Krisen-Bank: Hilgert wird neuer Boss der WestLB
zuletzt aktualisiert: 01.04.2008 - 18:15Düsseldorf (RPO). Der ehemalige Vorstand der DZ Bank, Heinz Hilgert, wird neuer Chef der krisengeschüttelten WestLB. Hilgert wird damit Nachfolger von Alexander Stuhlmann, der nur für eine Übergangszeit zur Verfügung stehen wollte.
Der 54-jährige Manager tritt bereits am 1. Mai die Nachfolge von Interims-Chef Alexander Stuhlmann bei der drittgrößten Landesbank an, die mit Milliardenverlusten aus Fehlspekulationen und der US-Finanzmarktkrise kämpft.
WestLB-Aufsichtsrat-Chef Michael Breuer lobte Hilgert am Dienstag als "Mann der Gestaltung". Der Manager besitze große Erfahrungen in der erfolgeichen Neuausrichtung von Geschäftsmodellen. Außerdem verfüge er über "besondere Kompetenzen bei Fusionen und der Restrukturierung bankbetrieblicher Prozesse".
All diese Erfahrungen dürfte die Bank dringend benötigen. Denn sie befindet sich derzeit in einer Phase größter Unsicherheiten. Das bisherige Geschäftsmodell - mit einer starken Betonung des lukrativen, aber riskanten Auslandsgeschäfts - hat sich als zu gefährlich für die Bank erwiesen und in den vergangenen Jahren wiederholt existenzbedrohende Verluste verursacht.
Auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell
Inzwischen sucht das Geldinstitut fieberhaft nach einem neuen Geschäftsmodell und setzt dabei vor allem auf eine Stärkung des Mittelstandsgeschäfts und der Zusammenarbeit mit den Sparkassenverbänden. Doch beurteilen viele Experten das bislang Erreichte noch nicht als ausreichend, um langfristig ein Überleben der Bank zu sichern. Es gilt als ausgemacht, dass die WestLB einen Fusionspartner braucht.
Breuer betonte, mit der einstimmigen Berufung von Hilgert, unterstreiche der Aufsichtsrat, dass die WestLB eine aktive Rolle im Konsolidierungsprozess der Landesbanken wahrnehmen werde. Dank des vom Land Nordrhein-Westfalen und den Eigentümern aufgespannten Risikoschirms in Höhe von fünf Milliarden Euro, könne die Bank selbstbewusst in Fusionsgespräche gehen. Pläne für ein Zusammengehen mit der Helaba waren allerdings erst kürzlich gescheitert.
Risikoschirm in Höhe von fünf Milliarden Euro
Erst im Februar hatten die Bank-Eigentümer - das Land Nordrhein-Westfalen, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen und die Landschaftsverbände - ein fünf Milliarden Euro teures Sanierungspaket für die krisengeschüttelte Bank geschnürt. Zwei Milliarden Euro werden dabei anteilig von den Eigentümern aufgebracht. Für weitere drei Milliarden Euro gibt das Land Nordrhein-Westfalen allein eine Garantieerklärung ab.
Das Geld soll es ermöglichen, strukturierte Wertpapiere mit einem hohen Verlustrisiko in eine Zweckgesellschaft auszulagern und so die Bank davon zu befreien. Immerhin gelten bei der WestLB Papiere in einem Nominalwert von 23 Milliarden Euro als risikobehaftet.
Stuhlmann hatte die Leitung der Bank im Sommer 2007 übernommen und bereits bei seinem Amtsantritt erklärt, nur für eine Übergangszeit zur Verfügung zu stehen.
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