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Nach ProSiebenSat.1-Übernahme: Hat Springer nun zu viel Macht?

zuletzt aktualisiert: 06.08.2005 - 13:46

Berlin (rpo). Nach der Übernahme folgt die Debatte: Ist die Marktmacht des Springer-Verlags durch den Kauf von ProSiebenSat.1 zu groß geworden? SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler sprach von einer "sehr bedenklichen Konzentration von Meinungsmacht in einem konservativen Verlagshaus". Gegen diesen Vorwurf setzte sich Springer-Mehrheitseigentümerin Friede Springer zur Wehr. Der Medienexperte Siegfried Weischenberg kritisierte die "Verbindung von Fernseh- und Zeitungsmacht".

"Springer sollte sich nicht zu früh freuen", sagte Stiegler dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" einem Vorabbericht vom Samstag zufolge. "Ich bin mir sicher, die Kartellbehörden werden bei der Fusion genau hinschauen", fügte er hinzu.

Diese Einschätzung wurde vom Bundeskartellamt bestätigt. "Ich gehe davon aus, dass wir dieses Vorhaben vertieft prüfen müssen und nicht in vier Wochen entscheiden können", sagte Kartellamts-Präsident Ulf Böge der "Süddeutschen Zeitung". Deswegen werde es eine zweite Phase der Prüfung mit einer Frist von weiteren drei Monaten geben.

Den Vorwurf wachsender Meinungsmacht wies Friede Springer zurück. "Ich denke nur an die Sicherung der Zukunft des Verlagshauses meines Mannes. Und dafür brauchen wir ein zweites Standbein", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ich hänge an dem Haus, es ist mein Leben", erklärte Springer. Deshalb werde sie alles daran setzen, sich das letzte Wort über den Konzern nicht mehr nehmen zu lassen.

Der Verlag ("Bild", "Welt") hatte am Freitag die Übernahme von ProSiebenSat.1 angekündigt. Durch die Fusion entsteht nach Bertelsmann, dem unter anderem die RTL-Sender gehören, der größte deutsche Medienkonzern. Die Münchener TV-Kette mit ihren Sendern ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 war vor zwei Jahren von einer Investorengruppe um den US-Medienunternehmer Haim Saban aus der Insolvenzmasse der untergegangenen KirchMedia gekauft worden.

Griefahn, die dem Bundestagsausschuss für Kultur und Medien vorsitzt, sieht durch den Zusammenschluss die Medienvielfalt gefährdet. "Ich möchte auf jeden Fall vermeiden, dass wir Verhältnisse wie in Italien bekommen", sagte sie im NDR-Hörfunk. Griefahn sprach sich dafür aus, dass künftig ein öffentlich-rechtlicher Beirat die privaten Sender kontrolliert.

Der Kommunikationswissenschaftler Weischenberg befürchtet, dass die Fusion "zu einer international beispiellosen Medienkonzentration" führt. Springer erhalte "jetzt die Möglichkeit, mit Kampagnen und wechselseitiger Promotion zwischen Fernsehsendern und Tageszeitungen die öffentliche Meinung stark zu beeinflussen", sagte er der "Berliner Zeitung".

Böge kündigte an, zwei Sachverhalte zu untersuchen. Springer habe sich eine "crossmediale Verflechtung" von Fernsehen und Boulevardpresse zum Ziel gesetzt, die es bisher nicht gegeben habe. "Es geht darum, welche Auswirkungen die Übernahme und Fusion auf den Werbemarkt im Fernsehen und den Lesermarkt bei Kaufzeitungen haben kann", sagte Böge. Zudem werde der TV-Werbemarkt von RTL und ProSiebenSat.1 dominiert. Dort dürfe es keine Verflechtungen geben.

Der Direktor des angesehenen Grimme-Instituts, Uwe Kammann, meldete sich unterdessen mit einer positiven Beurteilung der Übernahme zu Wort. "Mir ist es auf jeden Fall lieber, dass ein deutscher publizistischer Konzern die Senderkette kontrolliert, als dass es anonymes amerikanisches Kapital ist, wo man nicht genau weiß, welche publizistischen Interessen dahinterstecken", sagte er der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung".

Quelle: afp

 
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