Treuhand stimmt Verkauf zu: GM verkauft Opel an Magna
zuletzt aktualisiert: 10.09.2009 - 17:33Frankfurt (RPO). General Motors (GM) will Opel an Magna verkaufen. Der GM-Verwaltungsrat habe dies der Bundesregierung mitgeteilt, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Berlin. "Ich freue mich außerordentlich", fügte die Kanzlerin hinzu. Für den späten Nachmittag ist eine Pressekonferenz angesetzt.
Merkel lobte in einem kurzen Statement die Beständigkeit, Geduld und Handlungsfähigkeit der Bundesregierung im Fall Opel. Die frühe Festlegung auf den Investor Magna sei richtig gewesen. Nun liege eine schwierige Aufgabe vor Opel und seinen Mitarbeitern. Die Gespräche mit den anderen europäischen Partnern würden in Kürze beginnen. Deutschland sei sich seiner Verantwortung gegenüber den Opelstandorten im benachbarten Ausland bewußt.
Wieviel Prozent wird Magna von Opel übernehmen? GM will 55 Prozent der Opel-Anteile an das Konsortium aus dem kanadischen Zulieferer Magna und der russischen Sberbank abgeben. Weitere zehn Prozent an Opel sollen die Mitarbeiter erhalten, wie aus einer am Donnerstag in Zürich veröffentlichten Mitteilung von General Motors Europa hervorging. Die restlichen 35 Prozent am neuen Konzern "New Opel" will GM selbst behalten.
Welche Bedingungen stellt GM für den endgültigen Abschluss?
Nach Angaben von GM Europe müssen vor dem endgültigen Abschluss des Deals "noch einige wichtige Punkte abschließend geklärt werden". Dabei gehe es um eine "schriftliche Bestätigung der Arbeitnehmervertretungen, die Vereinbarung mit den notwendigen Kostenanpassungen zu unterstützen", sowie um den Abschluss eines "definitiven Finanzierungspakets der Regierungen von Bund und Ländern". Die endgültigen Vereinbarungen sollten innerhalb der nächsten Wochen unterschriftsreif sein, erklärt GM.
Treuhand stimmt Verkauf zu
Die Opel-Treuhandgesellschaft hat den Verkauf von Opel an die Magna-Gruppe genehmigt. Das teilte der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin, am Donnerstag in Berlin mit. Bedingung der Treuhand, deren Beirat paritätisch mit Vertretern von Bund und Ländern einerseits und General Motors andererseits besetzt ist, sei, dass das Geld des deutschen Steuerzahlers nur für "New Opel" eingesetzt werde und dass Russland-Investitionen durch andere Quellen gespeist würden.
Außerdem solle die Bundesregierung die Ausgabe öffentlicher Mittel überwachen, sagte Irwin. Der Vorsitzende betonte, dass die Treuhand ihre Opel-Anteile erst nach Vertragsabschluss zwischen GM und Magna übertragen werde.
"Das bedeutet nicht, dass Adam Opel gerettet ist", sagte Irwin. "Man muss noch viel arbeiten." Nachhaltigkeit müsse höchste Priorität haben, und auf allen Seiten sei auch künftig viel Flexibilität gefragt.
Experten: "langfristig tragfähiges Konzept"
Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hat die angekündigte Übernahme der Mehrheit an Opel durch den kanadischen Autozulieferer Magna als "langfristig tragfähiges Konzept" begrüßt. "Das ist eine große Entscheidung, wenn sie wirklich so umgesetzt wird", sagte der Professor und Leiter des Forschungszentrums CAR an der Uni Duisburg-Essen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag.
"Man kann nur allen gratulieren", sagte Dudenhöffer. Der Weg in die Zukunft für Opel und auch für General Motors sei damit vorgezeichnet. Dass der Plan noch an von GM gestellten Bedingungen scheitern könnte, nannte der Experte unwahrscheinlich. "Man kann sich das nicht vorstellen", sagte er und verwies auf die deutlichen Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die davon gesprochen hatte, dass die nicht näher bezeichneten Bedingungen "beherrschbare und verhandelbare Dinge" seien.
GM-Bedingungen noch offen
General Motors hatte nach einer Verwaltungsratssitzung grundsätzlich grünes Licht für den Verkauf der angeschlagenen Tochter Opel an den Investor Magna gegeben. Für den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna hatten sich sowohl Bundesregierung als auch Arbeitnehmervertreter stark gemacht. Die Genehmigung sei aber an Bedingungen geknüpft, hieß es. Welche das sind, blieb zunächst offen.
Letztlich hätten bei GM "finanzielle Gründe" den Ausschlag für den Verkauf an Magna gegeben, zitierte die "Leipziger Volkszeitung" aus Regierungskreisen. Die nötigen Kosten für einen Verbleib von Opel unter dem Dach von GM sowie die anstehenden Rückabwicklungskosten für die bereits geflossenen Finanzhilfen Deutschlands hätten das dem US-Autobauer zur Verfügung stehende Budget "überstiegen". Dies wurde den verantwortlichen deutschen Politikern dem Bericht zufolge aus Kreisen des GM-Verwaltungsrates mitgeteilt.
Monatelanger Nervenkrieg
Die Entscheidung fiel nach einem monatelangen Nervenkrieg bei einer Sitzung des Verwaltungsrates von General Motors (GM) in der Nacht zum Donnerstag. Vom Tisch sind damit offenbar vorerst Modelle, die Mehrheit an Opel an den belgischen Investor RHJI zu geben, Opel im GM-Konzern zu behalten oder in die Insolvenz zu schicken.
Die Bundesregierung hatte sich stets für Magna ausgesprochen, ebenso wie der Betriebsrat von Opel, der vehement gegen ein Verbleiben des europäischen Autobauers im US-Konzern plädiert hatte. Magna hatte in Aussicht gestellt, alle deutschen Standorte zu erhalten. In Deutschland hat der Autobauer rund 25.000 Beschäftigte.
Treuhand bestätigt Entscheidung für Investor
Die Opel-Treuhandgesellschaft bestätigte in einer Einladung zu einer Pressekonferenz am Nachmittag in Berlin, dass es eine Entscheidung über einen Investor gibt: Auf der Pressekonferenz solle "die Entscheidung über einen Investor für die Übernahme eines Mehrheitsanteil an Opel/Vauxhall" verkündet werden. Teilnehmen sollen der Vorsitzende des Beirates der Opel-Treuhandgesellschaft, Fred Irwin, und General-Motors-Verhandlungsführer John Smith. Auch GM will um 17.15 Uhr eine Telefon-Pressekonferenz abhalten.
GM-Chef Fritz Henderson wollte Kanzlerin Angela Merkel nach Informationen von "Spiegel Online" im Laufe des Donnerstags informieren. Er wolle sie selbst telefonisch kontaktieren. GM und Opel erklärten zunächst lediglich, sollte es etwas mitzuteilen geben, werde dies rechtzeitig geschehen.
Zuvor hatte es in mehreren Medienberichten geheißen, GM wolle Opel doch selbst behalten und sanieren. Die Arbeitnehmervertreter hatten daraufhin massive Proteste angekündigt.
Kredite hätten zurückgezahlt werden müssen
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte GM in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gedroht, die bislang gewährten 1,5 Milliarden Euro Überbrückungshilfe müssten bei einem Verbleib Opels unter dem Dach des US-Konzerns zurückgezahlt werden. Außerdem könne es die zweite Tranche, die zusätzlichen 3 Milliarden Euro Bürgschaft, nicht für einen Schließungsplan in Deutschland geben.
Auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier forderte am Mittwochabend in Wiesbaden den Erhalt aller deutschen Werke. Es werde kein öffentliches Geld für ein Sanierungskonzept geben.
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