Übernahmepläne: Fusionsfieber erfasst Pharmariesen
zuletzt aktualisiert: 13.03.2006 - 17:47Darmstadt (rpo). In Deutschland steht eine neue Riesenfusion an. Für 14,6 Milliarden Euro will das Pharmaunternehmen Merck seinen Berliner Konkurrenten Schering schlucken. Nach dem Bekanntwerden der Pläne explodierte Scherings Börsenkurs an der Börse. Den Abbau von Stellen im Zuge der Übernahme wollen die Verantwortlichen nicht ausschließen. Kritik an den Plänen kam von Berlins Regierendem Bürgermeister.
An der Börse entzündeten die Übernahmepläne derweil ein historisches Kursfeuerwerk: Die Schering-Aktie legte um sagenhafte 25 Prozent zu. Zu einem bei Übernahmen oft üblichen Stellenabbau wollte sich die Merck-Führung am Montag vor Journalisten in Darmstadt nicht konkret äußern. "Der Fokus dieser Transaktion liegt nicht auf der Kosteneinsparung durch Abbau von Arbeitsplatzen", sagte Merck-Chef Michael Römer. "Wir wollen ein komplementäres Unternehmen schaffen. Es wird zu Reduktionen kommen, aber wir sind ein sozial bewusstes Unternehmen."
Finanzvorstand Michael Becker sagte, das Unternehmen habe bereits Gesprache mit dem Schering-Großaktionär Allianz geführt: "Wir haben den Eindruck, dass die Allianz die Bedenken des Schering-Vorstands nicht teilt."
Die geplante Übernahme könnte sich zum spannenden Wirtschaftskrimi entwickeln. Der Aufsichtsrat des Berliner Pharmakonzerns Schering will Medienberichten zufolge auf einer außerordentlichen Sitzung am (morgigen) Dienstag über das Kaufangebot von Merck beraten. "Wir werden bei diesem Treffen die Offerte ablehnen", zitierte die "Welt" aus Aufsichtsratskreisen. "Damit wäre es auch ganz offiziell ein feindliches Übernahmeangebot." Der Einsatz von als "Poison Pills" (Giftpillen) bezeichneten Abwehrmaßnahmen sei nicht geplant.
Sorgen im Berliner Rathaus
Wowereit reagierte besorgt. Er führe Gespräche mit beiden Unternehmensleitungen und setze sich dafür ein, dass die Schering-Zentrale in Berlin bleibe und Arbeitsplätze gesichert würden, sagte er zu Berliner Medien. Schering ist das einzige im DAX gelistete Unternehmen, das seinen Sitz in Berlin hat.
Römer erklärte in einem Zeitungsinterview, er rechne nicht mit einem Gegenangebot zur eigenen Offerte. Widerstand aus der Politik erwarte er nicht.
Die oberste deutsche Finanzaufsicht BaFin will derweil die auffälligen Kursbewegungen der Schering-Aktie der letzten Tage unter die Lupe nehmen. "Wir prüfen routinemäßig auffällige Kursbewegungen vor Übernahmeangeboten", sagte eine Sprecherin. Die Aktien von Schering hatten bereits in der vergangenen Woche, also kurz vor Bekanntgabe des Übernahmeangebots durch Merck, mehr als neun Prozent zugelegt. Dies könnte, muss aber nicht, auf verbotene Insidergeschäfte zurückzuführen sein.
Merkel informiert
Merck-Aufsichtsratschef Wilhelm Simson, er habe Bundeskanzlerin Angela Merkel über die geplante Übernahme informiert. Merkel habe die geplante Transaktion nicht bewertet.
Beide Unternehmen hatten laut Merck 2005 im lukrativen Markt für patentgeschützte Medikamente einen Umsatz von insgesamt 5,6 Milliarden Euro erzielt und über ein Forschungs- und Entwicklungsbudget von gemeinsam 1,3 Milliarden Euro verfügt. Der Zusammenschluss habe zudem bessere Möglichkeiten, die beiden wichtigsten Märkte für Arzneimittel, USA und Japan, zu erreichen. Für die Integration von Schering in den Merck-Konzern soll der jetzige Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley sorgen.
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