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Interview mit Burkhard Drescher: Gagfah-Chef: "LEG würde gut zu uns passen"

zuletzt aktualisiert: 26.10.2006 - 06:33

Düsseldorf (RP). Gagfah-Chef Burkhard Burkhard über seinen Börsengang, den Wohnungsmarkt in NRW und die Auflagen des Landes beim Verkauf der LEG.

Herr Drescher, Sie haben einen erfolgreichen Börsengang hinter sich. Wie stehen Ihre Aktien?
Drescher: Am Mittwoch standen sie bei 22,40 Euro. Das ist deutlich über dem Ausgabe-Kurs.

Was tun Sie mit dem ganzen Geld?
Der Börsengang hat 853 Millionen Euro eingebracht, die wir an unsere Mutter Fortress abführen. Die Gagfah hat noch 300 Millionen Euro für Zukäufe in der Kasse, mit denen wir unser Wachstumsziel erreichen werden: Wir wollen mittelfristig für jährlich 1,4 Milliarden Euro Wohnungen zukaufen.

Brauchen Sie dazu noch mehr Geld?
Wir könnten durch eine Kapitalerhöhung 2007 weiteres Geld gewinnen.

Haben Sie schon mit Landesbauminister Wittke über die LEG geredet?
Nein. Aber wir haben unser Interesse frühzeitig bekannt gegeben und daran halten wir fest.

Wittke glaubt, dass er für die LEG drei Milliarden Euro bekommt... 
Die LEG hat 2,5 Milliarden Euro Schulden. Für mich ist NRW-Finanzminister Helmut Linssen der Mann der Zahlen. Er hat gesagt, dass er mit einem Kaufpreis knapp oberhalb dieses Wertes zufrieden sei. Ich halte selbst das für optimistisch.

Das Land will außerdem zahlreiche Auflagen zum Schutz von Mietern und Mitarbeitern diktieren.
Die Auflagen klingen, als seien sie aus der Gagfah-Sozialcharta übernommen. Wir haben uns darin freiwillig sehr ähnliche Spielregeln gegeben. Wir verzichten im Zweifel eher auf eine Mieterhöhung als auf einen Mieter.

Sie akzeptieren die Bedingungen der Landesregierung für einen Verkauf?
Im Prinzip: Ja. Allerdings werden wir die Bedingungen genau prüfen. Wir müssen nicht kaufen, wir können unsere Wachstumsziele auch ohne LEG erreichen.

Was stört Sie denn am LEG-Angebot?
Die Festlegung der Wiederverkaufsquote auf 2,5 Prozent. Ich halte das für einen zu starken Eingriff in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit.

Sie wollen die LEG also zerschlagen?
Nein. Wir sind kein Wohnungshändler. Wir verdienen Geld mit Vermietungen. Das ist ein anderes Geschäftsmodell, weil man dafür zufriedene Mieter und nicht leere Wohnungen braucht. Bei uns bleiben Mieter im Schnitt zwölf Jahre.

Ist NRW ein guter Standort?
Es gibt in Deutschland große Regionen, die das Tempo bestimmen. Im Osten ist es Dresden, im Westen sind es Hamburg, Freiburg und Stuttgart. NRW holt auf. Insbesondere Düsseldorf und Köln sind attraktive Standorte. Genau so Essen. Die europäische Kulturhauptstadt strebt auf.

Sie setzen weiter auf Essen?
Wir bleiben in Essen. Wenn wir demnächst in den MDax aufsteigen, wovon ich ausgehe, dann hat die Region noch ein börsenstarkes Unternehmen mehr. Was fehlt, ist eine professionellere Verwaltung für die Region. Viele Entscheidungen dauern zu lange.

Das Interview führten Thomas Seim, Martin Kessler und Thomas


 
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