47.000 Stellen werden gestrichen: GM setzt auf deutsche Staatshilfen
zuletzt aktualisiert: 18.02.2009 - 07:27Washington (RPO). Die Zukunft für Opel ist auch nach der Vorlage eines Sanierungsplans bei der Konzernmutter General Motors ungewiss. Das Konzept mit dem geplanten Abbau von weltweit 47.000 Arbeitsplätzen nennt keine konkreten Folgen für die Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern. General Motors äußerte aber die Erwartung, dass es nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland staatliche Hilfen geben werde.
NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) spricht heute mit dem General-Motors-Chef Rick Wagoner in Detroit. Alles hänge jetzt von einem aussagekräftigen Sanierungsplan für GM und Opel ab, sagte Rüttgers in Washington, nachdem erste Einzelheiten der geplanten Umstrukturierung des GM-Konzerns bekanntgegeben worden waren.
Dem ARD-Morgenmagazin sagte Rüttgers: "Das ist eine Notsituation." Es gehe jetzt darum, zu "kämpfen, dass die Standorte in Europa erhalten bleiben". Er selbst wolle sich bei einem Treffen mit Wagoner zunächst um Klarheit für die Beschäftigten in Deutschland bemühen. Opel müsse zusammen mit General Motors ein Zukunftskonzept vorlegen. Erst danach könne die Frage beantwortet werden, wie die Hilfe der Regierung aussehen könne.
Opel wird in dem Sanierungskonzept mit der Bezeichnung "2009-2014 Restructuring Plan" nur einmal erwähnt: Mit einem Hinweis, dass mehr als zwei Drittel der potenziellen Opel-Käufer bei einer Insolvenz von General Motors ihre Kaufabsicht ändern würden.
Doppelstrategie gegen drohende Insolvenz
Den drohenden Bankrott will General Motors zum einen mit drastischen Kostensenkungen, zum anderen mit weiteren Milliardenkrediten vom Staat vermeiden. Von den geplanten Stellenkürzungen sind weltweit 47.000 Arbeiter oder 19 Prozent aller Beschäftigten betroffen - 10.000 Vollzeitarbeitskräfte und 37.000 Beschäftigte auf Stundenlohnbasis. Der Sanierungsplan sieht die Schließung von fünf weiteren Betrieben in den USA vor. In den USA soll die Zahl der Beschäftigten bis Ende 2012 von 92.000 auf 72.000 verringert werden.
Vorstandschef Rick Wagoner sagte am Dienstagabend vor Journalisten, der jetzige Sanierungsplan sei aggressiver als das im Dezember vorgelegte Programm, weil sich die Krise seitdem weiter beschleunigt habe. "Wir haben härtere Maßnahmen ergriffen, wir mussten das tun", sagte Wagoner.
Die Zahl der in den USA angebotenen Marken wird dem Sanierungsplan zufolge von acht auf vier halbiert. Übrig bleiben Chevrolet, Buick, Cadillac und GMC. Die Marke Hummer soll verkauft werden; eine Entscheidung wird bis Ende März erwartet. Die Marke Saturn soll bis Ende 2011 eingestellt werden. Für Pontiac und Saab werden die verfügbaren Optionen noch geprüft.
Beschleunigen will General Motors die Entwicklung von energieeffizienten Fahrzeugen mit Hybrid-Antrieb. Bis 2012 sollen 14, bis 2014 insgesamt 26 solcher Modelle angeboten werden.
Finanzierungsbedarf von 16,6 Milliarden angemeldet
Auch nach staatlichen Krediten über 13,4 Milliarden Dollar bleibt General Motors auf Unterstützung von Washington angewiesen. Ohne zusätzliche Mittel drohe im März die Zahlungsunfähigkeit, erklärte das Unternehmen. Insgesamt wurde ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf von 16,6 Milliarden angemeldet: 2 Milliarden im März, 2,6 Milliarden im April, einen zusätzlichen Kreditrahmen über 4,5 Milliarden Dollar wegen des Ausfalls privater Finanzierungsquellen und 7,5 Milliarden als potenzielle Kredite für den Fall einer weiteren Verschlechterung der Lage.
Außerdem rechnet General Motors mit staatlicher Unterstützung im Ausland. So stehe das Unternehmen mit den Regierungen in Deutschland, Kanada, Großbritannien, Schweden und Thailand im Gespräch. Dabei gehe es um eine Unterstützung von insgesamt bis zu sechs Milliarden Dollar mit dem Ziel, die Liquidität für die Unternehmungen im Ausland sicherzustellen.
Auch Chrysler legte am Dienstag einen Sanierungsplan vor, der allerdings nur die zusätzliche Streichung von 3.000 Stellen und einen weiteren staatlichen Finanzierungsbedarf von fünf Milliarden Dollar nennt. Der Autohersteller kündigte außerdem die Einstellung von drei Fahrzeugmodellen an.
Die drastischen Kostensenkungen sollen die Sanierung der Konzerne ermöglichen und diese in die Lage versetzen, die staatlichen Kredite zurückzuzahlen. Dies soll bei General Motors ab 2012 beginnen und bis 2017 abgeschlossen sein.
Gewerkschaftsfonds soll Altersversorgung übernehmen
Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) teilte mit, sie habe ein vorläufige Abkommen mit GM, Chrysler und Ford über die Änderung von Tarifverträgen erzielt. Die Verhandlungen über die Altersversorgung dauern weiter an. Geplant ist die Einrichtung eines Gewerkschaftlichfonds, der ab 2010 die Verpflichtungen der Automobilunternehmen in der Altersversorgung übernehmen soll.
Auch die Möglichkeit einer Insolvenz sei geprüft worden, erklärte General Motors. Vorstandsmitglied (COO) Fritz Henderson sagte, es seien drei Bankrott-Szenarios untersucht worden, die den Staat alle mit Kosten von mehr als 30 Milliarden Dollar belasten würden.
Die US-Regierung schloss allerdings eine Insolvenz der beiden Automobilkonzerne nicht aus, wie der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, mitteilte. Die Regierung werde zunächst die vorgelegten Sanierungspläne prüfen, sagte Gibbs. Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte in Washington, sie hoffe, mit der Vorlage der Sanierungspläne gebe es jetzt eine Grundlage für die Erneuerung der Branche. Der Kongress werde mit der Regierung eng zusammenarbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilhersteller wiederherzustellen, dabei aber die Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern nicht aus dem Auge zu verlieren.
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