Rückkaufplan für Opel: General Motors baut eine Drohkulisse auf
zuletzt aktualisiert: 25.08.2009 - 17:36Frankfurt (RPO). Der US-Autobauer General Motors (GM) ist nach Angaben aus Regierungskreisen weiter an einem Verkauf der deutschen Tochter Opel interessiert. "Das Management von GM hat heute deutlich gemacht, dass man weiterhin an einer Investorenlösung interessiert sei", hieß es am Dienstag nach einem Treffen von Bund, Ländern und GM in Berlin.
Bei dem Gespräch bestätigte GM nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP, dass einzelne Mitglieder des GM-Verwaltungsrats allerdings in Frage gestellt hatten, ob ein Verkauf von Opel sinnvoll sei. Aus Regierungskreisen hieß es dazu, "die heutigen Gespräche haben deutlich gemacht, dass es im Aufsichtsrat von General Motors noch erheblichen Informationsbedarf gibt.
Dies liegt vor allem darin begründet, dass dieses Gremium in der jüngsten Vergangenheit teilweise neu zusammengesetzt wurde." Die Bundesregierung ist demnach aber zuversichtlich, dass das GM-Management die kritischen Verwaltungsratsmitglieder von einem Verkauf überzeugen kann. Die Gespräche mit allen Beteiligten würden derweil weitergeführt.
Bund und Länder investierten bereits mehr als eine Milliarde Euro
Die Bundesregierung und die Bundesländer mit Opel-Standorten haben den angeschlagenen Autobauer Opel bisher mit Krediten in Höhe von 1,05 Milliarden Euro gestützt. Das geht aus einem Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages hervor, der unserer Redaktion vorliegt.
Bund und Länder haben Opel eine Überbrückungsfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro zugesagt. Insgesamt sollen Kredite und Garantien von 4,5 Milliarden Euro gewährt werden. Zehn Prozent davon soll ein Investor als "Eigenkapitalbeitrag" einbringen, heißt es weiter in dem Bericht. Demnach muss ein Investor 450 Millionen Euro frisches Geld in Opel investieren.
GM bertreibt Verhandlungstaktik
Je länger sich der Poker um Opel in die Länge zieht, umso vielfältiger werden die Varianten für die Zukunft des Autobauers. Während GM in den vergangenen Monaten mit den Interessenten Magna und RHJ verhandelt hat, prüft die ehemalige Opel-Mutter nun auch einen Verbleib des Rüsselsheimer Autobauers im Konzern. Experten sehen in diesem überraschenden Schlenker aber eher Verhandlungstaktik, um neben dem von der Bundesregierung bevorzugten Angebot von Magna eine Alternative zu schaffen. "GM baut eine Drohkulisse auf, sie wollen Stärke demonstrieren", heißt es in Finanzkreisen.
Insolvenzverfahren in Rekordzeit
Der ehemals weltgrößte Autobauer hat gestützt durch milliardenschwere Hilfen der US-Regierung sein Insolvenzverfahren in der Rekordzeit von 40 Tagen durchlaufen und will nun an die Größe vergangener Tage anschließen. Die Europatochter mit jährlich 1,5 Millionen verkaufter Wagen ist dabei höchst willkommen.
Für Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sind die Pläne von GM für einen Rückkauf von Opel zwar ernst zu nehmen. "Aber auf der anderen Seite ist es auch eine berühmt-berüchtigte Nebelkerze von GM, um insbesondere den Druck der deutschen Bundesregierung auf GM wegzunehmen. Ich schätze das als interessante taktische Variante von GM ein", sagte Franz. Die Bundesregierung hatte vergangene Woche lediglich Staatshilfen für Magna und nicht für den von GM lange präferierten Bieter RHJ in Aussicht gestellt und damit den Druck auf den US-Konzern erhöht. Dennoch hatte der GM-Verwaltungsrat keine Entscheidung getroffen und sich stattdessen offenbar Alternativszenarien überlegt.
Wer soll das bezahlen?
Der Plan, Opel zu behalten, hat allerdings einen Haken – GM fehlen für den Rückkauf die finanziellen Mittel. Zunächst müsste der US-Konzern 1,5 Milliarden Euro aufbringen um den von Bund und Ländern gewährten Überbrückungskredit abzulösen. Danach müsste GM weitere Milliarden für die Sanierung des Autobauers aufbringen. Derzeit hält eine Treuhand 65 Prozent an Opel, 35 liegen bei GM.
Woher das Geld kommen soll, ist unklar. Die US-Regierung hat im Zuge der Sanierung von GM zwar rund 60 Milliarden Dollar in den Autobauer gesteckt, allerdings nur für Standorte in Nordamerika. Kein US-Steuergeld war ins Ausland abgeflossen. Beobachter halten es daher für unwahrscheinlich, dass die US-Regierung von dieser Strategie abrückt und nun Geld in Opel steckt.
Bundesregierung unterstützt nur eine Abspaltung
Ebenso wenig dürfte die deutsche Bundesregierung bereit sein, GM Staatshilfen zu gewähren, um Opel wieder zurückzukaufen. Sie will nur eine dauerhafte Abspaltung der deutschen Tochter von dem US-Konzern unterstützen. Als Alternative zu staatlicher Hilfe könnte GM Kreisen zufolge auch Teile seines Asien-Geschäfts verkaufen oder verpfänden, um an Geld für einen Opel-Rückkauf zu kommen. Allerdings gilt das wichtige Geschäft auf dem Hoffnungsmarkt als eine tragende Stütze für den Konzern angesichts weltweit rückläufiger Automärkte. Ein Verkauf dürfte daher keine wirkliche Option sein.
Bleibt eine Finanzierung über die nach der Finanzkrise wieder halbwegs liquiden Kreditmärkten. GM dürfte allerdings nur mit Staatsgarantien ihrer Mehrheitseigentümerin, der US-Regierung, an Kredite kommen. Eine eigene Bonitätsnote von Ratingagenturen wie Standard & Poor's hat GM nach der Insolvenz nicht mehr.
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