Autobauer soll Insolvenz vorbereiten: GM ruft 1,5 Millionen Fahrzeuge zurück
zuletzt aktualisiert: 14.04.2009 - 07:32Bochum/Düsseldorf (RP). Neue Hiobsbotschaft für General Motors (GM): Der angeschlagene US-Autohersteller muss 1,5 Mio. Autos zurückrufen, die zwischen 1997 und 2003 hergestellt wurden. Die Internet-Ausgabe der "New York Times" berichtet unterdessen, die US-Regierung plane für GM eine Insolvenz und ansschließende Zerschlagung. Für Opelm schürt Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz dagegen Hoffnung.
Der Rückruf betrifft unter anderem Fahrzeuge, die nicht mehr produziert werden, darunter den Oldsmobile Intrigue der Baujahre 1998/99, den Pontiac Grand Prix und den Buick Regal aus den Jahren 1997 bis 2003 sowie 1998 bis 2003 gebaute Chevrolets Lumina, Monte Carlo und Impala. Bei diesen Fahrzeugen mit einem 3,8-Liter V6-Motor könnten nach Regierungsangaben Öltropfen ins Auspuffsystem gelangen und einen Brand auslösen. GM-Sprecher Kerry Christopher erklärte, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Die US-Regierung strebt unterdessen einen "schnellen chirurgischen Bankrott" an, wie die Onlineausgabe der "New York Times" schreibt. Das US-Finanzministerium verlangt, dass General Motors (GM) bis zum 1. Juni seine Vorbereitungen für einen Insolvenzantrag abgeschlossen hat.
Denn wenn sich der Autobauer bis dahin nicht mit seinen Anleihebesitzern über den Tausch von Schulden von etwa 28 Milliarden Dollar in Firmenanteile einigt und wichtige Fragen mit den Gewerkschaften klärt, muss GM einen Insolvenzantrag stellen. GM hat in den USA bereits 13,4 Milliarden Dollar an Staatshilfen erhalten und fordert jetzt weitere 16,6 Milliarden Dollar, um die Liquidität sicherstellen zu können.
In Deutschland geht die Suche nach einem Investor für Opel weiter. Der staatlich kontrollierte Investmentfonds Aabar aus Abu Dhabi hat nun wie erwartet abgewinkt. Der Vizepremier der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Hamdan, hatte zuvor gesagt, Fonds aus seinem Land hätten Interesse an einem Einstieg bei Opel.
Derweil streitet die Bundesregierung über einen möglichen Staatseinstieg. Während SPD-Chef Franz Müntefering sagte, der Staat könne sich auf lange Sicht einer direkten Beteiligung nicht verweigern, lehnt Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) dies erneut ab. Zumindest der Bund werde sich nicht direkt an Opel beteiligen, sagte de Maizière.
Müntefering sagte der "Bild am Sonntag", Kanzlerin Merkel (CDU) werde es nicht durchhalten, eine Staatsbeteiligung an Opel zu verweigern, wenn dies die einzige Möglichkeit zur Rettung sei. Dafür gehe es um zu viele Arbeitsplätze. Opel hat in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern 25 000 Beschäftigte.
EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla stellt Finanzhilfen für Opel-Mitarbeiter in Aussicht. Wenn es bei dem Autobauer zu Entlassungen komme, könne die Bundesregierung in Brüssel Gelder für Beschäftigungsprogramme beantragen, sagte Spidla. Er verfügt über einen jährlich mit 500 Millionen Euro dotierten Globalisierungsfonds.
Für Opel schürt Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz dagegen Hoffnungen auf einen Investor für den angeschlagenen Autobauer. "Ich bin zuversichtlich und sicher, dass ein Investor für Opel gefunden wird", sagte Franz der in Essen erscheinen "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe) laut einem Vorabbericht. Er erwarte Sondierungsgespräche in den kommenden Wochen. Es gebe Interessenten an Opel über den Finanzsektor hinaus, berichtete Franz.
Nach Informationen der Zeitung ist für Ende der Woche auch ein Gespräch auf hoher Beraterebene zwischen dem Scheichtum Abu Dhabi und der nordrhein-westfälischen Landesregierung geplant. Nach einem ersten Treffen von Scheich Hamdan und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) vor einigen Tagen seien die Kontakte weiter gepflegt worden, hieß es. Das Emirat Abu Dhabi hatte vor einer Woche erstmals öffentlich Interesse an Opel bekundet.
Zu den möglichen Auswirkungen auf Opel durch eine Insolvenz des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) sagte Franz: "Für uns gibt es keine negativen Auswirkungen, wenn es zu Chapter 11 kommt." Opel erhalte momentan ohnehin kein Geld von GM, sagte Franz, der zugleich betonte: "Opel ist liquide." Bei einem sogenannten Verfahren nach Chapter 11 in den USA müssten die Gläubiger stärker verzichten, als sie bislang angeboten haben.
Mit Blick auf eine mögliche Zerschlagung sagte Franz: "Opel gehört zum guten Teil von GM." Doch eigentlich passe der Autobauer nicht in das nun diskutierte Schema. "Opel landet in einem vollkommen neuen Topf - als eigenständiges Unternehmen in Europa, mit einem Investor und staatlichen Bürgschaften."
Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel forderte unterdessen die Bundesregierung auf, den Trennungsprozess von GM und Opel zu forcieren. "Opel darf nicht in den Strudel von GM gezogen werden", sagte Einenkel der Zeitung.
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