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Kommentar zur Tarifeinigung
Bei der Deutschen Bahn kehrt Ruhe ein

GDL: Bei der Deutschen Bahn kehrt Ruhe ein
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Meinung | Düsseldorf. Bahnkunden können aufatmen: In absehbarer Zeit wird es keine Streiks mehr geben. GDL und Bahn haben sich geeinigt. Den beiden Schlichtern ist ein bemerkenswerter Abschluss gelungen. Von Maximilian Plück

Was für ein Abschluss, den die Schlichter Bodo Ramelow und Matthias Platzeck gemeinsam mit der Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hinbekommen haben. Er ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Da wären zunächst Beharrlichkeit und Verschwiegenheit zu nennen, mit denen die Schlichter zu Werke gingen. Einmal, so erklärten sie es gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse, seien die Gespräche kurz vor dem Abbruch gewesen. Doch man hielt durch, verlängerte die Schlichtung um zwei Wochen. Und man hielt dicht in dieser Zeit. Nach außen drang so gut wie nichts. Das hat den Gesprächen augenscheinlich gut getan. Und beide Schlichter empfehlen sich damit auch für die Lösung künftiger Tarifkonflikte.

Und dann die inhaltlichen Vereinbarungen: Für die Kunden heißt es nun Aufatmen: Bis mindestens September 2016 gilt die Friedenspflicht, für die Zeit danach wurde für den Konfliktfall eine Schlichtung vereinbart. Das gibt den Zugreisenden Sicherheit. Die Bahn wird wieder zu einem zuverlässigen Verkehrsmittel. Die lange Laufzeit ist zugleich ein riesiger Vorteil für das Management. Das gibt ihm Planungssicherheit und ermöglicht es ihm, sich wieder mehr aufs operative Geschäft zu konzentrieren.

Denn die Herausforderungen angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Privatbahnen und Fernbusse ist enorm. Und Bahn-Vorstand Ulrich Weber schaffte es am Ende wirklich, ähnliche Vereinbarungen bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft und der GDL zu erreichen. Zudem hat er Wort gehalten und die Lokführer-Gewerkschaft davon überzeugt, dass die Bahn auch künftig an einer Zusammenarbeit interessiert ist – Tarifeinheitsgesetz hin oder her. So geriert man sich als zuverlässiger Verhandlungspartner.

Die Lokführer haben ebenfalls gleich mehrere Ziele erreicht: Sie haben einen eigenen Bundesrahmentarifvertrag für die Zugbegleiter durchgesetzt, den sie nun nach und nach auch bei den Privatbahnen durchsetzen wollen – wohl auch mit Streiks. Das war erklärtes Ziel. Und die GDL vermochte es, die Belastungen für das Zugpersonal zu reduzieren. 300 zusätzliche Lokführer und 100 Zugbegleiter wird die Bahn einstellen. Die Wochenarbeitszeit wird bis 2018 um eine Stunde reduziert. Auch die Gewerkschaft geht damit als Gewinner vom Platz. Bleibt die Erkenntnis: Der Bahnstreik 2014/15 ist endgültig vom Tisch. Für die Bahn ist heute ein guter Tag!

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