Mobile Bezahldienste kommen: Handys machen der Geldbörse Konkurrenz
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 03.01.2011 - 16:15Düsseldorf (RPO). Kreditkarten und Bargeld sind demnächst vielleicht von gestern: Das Bezahlen mit dem Handy soll in den kommenden Jahren zum Standard werden. Künftig werden die meisten Mobiltelefone über eine entsprechende Funktion verfügen - und das Shoppen noch viel einfacher machen. Bislang tat sich die Industrie mit dem Thema allerdings schwer.
Die Zukunft könnte so einfach sein. Wer in der Tiefgarage die Parkgebühr zahlen möchte, muss nicht mehr nach Kleingeld kramen. Wer mit dem Bus fahren will, muss kein Papierticket mehr lösen. Selbst das Bezahlen an den Supermarktkasse ist bald ohne Cash, EC- und Kreditkarte möglich. Der Kunde der Zukunft braucht nur noch sein Handy, um Zahlungsvorgänge aller Art abzuwickeln - eine Technologie namens NFC (Near Field Communication) macht es möglich. Dabei muss das Handy nur noch in die Nähe eines Lesegerätes gehalten und die Transaktion autorisiert werden.
NFC ist als Technik eigentlich nicht neu. Doch die Handyhersteller haben es bislang versäumt, NFC-fähige Mobiltelefone auf den Markt zu bringen bzw. existierende Modelle zu vermarkten. Das soll sich nun ändern.
Nokia hatte bereits mit den NFC-Handys experimentiert, künftig wollen die Finnen alle Modelle der gehobenen Klasse standardmäßig mit der Technik ausstatten. Blackberry-Produzent Research in Motion will ebenfalls mit von der Partei sein. Auch Google will sein neues Handy mit NFC ausstatten. Zudem gibt es Gerüchte, Apple habe Selbiges mit dem Iphone 5 vor.
Zahl der User stieg um 55 Prozent
Bislang ist der Westen noch ein NFC-Nirvana. Weltweit nutzen erst 100 Millionen Menschen das System. Allein im letzten Jahr stieg die Zahl der User um 55 Prozent, fand das Marktforschungsunternehmen Gartner heraus. Doch die Anwender sitzen vornehmlich in Schwellen- und Entwicklungsländern, wo nicht an jeder Ecke ein Bankautomat steht. Ein Viertel der Nutzer von mobilen Bezahldiensten, im Fachjargon M-Payment genannt, lebt in Afrika. Weitere 60 Prozent kommen aus Asien.
Das wird sich künftig ändern, ein Milliardenmarkt lockt. 2014 sollen nach Berechnungen der Marktforscher von Isupply 220,1 Millionen NFC-Handys im Umlauf sein, was eine Anteil von 13 Prozent entspräche. Derzeit sind es noch 52,6 Millionen. Allein in Deutschland sollen bin drei Jahren sieben Milliarden Euro Zahlungsvolumen über Handys abgewickelt werden, wie Arthur D. Littlöe prognostiziert.
Vor allem die Bezahlung kleiner und mittelgroßer Beiträge könnte sich mit der flächendeckenden Einführung von NFC grundlegend ändern. Allerdings müssen auch Händler, Banken und Co. mitspielen.
Wesentliche Fragen zur Datensicherheit und dem genauen Ablauf der Zahlungen sind ebenfalls offen. Die Anbieter von Kreditkarten sind bereits aufgeschreckt. Sowohl Mastercard als auch American Express haben bereits Chips für die kontaktlose Datenübertragung in ihre Karten eingebaut.
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