Fusion Barclays und ABN Amro: Größte Übernahme der Bank-Branche
zuletzt aktualisiert: 23.04.2007 - 14:21Amsterdam (RPO). Eine Fusion von besonderer Größe in der europäischen Bankenbranche ist besiegelt. Für 67 Milliarden Euro übernimmt die britische Bank Barclays PLC den niederländischen Konkurrenten ABN Amro. Dabei handelt es sich um die größte Übernahme in der Branchen-Geschichte und dürfte die Position der deutschen Institute international weiter schwächen.
"Die deutschen Banken werden immer mehr zu Übernahmekandidaten und sind selber leider wenig aktiv", sagte der Banken- und Börsenexperte Wolfgang Gerke.
Die neue Bank mit 47 Millionen Kunden weltweit soll den Namen Barclays PLC tragen und ihren Sitz in Amsterdam haben. Rund 12.800 Jobs von insgesamt 217.000 sollen im Zuge des Zusammenschlusses gestrichen, weitere 10.800 Stellen voraussichtlich ausgelagert werden. Die Institute rechnen bis 2010 mit jährlichen Kosteneinsparungen von 3,5 Milliarden Euro.
Der neue Chef des weltweit dann fünftgrößten Instituts, Barclays Vorstandsvorsitzender John Varley, sprach vom "größten Zusammenschluss in der Finanzindustrie" mit der Hoffnung auf Wachstumsraten, die doppelt so stark ausfallen würden wie die des weltweiten Bruttoinlandsproduktes. "Dies ist erst der Anfang und nicht das Ende", sagte Varley. Es solle ein weltweit wettbewerbsfähiger Finanzkonzern entstehen.
Die Fusion soll im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden, erklärten die Banken. Barclays bietet 36,25 Euro pro ABN-Aktie. Trotz der Zustimmung zu der Übernahme kündigte ABN Amro an, weitere Gespräche mit dem Konsortium aus Royal Bank of Scotland, der spanischen Banco Santander sowie der britisch-niederländischen Fortis zu führen. ABN Amro steht seit Februar im Mittelpunkt einer Übernahmeschlacht. Die größte niederländische Bank hatte bis vergangenen Freitag exklusive Verhandlungen mit Barclays, der drittgrößten britischen Geschäftsbank geführt.
Sowohl ABN als auch Barclays betonten, sie würden den Zusammenschluss ihren Aktionären zur Annahme empfehlen. Die Niederländer planen noch für diese Woche eine Hauptversammlung. Laut Varley haben die ABN-Anteilseigner die Wahl zwischen der Schaffung einer Großbank durch die Annahme des Barclays Angebots oder einer Zerschlagung des niederländischen Instituts bei einer Annahme der Konkurrenz-Offerte. Nicht äußern wollten sich Varley und ABN-Chef Bob Diamond zu der Frage, was passieren würde, wenn das Konsortium ein höheres Angebot unterbreiten würde als Barclays.
ABN Amro kündigte zugleich den Verkauf ihres US-Ablegers LaSalle Bank an die Bank of America für 21 Milliarden Dollar (15,45 Milliarden Euro) in bar an.
2005 letzte Großfusion unter deutscher Beteiligung
Die letzte transnationale Großfusion europäischer Banken unter deutscher Beteiligung war die Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische Unicredit im Jahr 2005. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte für sein Haus erst kürzlich einen Zusammenschluss mit einer anderen europäischen Großbank ausgeschlossen. Für ihn komme eine Fusion mit einer europäischen Großbank nicht in Frage, da mögliche Partner zu einem Umzug nach Deutschland nicht bereit seien. "Für uns ist dann damit das Gespräch beendet", sagte Ackermann. Falls die Aktionärsmehrheit der Meinung sein sollte, dass es nicht mehr sinnvoll sei, die Bank von Deutschland aus zu führen, müsse sich das Management jedoch der Diskussion stellen.
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