Probleme mit der Kühlung: Hitze bereitet AKW-Betreibern Sorge
zuletzt aktualisiert: 21.07.2006 - 20:15Frankfurt/Main (rpo). Die tagelange Hitzeperiode stellt die Betreiber von Atomkraftwerken vor massive Probleme. Energieversorger E.ON will beim niedersächsischen Umweltministerium jetzt eine Sondergenehmigung erwirken. Das beretis gedrosselte AKW Unterweser soll den Fluss Weser mit seinen Abwässern stärker erwärmen dürfen.
Eine derartige Erlaubnis bekam am Freitag der Stromkonzern EnBW von den baden-württembergischen Behörden. Am AKW Neckarwestheim darf der Neckar um ein halbes Grad mehr als normal aufgeheizt werden. Trotz der Probleme ist die Stromversorgung in Deutschland dem Verband der Elektrizitätswirtschaft zufolge stabil.
E.ON begründete sein Vorhaben mit der Sicherheit der Stromversorgung: "Wenn es weiter so warm bleibt, werden wir im Interesse der Versorgungssicherheit beim niedersächsischen Umweltministeriums eine Ausnahmegenehmigung für das Kernkraftwerk Unterweser beantragen", sagte E.ON-Kernkraft-Sprecherin Petra Uhlmann in Hannover. Derzeit ist das Kraftwerk gedrosselt, damit die Weser nicht über die erlaubten 26 Grad hinaus aufgeheizt wird.
Das niedersächsische Umweltministerium äußerte sich zurückhaltend zu den Aussichten eines Antrages auf eine Ausnahmegenehmigung. Eine solche Genehmigung könne man nur erteilen, wenn die Sicherheit der Stromversorgung bedroht sei, sagte Ministeriumssprecherin Jutta Kremer-Heye. Gegenwärtig sei die Versorgungssicherheit nach Angaben der Elektrizitätswirtschaft aber gewährleistet. Die Temperatur der Weser liege nach der Einleitung des Kühlwassers des AKW Unterweser zurzeit bei 25,3 Grad. Der Sauerstoffgehalt der Flusses nehme mit jedem Anstieg der Wassertemperatur ab.
Laut E.ON produziert das Atomkraftwerk zurzeit im Schnitt nur mit halber Leistung Strom. Der Wasserstand der Weser schwanke mit Ebbe und Flut, sagte Uhlmann. Je nach Wasserstand werde das Kraftwerk, das über keinen Kühlturm verfüge, mit einer Leistung zwischen 30 und 70 Prozent gefahren. Alle übrigen E.ON-Kernkraftwerke würden normal betrieben.
Stromversorgung laut Verband stabil
EnBW bekam die Erlaubnis, den Neckar am AKW Neckarwestheim auf eine Temperatur von maximal 28,5 Grad statt 28 Grad zu erhitzen, wie das Landesumweltministerium mitteilte. Der Versorger hatte eigentlich eine Temperatur von 29,5 Grad beantragt. Die Genehmigung gilt eine Woche lang. Bei Überschreitung der kritischen Temperatur von 28 Grad muss der Neckar überwacht werden. Im Block I des Kraftwerks müsse daneben die Leistung um etwa 50 Prozent verringert werden, erklärte das Umweltministerium weiter. Der Neckar ist stellenweise schon jetzt über 26 Grad warm. Wegen der steigenden Wassertemperatur der Elbe hatten bereits alle drei Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein die Leistung gedrosselt.
Unterdessen teilte der Verband der Elektrizitätswirtschaft mit, dass die Stromversorgung trotz der hohen Temperaturen in Deutschland nicht gefährdet sei. "Die rund 1.000 Stromunternehmen tun alles, um Störungen zu vermeiden", sagte Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. So steige der Verbrauch im Sommer nur gering an, weil Haupturlaubszeit sei und damit die verstärkte Nutzung von Klima- und Kühlgeräten wieder aufgehoben werde.
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