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"2004 wird besser, ohne wirklich gut zu sein": Handel geht mit Wachstumshoffnung ins neue Jahr

zuletzt aktualisiert: 22.12.2003 - 09:27

Frankfurt/Main (rpo). Handel und Industrie schöpfen wieder Hoffnung: Nach mageren Jahren mit Umsatzrückgängen und Stellenabbau soll es 2004 in den meisten Branchen endlich wieder aufwärts gehen.

Einen Boom erwarten allerdings weder Auto-, Chemie- und Elektroindustrie noch der Maschinenbau oder gar der Einzelhandel und der Bau, wie eine AP-Umfrage ergab. Denn nicht zuletzt der Euro-Höhenflug bedeutet zumindest für exportierte Unternehmen ein Risiko.

"Das Jahr 2004 wird besser, ohne schon wirklich gut zu sein", sagt der Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie, Bernd Gottschalk. Die Branche erwarte einen Anstieg der Pkw-Neuzulassungen um gut 3 Prozent auf 3,35 Millionen Fahrzeuge. Auch beim Export und beim Umsatz sieht die deutsche Autoindustrie ein Plus. "In der Produktion werden wir, wenn nichts dazwischen kommt, zum siebten Mal in Folge die 5-Millionen-Marke erreichen", erklärt Gottschalk weiter.

Hauptstütze des Geschäfts bleibt der Export. Das Jahr 2003 war nach Worten Gottschalks ein "nicht ganz leichtes Autojahr". Doch habe die Branche das selbstgesteckte Ziel von 3,25 Millionen neu zugelassenen Pkw im Inland fast genau erreicht. Zudem seien 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Insgesamt beschäftigt die Autoindustrie derzeit 777.000 Mitarbeiter.

"Wir gehen mit Wachstumshoffnung ins kommende Jahr", heißt es beim Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie. Nach drei Jahren des Umsatzrückgangs wird für 2004 ein leichtes Plus von 1 bis 2 Prozent erwartet. Dabei dürfte der Impuls weniger aus dem Inland als aus dem Ausland kommen. Und genau dort liegt auch das Risiko. "Wenn der Euro weiter schnell steigen sollte, wird das sicher negative Auswirkungen haben", meint der Leiter Konjunktur und Statistik beim ZVEI, Ulrich Scheinost. Für manche Unternehmen sei schon ein Eurokurs von 1,15 Dollar schmerzhaft gewesen.

Maschinenbau sieht keinen Anlass zur Euphorie

Auch für den viertgrößte deutsche Industriezweig, die exportorientierte Chemieindustrie, könnte ein weiterer Anstieg des Euro-Kurses im kommenden Jahr die Hoffnung auf ein Umsatzplus von 1,5 Prozent beeinträchtigen. Vergleichsweise gut schlug sich die Branche in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent.

Die Maschinenbauer sehen zwar für das kommende Jahr "keinen Anlass zu überschäumender Freude". Die konjunkturelle Wende im Ausland habe die Branche aber bereits erreicht und im Inland werde sie erwartet, berichtet der Chefvolkswirt des Verbandes der Maschinenbauer, Ralph Wiechers. Nach zweijährigem Rückgang, soll die Produktion im kommenden Jahr erstmals wieder um 2 Prozent zulegen.

Belastend wirkt sich allerdings auch hier der starker Euro aus, die Impulse aus dem Export würden nur gedämpft ankommen. Zugleich verweist Wiechers auf die boomenden Märkte Osteuropa und China, die in der Vergangenheit für viele Firmen ein stärkeres Abrutschen verhindert hätten.

Der Einzelhandel hofft nach einem Umsatzminus von 1 Prozent in diesem Jahr für 2004 immerhin auf ein leichtes Plus von 0,5 bis 1 Prozent. Allerdings: "Von Entspannung im nächsten Jahr, kann keine Rede sein. Der Einzelhandel steht am Ende eines sehr schwierigen Jahres und am Beginn eines schwierigen Jahres", sagt der Sprecher des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Der Druck auf die Preise werde anhalten. Aber der "Konsum profitiert auch von einer halben Steuerreform", meint Pellengahr. Der Stellenabbau in der Branche soll sich verlangsamen. In diesem Jahr sank die Zahl der Mitarbeiter um etwa 30.000 auf rund 2,5 Millionen.

Bauindustrie hofft auf Stabilisierung

Die seit Jahren von der Flaute gebeutelte Bauindustrie, die in den ersten neun Monaten 2003 beim Umsatz ein deutliches Minus von 6,7 und beim Auftragseingang von 11,4 Prozent verzeichnete, hofft im nächsten Jahr wenigsten auf eine Stabilisierung. Positive Zahlen werden allerdings nicht erwartet, sondern ein Umsatzminus von 1-2 Prozent.

Allerdings: "Wenn alle angekündigten Haushaltseinsparungen eingehalten werden, dann werden wir unsere Prognose nicht halten können und dann stellt sich die Frage, ob die Talsohle nächstes Jahr tatsächlich erreicht wird", sagt der Pressesprecher des Bauindustrieverbandes, Heiko Stiepelmann. Die Bauindustrie, die Mitte der 90er Jahre noch 1,4 Millionen Menschen beschäftigte, hofft nach einem geschätzten Rückgang der Mitarbeiterzahl um 70.000 auf 810.000 in diesem Jahr auf eine Verlangsamung beim Stellenabbau.


 
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