3,3 Milliarden Euro aus eigener Kraft veranschlagt: General Motors legt Opel-Sanierungsplan vor
zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 17:22Brüssel/Bochum (RPO). Der US-Autohersteller General Motors (GM) hat bei einem Treffen mit Vertretern der EU und Wirtschaftsministern der Länder mit Opel-Standorten einen "weitreichenden" Sanierungsplan für die Tochter Opel vorgelegt.
Wie der Chef der GM-Europasparte, Nick Reilly, am Montag in Brüssel erklärte, soll dabei die Sanierung nicht von staatlichen Zusagen abhängig machen. "Der Plan steht und wird von keiner der geldgebenden Regierungen beeinflusst werden." Der Plan solle nun auch mit der Belegschaft diskutiert werden. Dann wolle GM auch weitere Details nennen.
Zugleich bekräftigte Reilly, dass für die Sanierung der Sparte insgesamt 3,3 Milliarden Euro veranschlagt würden. Dabei wolle sich der US-Konzern mit einem Eigenanteil an der Restrukturierung beteiligen und notfalls das Europageschäft auch aus eigener Kraft sanieren.
Zuvor hatte Flanderns Regionalregierung erklärt, für mögliche Hilfen weitere Informationen von GM zu benötigen. Der Ministerpräsident von Flandern, Kris Peeters, sagte, es bedürfe einiger Klarstellungen von Reilly, damit Restrukturierungsbeihilfen gewährt werden könnten. Das Hilfsangebot im Volumen von 500 Millionen Euro liege aber nach wie vor auf dem Tisch. GM betreibt in Antwerpen ein Opel-Werk.
London und Madrid wollen erst Sanierungsplan sehen
Die Regierungen Großbritanniens und Spaniens wiesen unterdessen Berichte zurück, sie hätten General Motors bereits mehrere hundert Millionen Euro Staatshilfe in Aussicht gestellt. Eine britische Regierungssprecherin bestätigte am Montag, London sei grundsätzlich zu Hilfen bereit, diese hingen aber vom Sanierungskonzept ab. Ein spanischer Regierungsbeamter sagte der Nachrichtenagentur AP, Hilfen könne es nur für ein Sanierungskonzept geben, das sich allein an wirtschaftlichen und nicht an politischen Kriterien orientiere.
Der flämische Ministerpräsident Peeters erklärte, er habe "kein Problem damit, dass dieses Dossier allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten" ausgerichtet wird. Er wolle von General Motors aber wissen, "wo der Platz Antwerpens in einem solchen wirtschaftlichen Ranking ist".
IG Metall kritisiert Brüderles Nein zu Beihilfen
Die IG Metall kritisierte unterdessen Brüderles Nein zu staatlichen Beihilfen scharf. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild warnte den FDP-Politiker in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vor einem "ordnungspolitischen Grundsatzkrieg", um sich beliebt zu machen.
Schild schloss einen Beitrag der Arbeitnehmer zur Sanierung von Opel nicht aus: "Wenn es ein Konzept gibt, dessen Ziel es ist, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, und das keine Werksschließung in Europa als Grundlage der Restrukturierung vorsieht, dann wird die Antwort der Arbeitnehmer völlig anders ausfallen, als wenn mit Arbeitnehmern und Standorten Reise nach Jerusalem gespielt wird."
GM hatte sich kürzlich überraschend entschieden, die Marke Opel als Konzernmarke fortzuführen, nachdem im Spätsommer ein mehrheitlicher Verkauf an ein Konsortium um den österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna International und die russische Sberbank vereinbart worden war. Die Bundesregierung hatte seinerzeit Hilfen von 4,5 Milliarden Euro versprochen. Jetzt ist unklar, welche Hilfen GM für eine Sanierung in Eigenregie erwarten kann.
Opel ist in Deutschland an vier Standorten präsent. Neben Rüsselsheim (Hessen) sind dies Bochum, Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz). Insgesamt sind bei Opel in Deutschland 25.000 Mitarbeiter beschäftigt, 5170 davon in Bochum.
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