Trotz bewilligtem Notkredit: Guttenberg: Quelle mitnichten gerettet
zuletzt aktualisiert: 30.06.2009 - 09:48Berlin (RPO). Die Quelle-Beschäftigten sind erleichtert. Nach langem politischen Feilschen haben Bund und Länder einen Notkredit in Höhe von 50 Millionen Euro an das Versandhaus bewilligt. Doch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dämpft die Freude. Das Schicksal des Unternehmens stehe weiter auf Messers Schneide.
"Quelle ist mitnichten, wie einige sagen, jetzt gerettet", sagte der CSU-Politiker am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. "Quelle hat eine Chance bekommen, eine faire Chance, die bis 31. 12. reicht. Aber ein solcher Kredit kann auch dazu dienen, dass eine geordnete Insolvenz inklusive Abwicklung stattfinden kann."
Guttenberg verteidigte das lange Zögern der Bundesregierung, den Massekredit für Quelle zu genehmigen. Entscheidend sei, dass das Geld der Steuerzahler wieder zurückfließen könne. "Deshalb war ich so hartnäckig bis zum Schluss", sagte der CSU-Politiker. "Wir haben erst gestern die letzten Zusagen bekommen. Und manchen die sagen, es müsste schneller gehen, kann ich nur sagen: Man muss seine Hausaufgaben erst mal machen."
Er demonstrierte auch ausdrücklich den Schulterschluss mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der aus Bayern heftig attackiert worden war. Guttenberg sprach von dem "sehr vernünftig mit mir vorgehenden Kollegen Steinbrück". Er kritisierte, dass einige den Kredit bereits vor zwei Wochen oder vergangene Woche hätten zusagen wollen. Gemeint war offenbar der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der die Zusage seit vergangener Woche massiven Druck für die Bewilligung des Kredits aufgebaut hatte.
Guttenberg will stur bleiben
"Die Hartnäckigkeit werde ich mir weiterhin erlauben, unabhängig davon, ob es sich um ein fränkisches oder bayerisches Unternehmen handelt", sagte Guttenberg. "Das hat bei manchem Ärger ausgelöst, aber das ist mir, das muss mir im Sinne des Steuerzahlers egal sein."
Der interministerielle Bürgschaftsausschuss hatte dem Unternehmen am späten Montagabend in Berlin den gewünschten Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro zugestanden. Die Einigung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die EU-Kommission. Mit dieser wird am Dienstag gerechnet. Die Kommission wolle "so schnell wie möglich" entscheiden.
Zeitung: massive Umsatzeinbrüche
"Unsere Mitarbeiter und unsere Kunden haben bis zuletzt auf eine faire Chance gehofft und sie nun erhalten", erklärte Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers. Man werde alles tun, was im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens in der Macht der Verantwortlichen stehe, um diese jetzt eröffnete Chance zu nutzen und das Quelle-Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln. Hilbers appellierte an die Kunden, Quelle weiterhin treu zu bleiben.
Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet derweil von massiven Umsatzeinbrüchen bei Quelle. "Anfangs gab es durch die Insolvenz keine Auswirkungen auf das Bestellverhalten. Nach den vielen Schlagzeilen der vergangenen Tage geht das Volumen nun aber deutlich zurück", sagte ein Quelle-Sprecher der Zeitung. Gerade das Versand- und Online-Geschäft lebe von Vertrauen. Aktuell aber schüre die Politik bei den Kunden große Unsicherheit, sagte der Sprecher weiter.
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