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GM Opel Platzhalter Panorama ddp
  Foto: ddp, ddp
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Hängepartie um Opel: GM probt den Alleingang

zuletzt aktualisiert: 25.08.2009 - 08:00

Hannover (RPO). In der endlosen Hängepartie um Opel zeichnet sich eine spektakuläre Wende ab. Medienberichten zufolge erwägt General Motors, den Verkauf von Opel zu stoppen. Der Verwaltungsrat habe das Management beauftragt, entsprechende Alternativen zu prüfen. Dazu gehöre ein Finanzierungsplan über 4,3 Milliarden Dollar. GM wolle dafür eigens Geschäftssparten in China verkaufen.

Viel spricht dafür, dass GM derzeit tatsächlich konkrete Opel-Planspiele erarbeitet. Dies berichten unabhängig voneinander das Wall Street Journal, die Financial Times Deutschland und die Nachrichtenagentur Reuters.

Wie die Zeitung "Wall Street Journal" am Montagabend auf ihrer Website berichtete, versucht GM jetzt, 4,3 Milliarden Dollar (3 Milliarden Euro) selbst aufzubringen, um Opel behalten und selbst umstrukturieren zu können. Der Alternativplan soll demnach bis Anfang September fertig sein.

Das "Wall Street Journal" beruft sich auf drei Informanten. Henderson habe am Freitag die derzeitigen Optionen vor dem neuen GM-Verwaltungsrat vorgetragen, um dessen Unterstützung für das Angebot des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna zu bekommen, für das die Bundesregierung eine Kreditbürgschaft von 4,5 Milliarden Euro geben will. "Der Rat hat den Magna-Deal abgelehnt und darauf hingewiesen, wie stark ein derartiger Verkauf die GM-Strategie in Europa beeinträchtigen würde", heißt es im "Wall Street Journal". Zudem seien "Bedenken hinsichtlich spezifischer Details im Zusammenhang mit der Finanzierungszusage der Bundesregierung" geäußert worden.

Auch Insolvenz eine Option

Das GM-Management sei aufgefordert worden, die Optionen zu überdenken und weitere Szenarios zur Abwägung vorzubereiten, darunter ein Plan, wie neue Milliarden aufgebracht werden könnten, die es GM erlauben würden, Opel zu behalten. Eine weitere abzuwägende Option, "wenngleich abseitig", sei die mögliche Insolvenz von Opel.

Nach dem monatelangen Tauziehen um die Zukunft von Opel wäre ein Verbleib Opels im US-Mutterkonzern die absolute Kehrtwende. Bei den Verhandlungen um die Rettung von Opel geht es derzeit um eine staatliche Kreditbürgschaft von 4,5 Milliarden Euro, die die Bundesregierung nur gewähren will, falls ihr Wunschkandidat, der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna, den Zuschlag behält. Der GM-Mutterkonzern bevorzugt hingegen den belgischen Finanzinvestor RHJ International (RHJI).

Vier Milliarden alleine stemmen

Priorität habe für GM zwar nach wie vor, offene Fragen mit dem Opel-Bieter Magna zu klären, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Personen mit Kenntnissen der Überlegungen. GM erörtere aber auch andere Optionen. Um die Finanzierung von vier Milliarden Dollar auf die Beine stellen zu können, könnte GM Geschäftsbereiche in China verkaufen. US-Regierungsgelder kommen dafür nicht in Frage. GM kommentierte die Angaben zunächst nicht.

Wie die Financial Times weiter berichtete, ist eine Entscheidung noch nicht gefallen. Der GM-Verwaltungsrat habe aber Interesse daran bekundet, eine "extreme Lösung" für die politisch aufgeladene deutsche Rettungsaktion zu prüfen. Das für diese Woche angesetzte Spitzentreffen mit der Bundesregierung verspricht hitzige Auseinandersetzungen. Voraussichtlich wird GM-Unterhändler John Smith nach Berlin reisen, heißt es.

Hängepartie löste Unmut in Deutschland aus

Der Verwaltungsrat des US-Konzerns hatte auch in der Nacht zum Samstag keine Entscheidung zum Bieter getroffen. Vertreter der Bundesregierung - allen voran Kanzlerin Angela Merkel - und der Bundesländer mit Opel-Werken hatten sich darüber enttäuscht geäußert und auf eine schnelle Entscheidung gedrängt. Sie geben dem kanadischen Zulieferer Magna den Vorzug vor dem ebenfalls an Opel interessierten Finanzinvestor RHJ.

Die weitere Verzögerung der Opel-Bieterentscheidung durch den Mutterkonzern GM brachte Politiker und die Opel-Belegschaft in Rage. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz und IG-Metall-Chef Berthold Huber drohen mit spektakulären Aktionen, sollte GM sich bis Ende der Woche nicht in die von der Regierung und den Opelanern gewünschten Richtung bewegen.

Entscheide GM gegen die europäischen Arbeitnehmerinteressen, blieben der Belegschaft nur "Mittel des zivilen Widerstands", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Konkreter wollte er sich aber nicht äußern: "Ich will keine Situation beschwören, die ich nicht möchte." Huber forderte von der Bundesregierung eine Intervention in den USA: "Mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten kann nur Frau Merkel sprechen."

Obama gibt der Bundesregierung einen Korb

US-Präsident Barack Obama will sich indes trotz aller Appelle aus Berlin nicht in die Entscheidung über die Opel-Übernahme einschalten, wie sein Sprecher Bill Burton am Ferienort der Familie Obama auf der Insel Martha's Vineyard erläuterte. Obama sei der Ansicht, die Entscheidungen über das Schicksal von Opel müssten bei GM gefällt werden. Obama habe sich "niemals in die Angelegenheiten der Autobauer einmischen wollen", sagte Burton.

Diese müssten selbst wissen, wie sie die Krise überstünden. Die US-Regierung ist Mehrheitseigner bei GM. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Wochenende mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton über die Entscheidung zur Übernahme Opels gesprochen.

Quelle: AP/asl

 
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