Novellierung des Arzneimittelgesetzes: Hersteller müssen Medikamente für Kinder anbieten
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009 - 06:33Berlin (RP). Kranken Kindern soll in Zukunft besser und gezielter mit Arzneimitteln geholfen werden können. Die Bundesregierung will Pharmahersteller verpflichten, alle Medikamente, die für Kinder geeignet sind, tatsächlich auch in kindgerechter Dosierung auf den Markt zu bringen.
Grundsätzlich sei dies zwar eine unternehmerische Entscheidung, bei Arzneimitteln für Kinder sei es aber notwendig, "diese Freiheit einzuschränken", heißt es im Entwurf zur Novellierung des Arzneimittelgesetzes, der unserer Redaktion vorliegt. Zuwiderhandlungen sollen mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro belegt werden.
Die Bundesregierung setzt mit der Gesetzesnovelle EU-Recht um. Pharmahersteller müssen bereits seit einem Jahr alle neuen Medikamente auch für Kinder entwickeln. Eine EU-Prüfstelle bewertet schließlich, ob und in welcher Darreichungsform die Arzneien angeboten werden sollen. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller schätzt, dass sich die Zahl der jährlichen Neuzulassungen für Kinder-Arzneien in den nächsten Jahren verdreifachen werde.
Die Kinderärzte fordern die Reform seit Jahren. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, für die man die Dosierung übers Körpergewicht einfach runterrechnen kann", sagt der Düsseldorfer Kinderarzt und Kinderkardiologe Hermann-Josef Kahl.
Für seine kleinen Herzpatienten muss er derzeit oft auf Arzneien zurückgreifen, die nicht speziell für Kinder erprobt wurden. Auch bei Krankheiten wie Asthma oder Rheuma lassen Ärzte häufig die Erwachsenen-Medikamente von Apothekern neu aufbereiten. Apotheker-Funktionär Thomas Preis sagt: "Wir machen zum Beispiel aus einer Tablette einen niedriger dosierten Saft."
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