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Pharma-Konzern: Gerüchte um Bayer-Übernahme

VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 22.08.2007 - 07:24

Leverkusen (RP). Der Schweizer Pharmariese Novartis bereitet angeblich eine feindliche Attacke auf den Leverkusener Konzern vor. Die meisten Experten halten eine Übernahme für sehr schwierig. Ganz ausschließen will sie jedoch niemand.

Es ist noch nicht lange her, da beauftragte der Bayer-Konzern eine renommierte Investment-Bank mit einer Verteidigungsstrategie für den Fall einer feindlichen Übernahme. Die könnte womöglich schneller greifen, als der Bayer-Führung lieb ist. Wenn die Gerüchte stimmen, dass der Schweizer Pharmariese eine unfreundliche Attacke plant, muss sich der Leverkusener Konzern eines Gegners erwehren, den er bislang nicht auf dem Schirm hatte.

Im Bayer-Vorstand ist man jedenfalls auf der Hut. „Da könnte was dran sein“, heißt es aus dem Umfeld der Führung. Immerhin erreichte der Aktien-Kurs des deutschen Chemie- und Pharmakonzerns gestern mit 58 Euro einen neuen Höchstkurs. Gegen Börsenschluss bröckelte der Kurs und fiel auf 56,77 Euro zurück. Aber auch mit einem Plus von 3,8 Prozent war Bayer klar Tagessieger. Börsengerüchte um ein feindliches Angebot von Novartis gab es schon in der vergangenen Woche. Auch damals schnellte die Aktie um fünf Prozent nach oben, gab die Gewinne am folgenden Tag aber größtenteils wieder ab.

Die meisten Experten halten einen Kauf durch das Basler Pharma-Unternehmen für eher unwahrscheinlich. „Es ist schwer zu sehen, wie selbst Novartis die Finanzierung für eine solche Übernahme stemmen würde“, sagte Analyst Christian Faitz vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim.

Doch unmöglich ist eine solche Transaktion für die Schweizer nicht. Der Pharmakonzern ist an der Börse über 100Milliarden Euro wert gegenüber 42 Milliarden, die Bayer in die Waagschale werfen kann. Auch die Kreditlinien der Schweizer sind nach Ansicht von Insidern so hoch, dass sie den Kauf finanzieren könnten. „Novartis ist seit einiger Zeit unter Zugzwang“, meint Pharma-Spezialist Markus Metzger vom renommierten Schweizer Bankhaus Vontobel.

Dabei dürften es die Basler vor allem auf die Medikamenten-Pipeline von Bayer abgesehen haben. Das geplante Thrombose-Mittel Rivaroxaban könnte einen Markt von zwei Milliarden Euro haben. Ein ähnliches Potenzial hat das Krebsmittel Nexavar. Auch die Bestseller, die Bayer aus der Schering-Übernahme erhielt, die Anti-Baby-Pille Yasmin und das MS-Mittel Betaferon, würde das Arzneimittel-Portfolio der Schweizer hervorragend ergänzen. Zudem hätten die beiden Konzerne bei den nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten eine überragende Marktstellung.

Doch es gibt auch schwerwiegende Gründe gegen eine Übernahme. Der Bayer-Konzern ist mit rund 57 Euro je Aktie sehr gut bewertet. Die meisten Analysten sehen den Kurs bei knapp über 60 Euro. Der in den Börsengerüchten gehandelte Preis von 70 Euro wäre für Novartis ein sehr teurer Kauf. Denn Synergien sind für die Schweizer kaum zu heben. Im Vertrieb und im Marketing hat Bayer das eigene Unternehmen so effizient gemacht, dass auch ein neuer Eigentümer hier kaum noch Kosten einsparen könnte.

Außerdem müsste Novartis Konzernteile wie die Pflanzenschutzsparte und die Polymere verkaufen. Die machen mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Für die dürften die Schweizer auch aus kartellrechtlichen Gründen kaum Käufer finden. So unwahrscheinlich eine Übernahme ist - die Finanzmärkte wurden schon ein paar Mal im Pharmasektor überrascht. Zuletzt durch die Übernahmeschlacht um den Berliner Gesundheitskonzern Schering. Und den gewann Bayer.


 
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