GM legt neuen Sanierungsplan vor: Für Opel wird die Zeit knapp
VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 27.04.2009 - 14:19Düsseldorf (RPO). Der angeschlagene US-Autoriese General Motors will am Montag Details zu einem neuen umfassenden Sanierungsplan vorlegen. Die Bundesregierung gerät durch die Entwicklungen in Detroit zunehmend unter Druck. Sie muss dringend einen Investor für die Rüsselsheimer GM-Tocher Opel finden. Interessenten wie Fiat und der Autozulieferer Magna diktieren die Bedingungen für einen Einstieg.
Der amerikanische Opel-Mutterkonzern kämpft weiter ums Überleben. Am Montagnachmittag will der Konzern einen neuen umfassenden Sanierungsplan vorlegen. Nach Angaben von zwei Gewährsleuten will GM unter anderem mehr Werke schließen als bisher geplant und das Aus der Marke Pontiac bekanntgeben.
Die Position der Regierung ist ungünstig
Durch die Entwicklungen bei GM gerät auch die Investorensuche für die deutsche GM-Tochter Opel zunehmend unter Druck. Insbesondere die Position der deutschen Regierung ist ungünstig, hatte sie sich doch früh festgelegt, die Arbeitsplätze der Opel-Standorte retten zu wollen.
Hinter den Kulissen wird mit den Bietern um Konditionen und Zusagen gerungen. Unter dem gegebenen Druck hatte sich die Regierung offenbar bereiterklärt, im Falle eines Einstiegs nicht nur für die Investionen, sondern auch für den Kaufpreis von Opel Bürgschaften zu geben. Das sind gute Voraussetzungen für die Interessenten Opel und Magna. Sollte die Übernahme nicht zum Erfolg führen, müsste am Ende der deutsche Steuerzahler für das Opel-Schicksal aufkommen.
Steinmeier: "Magna ist eine interessante Option"
Wer am Ende das Rennen macht, ist aktuell noch unklar. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat am vergangenen Freitag mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gesprochen, um eine zu frühe Festlegung auf einen Investor zu verhindern. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" ist allerdings aus dem Umfeld Steinmeier zu hören, dass dieser "Magna für eine interessante Option für Opel" halte. Er habe mehrfach mit dem Europa-Chef von Magna, Siegfried Wolf, und dem heutigen Magna-Aufsichtsrat und früheren österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky geredet.
Fiat will Montagestandorte erhalten
Fiat ist unterdessen offenbar im Falle einer Opel-Übernahme zu Zugeständnissen bereit. So garantiere er den Erhalt aller vier Montagestandorte des Autobauers, berichtet der "Spiegel". Das bedeute allerdings nicht, dass auch die jetzigen Kapazitäten der Werke in Deutschland garantiert werden könnten, berichtet das Magazin. Fiat plane eine weitere Zusammenlegung der Produktion.
Zudem hätten die Italiener zugesichert, dass alle Schulden der Turiner Gruppe aus einer möglichen Fusion herausgehalten würden. "Es wurde klargestellt, dass die Schulden der Fiat-Gruppe nicht mit in die Ehe eingebracht werden", sagte am Sonntag ein Insider in Turin, der unmittelbar mit der geplanten Übernahme von Opel vertraut sein soll.
Fiat-Chrysler-Bündnis gestärkt
Fiat versucht sich zurzeit mit verschiedenen Partnerschaften der Krise auf dem Automarkt entgegenzustellen. So besteht eine Partnerschaft mit dem ebenfalls angeschlagegen US-Autoriesen Chrysler. Dieser hatte am Montag verkündet, dass man sich mit der US-Automobil-Gewerkschaft UAW auf Einschnitte bei der Entlohnung verständigt habe.
Wie UAW am Sonntag mitteilte, sieht die vorläufige Vereinbarung mit Chrysler, Fiat und der US-Regierung Änderungen des 2007 ausgehandelten Tarifvertrags vor. Die aktiven und pensionierten Mitglieder der Gewerkschaft würden um außergewöhnliche Opfer gebeten, um Chrysler am Leben zu erhalten, sagte UAW-Vize General Holiefield.
Sollte die Einigung am Mittwoch von den Gewerkschaftsmitgliedern angenommen werden, hätte Chrysler eine wichtige Hürde zur eigenen Rettung genommen. Die Übereinkunft ermögliche es dem Unternehmen, die Vorgaben des US-Finanzministeriums einzuhalten und seine Bemühungen um eine Partnerschaft mit dem italienischen Fiat-Konzerns fortsetzen könne, erklärte Chrysler-Chefunterhändler Al Iacobelli.
Opel braucht schnelle Entscheidung
Was das Schicksal von Opel anbetrifft, wird man in Berlin in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen müssen. Der Mutter-Konzern General Motors wird zurzeit mit staatlichen Notkrediten in Höhe von 15,4 Milliarden Dollar am Leben erhalten. Die Regierung hat GM eine Frist zum 1. Juni gesetzt, um seine Schulden abzubauen, Kosten zu verringern und eine Umstrukturierung einzuleiten. Andernfalls müsste der größte US-Autokonzern nach Angaben von Vorstandschef Fritz Henderson ein Insolvenzverfahren einleiten. Bis dahin muss die deutsche Tochter einen eigenen Weg aus der Krise gefunden haben.
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