Konkurrierende Gaspipelines: Gazprom umgarnt RWE
zuletzt aktualisiert: 12.07.2010 - 18:43Düsseldorf/Moskau (RPO). Der russische Gazprom-Konzern sorgt bei der geplanten Gaspipeline Nabucco für ein weiteres Störfeuer. Gazprom habe mit dem Nabucco-Partner RWE über die von den Russen vorangetriebene Konkurrenz-Röhre South Stream gesprochen, verlautete am Montag aus beiden Unternehmen.
"Es ist nur ein Vorgespräch gewesen, nicht Konkretes", hieß es zwar in Gazprom-Kreisen. RWE habe aber Interesse an einem Einstieg bei dem Projekt gezeigt. Die Konzerne lehnten einen Kommentar ab. RWE ist bislang eine treibende Kraft für die Nabucco-Pipeline, mit der sich Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen will.
Das "Handelsblatt" hatte berichtet, Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew habe mit RWE-Vorstandsmitglied Leonhard Birnbaum Kontakt aufgenommen, um ihn für einen Einstieg bei South Stream zu gewinnen. RWE prüfe die Offerte. Spekulationen und Marktgerüchte kommentiere RWE grundsätzlich nicht, sagte ein Konzernsprecher. "Tatsache ist: Das Projekt Nabucco erfüllt derzeit bestmöglich die Kriterien von RWE und passt zu den laufenden Konzernprojekten in Europa und der kaspischen Region."
Durch Nabucco soll ab 2014 Gas aus der Region um das Kaspische Meer nach Europa strömen. An dem Konsortium sind auch die österreichische OMV und Gasgesellschaften aus Ungarn, Bulgarien, Rumänien und der Türkei beteiligt. Das Konsortium erklärte am Montag, alle Partner stünden hinter dem Projekt. Dies sei auf dem Weg und werde umgesetzt.
RWE fordert Klarheit bei Nabucco-Lieferverträgen
Den Russen ist die Nabucco-Pipeline ein Dorn im Auge. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte das Projekt scharf kritisiert und dabei auch auf die noch fehlenden Gas-Lieferverträge hingewiesen. RWE führt dazu Gespräche mit Aserbaidschan, dem Nordirak und Turkmenistan. Auch Abu Dhabi ist RWE zufolge an einem Einstieg interessiert. Gazprom hat bereits einen Nabucco-Partner auch für die South Stream-Pipeline gewonnen: Der österreichische Energiekonzern OMV beteiligt sich an beiden Projekten. Sollte sich auch RWE anschließen, könnte dies Nabucco zurückwerfen. Durch South Stream soll russisches Gas nach Italien und Österreich strömen.
RWE hat sich immer wieder für Nabucco starkgemacht. Gemeinsam mit OMV hat der Konzern Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer als Berater für die Röhre engagiert. RWE fordert jedoch, dass bis Ende dieses Jahres Klarheit über die Lieferverträge herrscht. Noch im Juli erwarte das Unternehmen eine Einladung aus Aserbaidschan zu konkreten Verhandlungen, sagte der RWE-Sprecher. Der Nord-Irak wolle Gas für den Export nach Europa durch Nabucco zur Verfügung stellen. "Nabucco ist die derzeit einzige wegweisende und wirtschaftliche Initiative für mehr Vielfalt an Gasquellen und Gastransportrouten und Wettbewerb in Europa." Kein anderes Projekt im südlichen Korridor biete diese Vorteile und sei ähnlich fortgeschritten und gut aufgestellt.
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