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Prosiebensat.1: Guillaume de Posch tritt zurück

zuletzt aktualisiert: 17.06.2008 - 16:35

München (RPO). Der Vorstandschef von Prosiebensat.1 räumt nach vier Jahren an der Spitze des Medienkonzerns seinen Chefsessel. Er legt zum Jahresende sein Amt nieder. Darauf hätten sich der Aufsichtsrat und der TV-Manager "einvernehmlich verständigt", teilte der Konzern mit.

Guillaume de Posch während einer Hauptversammlung des Konzerns  Foto: AP, AP
Guillaume de Posch während einer Hauptversammlung des Konzerns Foto: AP, AP

Genaue Angaben zu seinem Ausscheiden machte de Posch nicht. Er war 2003 kurz nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe vom neuen ProSiebenSat.1-Eigentümer Haim Saban von einem französischen Pay-TV-Sender in den Vorstand und 2004 zum Vorstandschef berufen worden.

In diesen fünf Jahren "haben wir es geschafft, das Unternehmen auf eine solide Basis zu stellen und seine Entwicklung zu einem bedeutenden europäischen Medienkonzern mit Sitz in München voranzutreiben", sagte Posch. "Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine neue Herausforderung zu suchen." ProSiebenSat.1 sei in einer optimalen Ausgangslage für "die nächste Phase seiner spannenden Entwicklung".

Ein Nachfolger steht noch nicht fest. "Wir werden nun eine fokussierte Suche nach einem Nachfolger einleiten", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Götz Mäuser. Außerdem sagte er, Posch habe das Unternehmen nach der Kirch-Insolvenz zur größten integrierten Sendergruppe in Europa gemacht und weiter: "Wir haben Guillaumes Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen."

Gleichzeitig teilte das Unternehmen allerdings mit, Andreas Bartl werde mit sofortiger Wirkung in den Vorstand zu berufen. Unter Bartls Führung entstanden beim Sender Prosieben unter anderem Formate wie "Germany's Next Topmodel" oder "Schlag den Raab".

Zahlen des ersten Quartals "grottenschlecht"

Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte AP: "Die Zahlen des ersten Quartals waren so grottenschlecht, da überrascht es nicht, dass Köpfe rollen." Der Nachfolger werde aber mit den selben Problemen zu kämpfen haben: Die Geschäfte liefen mäßig, ProSiebenSat.1 sei mit Schulden überladen. "Hauptproblem ist aber das Ausplündern des Unternehmens durch die Großaktionäre", sagte Schneider.

Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, Poschs Abgang nach dem Ausscheiden von Finanzvorstand Lothar Lanz "spricht dafür, dass es Krach gegeben hat". Das hoch verschuldete Unternehmen müsse die 2007 übernommene europäische Sendergruppe SBS integrieren und sich neu positionieren. "Das ist keine Situation, wo man den Verlust eines Vorstandsvorsitzenden und eines Finanzvorstands so einfach verkraften kann." Die Verunsicherung sei gewachsen.

 


 
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