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Zwei Jahre nach dem Germanwings-Absturz
Piloten dürfen wieder allein ins Cockpit

Germanwings-Absturz: Piloten dürfen ab Juni 2017 wieder allein ins Cockpit
Ein Wrackteil des Germanwings-Flugzeugs an der Absturzstelle in den französischen Alpen. FOTO: dpa, bl fpt mbk fpt
Berlin . Ab spätestens Juni dürfen sich die Piloten der großen deutschen Fluggesellschaften wieder alleine im Cockpit aufhalten. Die Sicherheitsvorgabe, die nach der Germanwings-Katastrophe im März 2015 eingeführt worden war, wurde zurückgenommen. Die Pilotengewerkschaft befürwortet die Rücknahme. 

Die Zwei-Personen-Regelung bringe keinen Sicherheitsgewinn, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zu der Entscheidung. Das hätten Untersuchungen gezeigt. Durch das häufigere Öffnen der Pilotenkanzel entstehen demnach viel mehr zusätzliche Risiken, dass Unbefugte hineinkommen. 

Die Fluggesellschaften sicherten aber zu, dass Ärzte bei Untersuchungen von Piloten stärker auf psychologische und psychiatrische Aspekte achten. Zugesagt wurden auch stabile Beschäftigungsverhältnisse, Zugang zu Berufsunfähigkeitsversicherungen, psychologischen Beratungsprogrammen und eine intensivere Mitarbeiterbetreuung.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) begrüßte die Rücknahme der verschärften Vorgaben. "Wir finden es gut und konsequent, dass die Zwei-Personen-Regelung wieder abgeschafft wird", sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Freitag. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass der Sicherheitsgewinn fraglich ist." Die Regelung habe im Gegenteil neue Risiken geschaffen - und die wögen schwerer als der "unwahrscheinliche Fall eines Piloten-Suizids".

Der psychisch kranke Copilot Andreas Lubitz hatte den Ermittlungen zufolge im März 2015 die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen bewusst abstürzen lassen. 150 Menschen starben. Die Behörden gehen davon aus, dass der Copilot den Flugkapitän aus dem Cockpit gesperrt hatte. Die Familie des Copiloten bezweifelt das Ermittlungsergebnis.

Danach hatten die deutschen Airlines als Sofortmaßnahme die Zwei-Personen-Regel eingeführt. Auswertungen des BDL haben jedoch ergeben, "dass die Gefahr eines Angriffs von außen durch terroristische beziehungsweise kriminelle Handlungen nach wie vor höher eingeschätzt werden muss", wie es am Freitag hieß. Seit 1931 habe es nur etwa vier vergleichbare Suizidfälle gegeben, davon zwei, in denen der Täter allein im Cockpit gewesen sei. Demgegenüber stünden 1074 Entführungen.

Um die Zwei-Personen-Regel einzuhalten, werde die Cockpit-Tür häufiger und vorhersehbarer geöffnet. Es wachse auch der Kreis derer, die die Flugkanzel überhaupt betreten dürfen. Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern hatten den Nutzen der Regelung schon früh bezweifelt. Sie beruht auf einer Empfehlung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit, die inzwischen gelockert wurde.

Der BDL teilte mit, die neue Sicherheitsregelung werde dem Luftfahrt-Bundesamt angezeigt und spätestens zum 1. Juni umgesetzt.

(kess/dpa)
 
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