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  Foto: dapd, dapd
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Feindliche Übernahme durch ACS: Hochtief auf der "Verliererstraße"

zuletzt aktualisiert: 30.11.2010 - 20:58

Essen (RPO). Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hat kaum noch Chancen, die feindliche Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS zu verhindern. Nach der Genehmigung des ACS-Übernahmeangebots durch die deutsche Wertpapieraufsicht BaFin seien "die Würfel gefallen", sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und Hochtief-Aufsichtsrat, Klaus Wiesehügel, am Dienstag in Frankfurt am Main.

Er kündigte an, die IG BAU werde nun rasch das Gespräch mit ACS suchen, um einen Stellenabbau in Deutschland und eine Zerschlagung des Konzerns zu verhindern.

SPD dringt auf Gesetzesänderung

Die SPD dringt weiter auf eine Änderung der gesetzlichen Regelungen für Übernahmen. "Es geht ganz grundsätzlich um die Frage, wie es ums Übernahmerecht in Deutschland bestellt ist", sagte SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil am Dienstag in Berlin.

Die SPD habe schon vor einiger Zeit gesetzgeberische Vorschläge gemacht, um Lücken im deutschen Übernahmerecht gegenüber dem in europäischen Nachbarländern zu schließen. "Unser Vorschlag zielt darauf, dass wir gemeinsame Standards in Europa zum Übernahmerecht bekommen", sagte Heil. Ein SPD-Gesetzentwurf dazu liege bereits im Bundestag. "Er könnte von der Regierung unterstützt werden", sagte Heil. Er habe allerdings den Eindruck, dass das mit der schwarz-gelben Koalition nicht gelinge.

In anderen Ländern gebe es bessere Übernahmeregelungen, betonte Heil. Das gelte vor allem für die Pflicht, bei Erreichen eines Anteils von mehr als 30 Prozent einer Zielgesellschaft den restlichen Eignern ein neues Angebot für ihre Aktien vorzulegen. Es müsse verhindert werden, dass sich ein schwächerer Partner an ein stärkeres Unternehmen mit Übernahmeabsichten anschleiche.


Konzern auf der "Verliererstraße"

Aktionärsschützer sehen den Essener Baukonzern jetzt auf der Verliererstraße. "Das war ein bitterer Rückschlag für Hochtief. Die Spanier haben jetzt alle Trümpfe auf ihrer Seite", sagte Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Hochtief bleibe nun eigentlich nur noch die Hoffnung auf einen "weißen Ritter" - einen Investor, der bereit sei, ACS seinen Anteil abzukaufen. "Das müsste allerdings ein großzügiges Angebot sein", sagte Cabras. Im Moment sehe es allerdings nicht so aus, als ob das funktioniere. Eine Kapitalerhöhung als "Giftpille" sei dagegen in der gegenwärtigen Situation kaum noch aussichtsreich, sagte der Experte.

Der Hintergrund der düsteren Prognosen: Die BaFin hatte am Montagabend dem spanischen Baukonzern grünes Licht für sein Kaufangebot gegeben. Die Angebotsunterlagen entsprächen den gesetzlichen Anforderungen und verstießen nicht gegen übernahmerechtliche Vorschriften, betonte die Behörde. ACS will das Angebot nun bereits am (morgigen) Mittwoch offiziell den Hochtief-Aktionären präsentieren. Der Konzern geht davon aus, die Transaktion bis Ende Januar abgeschlossen zu haben.

Hochtief will Angebot genau prüfen

Vor der Genehmigung hatte die BaFin von ACS allerdings erhebliche Nachbesserungen verlangt. So musste sich der Baukonzern auf einer eigens einberufenen außerordentlichen Hauptversammlung zur Finanzierung des Kaufs eine Kapitalerhöhung im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro genehmigen lassen. Zudem habe die BaFin Risiken für die annehmenden Aktionäre aus der Kapitalerhöhung soweit wie möglich reduziert, hieß es in Bonn.

Hochtief kündigte an, das Unternehmen werde das Angebot nach seiner Veröffentlichung prüfen und detailliert dazu Stellung nehmen. Konzernchef Herbert Lütkestratkötter sagte: "Wir raten unseren Aktionären, bis zur Veröffentlichung der Stellungnahme keine Entscheidung zu treffen."

Die spanische ACS-Gruppe ist schon heute mit einem Anteil von knapp 30 Prozent größter Aktionär bei Hochtief. In ihrem Übernahmeangebot bietet sie den Hochtief-Anteilseignern für jeweils fünf Aktien des Essener Konzerns acht eigene Papiere. Aktionärsschützer bewerten das Angebot als äußerst unattraktiv. Ziel der Offerte sei es lediglich, die 30-Prozent-Schwelle zu überspringen, um damit künftig beim Aktienzukauf von einem weiteren Pflichtangebot befreit zu sein.

Die deutsche Bauindustrie warnte unterdessen vor einem drohenden Abfluss von Ingenieurskompetenz ins Ausland infolge der Übernahme. Michael Knipper vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie betonte, dies könne Auswirkungen auf die gesamte deutsche Wirtschaft haben. Bauindustrie und Gewerkschaft appellierten an die Bundesregierung, das deutsche Übernahmerecht nachzubessern, um künftig besser gegen feindliche Übernahmen gewappnet zu sein.

Quelle: apd/felt

 
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