Wirtschaftskrise: Fusionen und Übernahmen auf Fünfjahrestief
zuletzt aktualisiert: 17.12.2009 - 21:32Frankfurt (RPO). Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat den Übernahme-Eifer der Unternehmen im zu Ende gehenden Jahr stark gebremst. Das Volumen der Fusionen und Übernahmen ging 2009 weltweit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren zurück.
Das wird aus Daten von Thomson Reuters hervor. Der Finanzdatenanbieter errechnete einen Wert von 1,97 Billionen Dollar – im Vergleich zum Boomjahr 2007 ist das ein Rückgang um mehr als die Hälfte, aber auch ein Drittel weniger als 2008, als die Finanzkrise bereits heraufzog. Die größte Übernahme war der 64,5 Milliarden Dollar schwere Kauf von Wyeth durch den Pharmariesen Pfizer.
Die erfolgreichste Investmentbank war im zu Ende gehenden Jahr erstmals seit 1996 Morgan Stanley. Sie war an sieben der zehn größten Übernahmen beteiligt und schob sich, gemessen am Wert der betreuten Transaktionen, vom fünften auf den ersten Platz. Die US-Bank löste damit den Seriensieger der vergangenen zwölf Jahre, den Erzrivalen Goldman Sachs, ab. Die Deutsche Bank fiel von Platz sieben auf neun zurück, in Europa von vier auf fünf. Credit Suisse und UBS lagen weltweit unmittelbar hinter den großen Fünf aus den USA.
Zeichen der Krise
In Europa hielten sich Unternehmen und Finanzinvestoren mit dem Kauf von Firmen besonders stark zurück: Hier schrumpfte das Volumen im Vorjahresvergleich um 54 Prozent. Weltweit fielen vor allem die in den Jahren zuvor besonders aktiven Beteiligungsfirmen als Käufer aus: Sie gaben mit 130 Milliarden Dollar 45 Prozent weniger aus, so wenig wie zuletzt 2002. Der größte Deal war die mit elf Milliarden Dollar bewertete Übernahme des Autozulieferers Delphi durch die eigenen Gläubiger - ein Zeichen der Krise.
Diese bekamen 2009 auch die Investmentbanken zu spüren, für die die Beratung und Finanzierung bei Fusionen das lukrativste Betätigungsfeld ist. Ihre Einnahmen aus dem Investmentbanking schrumpften nach Berechnungen von Thomson Reuters um sieben Prozent auf 69,5 Milliarden Dollar. Erstmals seit sechs Jahren waren Fusionen und Übernahmen nicht der größte Ergebnisbringer die Investmentbanker. Weniger hatten sie zuletzt im Jahr 2004 eingenommen. Mit den boomenden Anleihen und dem anziehenden Geschäft mit Kapitalerhöhungen konnten sie die wegbrechenden Fusionen nur zum Teil wettmachen.
Erstmals summierten sich Unternehmensanleihen in diesem Jahr auf mehr als eine Billion Dollar. Ein Drittel der 1,02 Billionen hatten die Firmen schon im ersten Quartal aufgesogen. Im Herbst zog sogar der in der Krise zusammengebrochene Markt für riskante Hochzinsanleihen an: 2009 wurden davon 53 Milliarden Dollar bei Investoren untergebracht, vier Mal so viel wie im vergangenen Jahr. 845 Milliarden Dollar wurden seit Oktober 2008 mit Hilfe staatlicher Garantien platziert, vor allem in den USA.
Auch in Deutschland setzte sich Morgan Stanley an die Spitze des M&A-Rankings und tauschte den Platz mit der Deutschen Bank, die auf Rang vier zurückfiel. Beide waren ebenso wie Goldman bei der mit Abstand größten Übernahme des Jahres mit von der Partie: der Übernahme von Porsche durch Volkswagen mit dem Einstieg des Scheichtums Katar bei dem Autohersteller. Insgesamt war das Geschäft mit Übernahmen mit 79,9 Milliarden Dollar auch hierzulande so ruhig wie seit 2004 nicht mehr.
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