Russischer Konzern will Stadtwerke gewinnen: Gazprom entfacht Gaskrieg am Niederrhein
VON DIETER HILLA UND GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 08.08.2007 - 15:58Düsseldorf (RP). Auf dem Gasmarkt an Rhein und Ruhr tobt ein erbitterter Konkurrenzkampf. Der russische Gazprom-Konzern greift mit Niedrigpreisen die Vormachtstellung von Ruhrgas an und lockt Stadtwerke zum Wechsel.
Ein Terrawatt entspricht 1000 Gigawatt oder einer Million Megawatt oder einer Milliarde Kilowatt oder einer Billion Watt. Dies ist eine Energiemenge, für deren Produktion etwa 500 Atomkraftwerke oder Tausende von Kohlekraftwerken benötigt werden.
Nach Informationen unserer Redaktion sind mehrere große Städte am Niederrhein und im Ruhrgebiet bereits in konkreten Verhandlungen mit Gazprom. Insgesamt soll es dabei um Energieliefermengen von etwa 100 Terrawattstunden gehen. Das reicht für eine Region von bis zu fünf Millionen Menschen. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch für Düsseldorf liegt bei etwa acht bis zehn Terrawattstunden.
Gazprom präsentiert sich den Stadtwerken als attraktiver Geschäftspartner. Er bietet ihnen Gas zum halben Einkaufspreis des jetzigen Lieferanten Eon Ruhrgas, der den Markt bislang beherrscht. Die Geschäftskontakte zwischen Stadtwerken und Gazprom laufen unter strengster Geheimhaltung. Die Unternehmen fürchten nämlich, Ruhrgas könnte die Stadtwerke unter Druck setzen und deren Großkunden direkt beliefern. Dies war in einem ähnlichen Fall den Stadtwerken Aachen passiert.
Als deren Kontakt zu Gazprom bekannt wurde, warb Ruhrgas mit Sonderpreisen industrielle Großabnehmer der Stadtwerke ab. Die Aachener Stadtwerke gerieten dadurch in große finanzielle Probleme. Auch in anderen Städten tritt Ruhrgas mittlerweile als Wettbewerber der Stadtwerke auf und bietet unter dem Motto „E wie einfach“ Strom und Gas direkt an Endkunden an. Bisher hatte Ruhrgas dieses Geschäft immer den Stadtwerken überlassen.
Ungeklärt ist bislang, wie das russische Gas von Gazprom aus Russland zu den Stadtwerken ins Ruhrgebiet und an den Niederrhein gelangen soll. Die Nutzung von Pipelines, die Ruhrgas gehören, würde die Kosten enorm erhöhen. Geklärt werden muss außerdem noch, dass das Gas ungehindert die innereuropäischen Grenzen passieren kann. Diese Probleme sind nach Einschätzung der beteiligten Stadtwerke allerdings beherrschbar. Sie haben vor allem den Preisvorteil im harten Wettbewerb um den Endverbraucher im Blick.
Für Gazprom ist der Rhein-Ruhr-Raum sehr interessant. Seit längerem versucht der Konzern, im deutschen Markt Fuß zu fassen. Im Mai hatte Alexander Medwedew, Vize-Chef des russischen Gazprom-Konzerns, erklärt, dass Schwerpunkte seiner Planungen im Energiezentrum an Rhein und Ruhr lägen. Damals machten Meldungen die Runde, Gazprom habe ein Konzept für einen Unternehmenseinstieg beim Ruhrgebietskonzern RAG erarbeitet.
Auch der Einstieg von Gazprom als Sponsor von Schalke 04 soll vor allem dazu dienen, Gazprom als ernst zu nehmenden Geschäftspartner zu etablieren. Gazprom ist zu 50 Prozent beteiligt am deutschen Gaslieferanten „WinGas“.
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