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Verunsicherung bei Bürgern und Patienten: Gesundheitskarte – was Sie jetzt wissen müssen

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 18.06.2009 - 21:53

Düsseldorf (RPO). Die Gesundheitskarte: Zum 1. Oktober soll sie flächendeckend kommen, der massiven Kritik von Ärzten und Datenschützern zum Trotz.  Auch unter den Patienten herrscht Verunsicherung. Jüngstes Ärgernis: Wer der Krankenkasse kein Foto schickt, kann seinen Versicherungsschutz verlieren. Die Aufregung ist groß. Dabei wissen die wenigsten, was sie mit der Gesundheitskarte erwartet.

Kein Foto – keine Behandlung. Dies geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, wie unsere Redaktion berichtete. Die elektronische Gesundheitskarte kann "in der Regel nicht ausgestellt werden, wenn ein notwendiges Lichtbild nicht vorgelegt wird", heißt es in der Antwort. Die Krankenkassen werden ihre Mitglieder in dieser Sache nach den Sommerferien anschreiben, wenn sie es nicht schon getan haben.

An und für sich ist die Gesundheitskarte eine sinnvolle Sache. Sie sollte Blutgruppen speichern und so im Notfall Leben retten. Sie sollte Krankheitsgeschichten und Medikationen dokumentieren und so Fehlbehandlungen verhindern. Die Erfassung der Patientendaten liefert Ärzten zudem ein einheitliches Bild des Patienten. Überflüssige Doppelbehandlungen würden entfallen.

Drei Jahre Pleiten, Pech und Pannen

Doch ist der Foto-Zwang nur jüngstes Beispiel für eine ganze Reihe von Problemen, die das Thema Gesundheitskarte begleiten. Schon 2006 ging das Projekt in die Startlöcher. Mehrfach wurde die Einführung seitdem verschoben. Gravierende Pannen bei Tests, zahlreiche datenschutzrechtliche Bedenken. Jetzt ist der 1. Oktober die aktuelle Zielmarke.

Viele Ärzten sind gegen die Einführung der Karte. Manche raten ihren Patienten davon ausdrücklich ab. Sie fürchten, die Daten ihrer Patienten könnten nicht ausreichend geschützt sein. Zudem fürchten sie den Aufwand, den die neuen Computersysteme mit sich bringen. Probeläufe in Westfalen-Lippe haben gezeigt, dass die Einführung der neuen Technik den Praxisbetrieb quasi lahmlegen kann.

Ein Prestige-Objekt

Auch Datenschützer fürchten den gläsernen Patienten. Sensible Angaben über Krankheitsdaten auf der Karte sollen zentral gespeichert werden. Eine Einladung zum Missbrauch, monieren Kritiker. Dennoch bleibt das Gesundheitsministerium stur. Der FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr meint: "Das Gesundheitsministerium will gegen Bedenken von Ärzten und Patientenvertretern dieses Projekt durchpeitschen."

Was die Kritiker besonders erzürnen  lässt, ist die Tatsache, dass die heiß umstrittene neue Karte gar nicht mehr kann als die alte: Die einzige Funktion, die die elektronische Gesundheitskarte den bisherigen Chipkarten tatsächlich voraushaben wird, ist das Lichtbild, ursprünglich eingeführt, um Missbrauch zu verhindern. Doch selbst das erscheint fraglich. Die Kassen kontrollierten nicht, ob die Fotos tatsächlich die Versicherten zeigen, sagen Datenschützer. Patienten seien nicht zweifelsfrei identifizierbar, systematischer Missbrauch möglich.

Pflichtdaten - freiwillige Daten

Nach jetzigem Stand gleichen die Daten auf der Gesundheitskarte tatsächlich denen auf der Versichertenkarte. Versichertennummer, Name, Adresse, Status – all das muss verpflichtend angegeben werden. Doch nur vorläufig. Der Mikrochip kann weitaus mehr und weitaus sensiblere Daten speichern. Zum Beispiel den Krankheitsverlauf, Medikamente, Allergien. Ob er dieser Daten abspeichern lässt, bleibt der Entscheidung des Patienten überlassen.

Die Gesundheitskarte – eine unendliche Geschichte. Das Zieldatum rückt näher, die Verunsicherung unter Bürgern und Patienten wächst. "Wie lange dauert es noch, bis der gläsernen Mensch, Bürger in Deutschland perfekt ist.... lange nicht mehr..", schreibt ein Leser in einem Kommentar. "Wie oft solche persönlichen Daten, die ja angeblich so sicher sind, missbraucht werden hat die letzte Zeit ja gezeigt", ein anderer.

Wie die Gesundheitskarte funktioniert, welche Daten auf ihr abgespeichert werden, was ihre Einführung kostet, was bei einem Krankenkassenwechsel geschieht – unser Überblick erläutert die wichtigsten Fragen zur Gesundheitskarte.


 
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