Reilly kündigt in Interview Kapazitätsabbau an: GM behält sich Opel-Schließungen doch vor
zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 - 18:50Frankfurt/Main (RPO). Die Opelaner konnten sich nicht lange über die Schlagzeile freuen, dass der Mutterkonzern General Motors (GM) keine Schließungen von Opel-Werken plant. Ein entsprechender Bericht wurde nun vom amerikanischen Konzern richtig gestellt.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") hatte in ihrer Online-Ausgabe über ein Interview mit Nick Reilly, dem Chef von GM International Operations, die Schlagzeile gesetz "GM-Europa-Chef Reilly will alle Standorte von Opel erhalten". GM erklärte nun, dies gehe auf die Fehlinterpretation einer Interview-Aussage zurück.
Auf die Frage "Wie viele Fabriken müssen Sie schließen?" antwortete laut GM Reilly: "Wir "müssen" überhaupt keine Standorte schließen. Was wir tatsächlich tun müssen, ist einen Teil der Kapazität abzubauen. Wir müssen einen Teil der strukturellen Kosten abbauen. Und es gibt verschiedene Wege, dies zu tun. Es geht nicht notwendigerweise um ganze Werke. Über die Details möchte ich noch nicht sprechen. Aber wenn wir zehn Werke haben und wollen 20 Prozent der Kapazität abbauen, heißt das nicht, dass wir zwei Fabriken schließen müssen."
Mit dem Wort "müssen" wollte Reilly laut GM zum Ausdruck bringen, dass die erste Aufgabe darin besteht, Kapazitäten abzubauen. Die konkrete Entscheidung, mit welchen Maßnahmen dies gemacht werden soll, aber erst den zweiten Schritt darstellt.
In den laufenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften und Regierungen in Deutschland, Spanien und Großbritannien will Reilly der "FAZ" zufolge die Details der Restrukturierung in wenigen Wochen klären. "Dann müssen wir den Sanierungsplan bis spätestens Mitte Dezember vollenden und veröffentlichen", wird der Manager zitiert. Den binnen eines Jahres notwendigen Stellenabbau bezifferte er auf 9.000 bis 10.000 der insgesamt 46.000 Stellen in Europa.
Für 2013 wieder "ordentlicher Gewinn" erhofft
Reilly nannte als Ziel, dass Opel im Jahr 2011 wieder aus der Verlustzone kommen und schwarze Zahlen schreiben solle. 2013 peilt er dann schon einen "ordentlichen Gewinn" an. Den während der Verhandlungen mit Magna mit der Belegschaft vereinbarten Verzicht auf jährlich 265 Millionen Euro Lohn hält Reilly für ausreichend. Allerdings hatte der Betriebsrat dies nach der Entscheidung von General Motors, Opel nun doch zu behalten, wieder in Frage gestellt. Nach Informationen der "FAZ" soll das Weihnachtsgeld, auf das die Belegschaft eigentlich verzichtet hätte, zum 1. Dezember in voller Höhe von 63 Millionen Euro ausgezahlt werden.
Keine Aussage des Bundes zu Staatshilfen
Um die jetzt geplante Sanierung Opels in eigener Regie umzusetzen, hofft General Motors auf Staatskredite über 3,3 Milliarden Euro und muss offenbar deshalb politische Rücksichten nehmen. Reilly sagte, bisher habe er nur Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle persönlich getroffen. Die Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten werde er Anfang nächster Woche das erste Mal sehen.
Es gebe jedenfalls keine Absage des Bundes für Staatshilfe. "Der Bund ist sehr interessiert daran, dass Opel eine Zukunft hat", sagte Reilly. Er könne gut verstehen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Absage von GM an Magna enttäuscht sei. "Dennoch hoffe ich, dass sie Opel weiter als ein für Deutschland wichtiges Unternehmen einstufen wird und uns unterstützen wird", fügte Reilly hinzu.
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