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Düsseldorf
Grauer Montag an den Börsen

Griechenland-Krise: Grauer Montag an den Börsen
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Düsseldorf. Die Kurse fallen, aber der Crash bleibt aus. So hat allerdings der Absturz nach der Lehman-Pleite 2008 auch angefangen. Von Antje Höning

Der befürchtete schwarze Montag blieb aus: Die Zuspitzung der Griechenland-Krise hat die Aktienkurse gestern zwar weltweit auf Talfahrt geschickt. Der deutsche Leitindex Dax rutschte kurz nach Handelsstart um 4,6 Prozent und fiel unter 11 000 Punkte. Das war der größte Kurssturz seit dreieinhalb Jahren. Im Laufe des Tages holte er dann einen Teil der Verluste wieder auf und ging mit einem Minus von 3,6 Prozent aus dem Handel. Auch der Euro fiel nur kurzzeitig und wurde dann bei 1,11 Dollar gehandelt.

Das sei absolut kein Crash, sagt Holger Fahrinkrug von Meriten Investment. Einen Crash zeichnen Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste aus. So wie am "Schwarzen Freitag" im Oktober 1929, als die Spekulationsblase platzte, der Börsenhandel zusammenbrach und die Weltwirtschaftskrise ihren Lauf nahm. Vom Crash sprachen Historiker auch im Oktober 1997, als der Dax im Sog der Asienkrise um 13 Prozent einbrach.

Jetzt also alles nur halb so schlimm? Das kommt darauf an, wie es weitergeht. Auch am Montag nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 war der Dax zunächst nur um 2,7 Prozent gefallen. Doch als klar wurde, welche Kettenreaktion dies auslöste, ging es an der Börsen wochenlang weiter bergab. Am Ende hatte der Dax ein Drittel seines Werts eingebüßt, die Weltwirtschaft stürzte in eine tiefe Rezession. Selbst nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war der Dax zunächst nur um neun Prozent gefallen - und auch dann folgte eine lang anhaltende Talfahrt.

Der erste Tag der Bankenschließung in Griechenland FOTO: ap

Wohin geht die Reise jetzt? "Ein Rückgang des Dax auf 10 500 Punkte ist jetzt wahrscheinlicher geworden. Sollte Griechenland am Ende aus dem Euro austreten, ist auch ein Rückgang auf 10 000 Punkte möglich", sagt Ralf Zimmermann, Analyst vom Bankhaus Lampe..

Was sollen Anleger tun? Eine alte Börsenweisheit lautet: Kauf, wenn die Kanonen donnern. Das können durchaus auch die diplomatischen Kanonen sein. Die Analysten raten den Anlegern, Ruhe zu bewahren, jetzt nicht aus Aktien auszusteigen und vielleicht sogar die Gelegenheit für Zukäufe zu nutzen. "Die Bewertungen europäischer Aktien sind fundamental attraktiv, wir gehen selbst im schlimmsten Fall eines ,Grexits' davon aus, dass die Auswirkungen auf den Rest der Euro-Zone beherrschbar bleiben", sagt Fahrinkrug. Jetzt sei eine gute Gelegenheit, in deutsche und europäische Pharma-, Immobilien- oder Nahrungsmittel-Aktien zu investieren, meint Zimmermann. Diese Papiere gelten als defensiv, das heißt, sie sind wenig konjunkturanfällig. Immobilienaktien profitierten zudem weiter von den niedrigen Zinsen. Die üblichen Vorbehalte gelten weiter: nicht auf Pump oder mit Geld investieren, das man morgen schon wieder brauchen könnte.

Das sind die Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland

Einen Bogen sollte man dagegen um Bank-Aktien machen, so Zimmermann. In Deutschland zählten sie schon gestern zu den größten Verlierern. Die Papiere der Deutschen Bank verloren zeitweise 5,9 Prozent. Wer in den Finanzsektor investieren will, sollte eher auf Versicherungen setzen. Banken könnte eine Staatspleite oder ein "Grexit" treffen, auch wenn sie kaum noch in Griechenland engagiert sind. Ende 2014 hatten die Banken noch 2,4 Milliarden Euro Kredite an griechische Unternehmen in den Büchern stehen. Griechische Staatsanleihen halten sie seit dem Schuldenschnitt 2012 kaum noch. Die Frage ist, welche Verwerfungen sich indirekt ergeben. Gestern stoppten viele deutsche Banken ihre Zahlungsabwicklung über griechische Institute. Allen ist nur zu gut der Fall der deutschen Förderbank KfW in Erinnerung. Die hatte 2008 am Vorabend der Lehman-Pleite noch 360 Millionen Euro an die Bank überwiesen, die dann im Strudel der Insolvenz verschwanden. "Deutschlands dümmste Bank" hatte die "Bild"-Zeitung damals getitelt.

Auch am Anleihe-Markt blieb ein Crash aus. Zwar verkauften Investoren griechische Anleihen, der Zins für zweijährige Papiere verdoppelte sich auf 37 Prozent. Auch Spanien und Italien mussten mehr zahlen. Die Zinsen zehnjähriger Anleihen stiegen auf 2,4 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise 2012 lagen sie aber dreimal so hoch.

Pressestimmen: "Die Hoffnung auf ein Aufwachen in Athen waren ohne Substanz" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Besorgt zeigte sich die Ratingagentur Standard & Poor's. Sie senkte die Note für die Kreditwürdigkeit auf "CCC-". Das bedeutet, dass sie die Wahrscheinlichkeit für einen Grexit nun bei 50 Prozent sieht.

Quelle: RP
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