kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Panorama Griechenland Finanzkrise
  Foto: AFP, AFP
Kommentare ()

Athen bekommt weitere Milliarden: Griechenland geht am Stock

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 12:29

Düsseldorf (RPO). In den kommenden Tagen bekommt das hochverschuldete Griechenland die nächste Milliardenhilfe. Ja, es gibt sie noch, die europäische Schuldenkrise. Während heute die EU-Finanzminister die nationalen Haushalte einem Kontrollmechanismus unterwerfen, ächzen die Griechen unter den knüppelharten Sparauflagen. Wirtschaftsdaten zeigen: Das ist erst der Anfang.

Die Griechen und ihre Regierung haben sich Respekt erworben. Im Mai hatte sie die 20-Milliarden-Hilfe der EU-Partner und des Internationalen Währungsfonds vor dem Staatsbankrott gewahrt. Die Regierung von Ministerpräsident Georgios Papandreou war gerade noch einmal von der Klinge gesprungen, musste dafür aber auf Druck der Helfer ein umfassendes Sanierungsprogramm auf den Weg bringen. Damals unkten die Experten. Viele trauten dem Land, in dem traditionell Vetternwirtschaft, hohe Staatsausgaben und Korruption das Klima bestimmten, eine solche 180-Grad-Kehre nicht zu.

Doch die Hellenen haben alle Erwartungen erfüllt, wenn nicht gar übertroffen. Die Märkte haben sich beruhigt, der Euro-Kurs stieg wieder noch oben. Die Prüfer des IWF waren im August voll des Lobes für die ambitionierten Schritte, die die griechische Regierung in Angriff genommen hatte. Dazu zählten eine grundlegenden Reform des Arbeitsrechts mit einem gelockerten Kündigungsschutz sowie eine Rentenreform, die es ebenso in sich hat: Die Griechen sollen länger arbeiten und bekommen weniger Rente. Zudem wurden Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst Gehaltskürzungen von bis zu 25 Prozent verpasst, die Steuern wurden angehoben.

Düstere Aussichten

Das, was sonst über Jahrzehnte nicht lösbar war, paukte die Regierung Papandreou innerhalb weniger Tage durch. Zwar sind die Widerstände so groß wie das Unbehagen in der Bevölkerung, doch kann Papandreou stets auf die Auflagen der Helfer verweisen. Denn ohne die hätte es die Zusage für Hilfen in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro nicht gegeben und Griechenland wäre bankrott.

EU, Europäische Zentralbank und IWF lobten Athen nach ihrer Inspektionsreise im August für den beachtlichen Start. Die Voraussetzungen für einen Neustart schienen geschaffen. Das Staatsdefizit sank um beachtliche 40 Prozent. Dennoch ist die Freude über die Erfolge verflogen. Am Horizont ballt sich schon seit Wochen zunehmend etwas Düsteres zusammen.

Jeder dritte Jugendliche hat keine Arbeit

Die griechische Wirtschaft lahmt. Sie droht am Sparkurs zugrunde zu gehen. Das ist mittlerweile auch auf den Straßen in den Städten unübersehbar. Etliche Geschäfte haben geschlossen, leere Schaufenster gähnen in die Einkaufszonen. Jedes fünfte Einzelhandelsgeschäft hat aufgegeben. Die Wirtschaft erlebt eine heftige Rezession. In diesem Jahr schrumpfte sie bisher um vier Prozent, Tendenz fallend.

Hinzu kommt die grassierende Arbeitslosigkeit. Sie beträgt zwölf Prozent – im Vergleich zum Vorjahr fast eine Steigerung von 50 Prozent. Vor allem junge Leute sind betroffen. Jeder dritte Jugendliche hat keinen Job. Jeder Familie ist direkt oder indirekt jemand betroffen. Die Stimmung ist von Perspektivlosigkeit geprägt und gleicht einer Depression.

Staatseinnahmen geringer als erhofft

Die Flaute ist auch einer der Gründe, warum die staatlichen Einnahmen weit hinter den Erwartungen zurück. Der Fiskus verzeichnete lediglich ein Plus von knapp über drei Prozent. In den Kalkulationen für 2010 war ein weitaus höherer Wert von zehn Prozent vorgegeben.

Die Perspektiven sind schlecht. Die griechische Wirtschaft soll durch das Sanierungsprogramm auf internationale Wettbewerbsfähigkeit getrimmt werden. Doch die Radikalkur hinterlässt nahezu eine Wüste. Die meisten Unternehmen sind kleiner oder mittlerer Größe. Größere Zweige wie die Schifffahrt, die Agrarindustrie oder der Tourismus liegen am Boden.

Massive Kritik an der Spar-Schraube

Mittlerweile wird daher Kritik an den Sparvorgaben laut. „Griechenland spart sich kaputt“, urteilte Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) im Gespräch mit Focus-Online. Wegen der strengen Sparauflagen habe die Regierung keine Möglichkeit gegenzusteuern. "Das könnte dazu führen, dass aus der Rezession eine Depression wird. Dann wird es noch schwieriger, die Schulden abzubauen", sagte er weiter.

Im Hintergrund bleibt die gigantische Staatsverschuldung. Die Radikalreform bleibt ein Balanceakt. Die Schuldenkrise ist für die Griechen noch längst nicht ausgestanden. Denn ohne Wachstum kommen sie auch von den Schulden nicht herunter. Ab 2013 muss das Land mit der Tilgung der Hilfskredite beginnen. 

Beschluss in Brüssel

Der nächste Milliardenspritze soll noch im September erfolgen. EU, IWF und EZB haben neun Milliarden Euro zugesagt. An diesem Dienstag sollen die Finanzminister den Beschluss dazu treffen. Bei ihrem Treffen haben sie zudem einen Kontrollmechanismus für die Zukunft auf den Weg gebracht, der die EU-Staaten davor schützen soll, erneut mit schludrig geführten Haushalten die Stabilität der gesamten EU zu gefährden.

Die 27 Ressortchefs einigten sich am Dienstag auf ein sogenanntes Europäisches Semester, wie Diplomaten mitteilten. Danach muss ab 2011 jeder Mitgliedsstaat seine Haushaltspläne zu Beginn jedes Jahres vorab zur Kontrolle in Brüssel vorlegen.


 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Solaranlagen schaffen Leistung von 20 AKWs

Sonniges Pfingstwetter sorgt für Strom-Rekord

Solaranlagen schaffen Leistung von 20 AKWs

Das sommerliche Wetter hat Deutschland zu Pfingsten eine neue Spitzenleistung bei der Produktion von Sonnenstrom beschert. Eigentlich eine g ... mehr 

Berlin bereitet Wachstumspakt vor

Sechs-Punkte-Plan gegen die Krise

Berlin bereitet Wachstumspakt vor

Die Bundesregierung will im EU-Rat angeblich Sonderwirtschaftszonen in den Euro-Krisenländern vorschlagen. mehr 

Mehr Wirtschaft
Aus der Region

Sonniges Pfingstwetter sorgt für Strom-Rekord

Solaranlagen schaffen Leistung von 20 AKWs

Sechs-Punkte-Plan gegen die Krise

Berlin bereitet Wachstumspakt vor

Euro-Krise verschärft sich

Spaniens Banken brauchen noch mehr Geld

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Top-Services
 
Anzeige:
Weitere Videos unter www.nrw-business.tv
Politik-Nachrichten

Nummer Drei auf Liste der "Nazi-Jäger"

NS-Kriegsverbrecher Klaas Carel Faber tot

Der niederländische NS-Kriegsverbrecher Klaas Carel Faber ist tot. Bis zuletzt lebte er unbehelligt im bayerischen Ingolstadt - geschützt von einem "Führererlass" Hitlers. Damit endet ein jahrzehntelanger Streit um seine Auslieferung. mehr

 

Arbeiten sollen im Jahr 2013 beginnen

Iran will zweites Atomkraftwerk bauen

Der Iran will ein zweites Atomkraft bauen. Wie das Staatsfernsehen am Sonntag unter Berufung auf Atomprogramm-Chef Fereidun Abbassi Dawani berichtete, sollen die Bauarbeiten im kommenden Jahr im südlichen Buschehr beginnen, wo seit Herbst 2011 ... mehr

 

Neuer Umweltminister Peter Altmaier

"Kernenergie in Deutschland ist Geschichte"

 

Möglicher SPD-Kandidat geht in die Offensive

Steinbrück: "Es wird einsam um Merkel"

 

Angriff auf syrische Stadt

Entsetzen über Massaker an Kindern

 

Genossen holen im Umfrage auf

SPD noch zwei Prozentpunkte hinter Union

 
 

Assads Macht gerät ins Wanken

Scheichs rüsten Syriens Rebellen auf

Strom-Rechner

kWh
vergleichen