen. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, erwartet aber, dass Perez sein Ziel erreicht und sich dauerhaft über 30 Prozent des Hochtief-Kapitals gesichert hat: "Wir gehen davon aus, dass sich ACS durchgesetzt hat."
Wie lange es dauern könnte, bis ACS sich dann die Mehrheit an Hochtief sichern kann, ist indes offen. Denn dazu braucht ACS Geld. Es sei zweifelhaft, ob der Konzern die nötigen Mittel habe, nachdem ACS seinen Anteil am spanischen Versorger Iberdrola jüngst auf über 20 Prozent aufgestockt hatte, schreiben etwa Analysten der DZ Bank. ACS ist bereits mit rund neun Milliarden Euro verschuldet.
Hochtief könnte zudem versuchen, den Aktienkurs in die Höhe zu treiben, um eine Übernahme der Mehrheit deutlich zu verteuern. Dafür gibt es bereits Vorbereitungen: Der Konzern gebe Gas bei seinen Plänen zum Verkauf der Sparte Concessions, hatte Reuters aus Finanzkreisen erfahren. Analysten vermuten, dass dies den Hochtief-Aktien Schub geben könnte.
ACS hat Hochtief-Hauptversammlung im Blick
Aber auch mit einem Stimmrechtsanteil von über 30 Prozent könnte ACS bereits erste Weichenstellungen vornehmen - etwa bei der Hochtief-Hauptversammlung am 12. Mai in Essen. Denn bei den Aktionärstreffen sind in der Regel längst nicht alle Stimmrechte vertreten - bei der letzten Hochtief-Hauptversammlung 2010 lag die Präsenz zum Beispiel bei nur 63,82 Prozent.
ACS könnte nun die Abwesenheit anderer Aktionäre nutzen, um Aufsichtsräte auszuwechseln - und damit auch den Vorstand ins Visier nehmen, über dessen Zusammensetzung das Kontrollgremium entscheidet. Hinter den Kulissen werde bereits versucht, Mehrheiten zu organisieren, vermutet Tüngler. Er erwartet zudem, dass Lütekstratkötter sein Amt vorerst nicht freiwillig niederlegt. "Er wird bis zur Hauptversammlung weiter kämpfen", vermutet der DSW-Experte.
Den spanischen Angreifer dürfte ein weiterer Verbleib Lütekstratkötters, der sich vehement gegen den Zugriff der Spanier auf Hochtief wehrte, nicht eben erfreuen. ACS-Manager Angel Garcia Altozano hatte bereits gesagt, der Hochtief-Chef müsse entscheiden, ob er bleibe - oder der Aufsichtsrat werde dies tun.
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